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Weihnachten mit Konfliktpotenzial

Das Medienboard Berlin-Brandenburg lädt zum Empfang. Doch die Branche ist in Aufruhr.

Fabian Busch, Fritzi Haberlandt, Benjamin Sadler bei der Medienboard Weihnachtsparty

Fabian Busch, Fritzi Haberlandt, Benjamin Sadler bei der Medienboard Weihnachtsparty

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Zum Ende des Jahres hat es in der deutschen Filmbranche noch einmal ordentlich geknallt. In einem offenen Brief hatten 79 Regisseurinnen und Regisseure eine Neuausrichtung der Berlinale gefordert und massive Kritik an Festivalleiter Dieter Kosslick geübt. Einige distanzierten sich im Anschluss wieder davon und gaben an, sich von den Medien instrumentalisiert zu fühlen - doch die medienwirksame Diskussion war da längst im Gange.

Ein bisschen mehr Einigkeit und Besinnlichkeit versprach da die traditionelle Vorweihnachtsparty des Medienboards Berlin-Brandenburg am Donnerstagabend. Auch wenn die Frage nach der Zukunft der Filmfestspiele auch durch das "Säälchen" an der Holzmarktstraße geisterte. Schließlich wird Geschäftsführerin Kirsten Niehuus häufig als mögliche Nachfolgerin von Kosslick genannt. Sie werde sich an dieser Debatte nicht beteiligen, machte die 58-Jährige auch dieses Mal wieder deutlich. "Ich habe mich nirgendwo für diese Stelle beworben, ich weiß nicht, wo das her kommt." Lieber wollte sie auf dem ehemaligen Gelände der legendären "Bar 25" mit prominenten deutschen Filmschaffenden wie Til Schweiger, Natalia Wörner und Lisa-Marie Koroll auf ein erfolgreiches Jahr zurückzublicken und einen Ausblick auf das kommende wagen.

So konnte sich das Medienboard zuletzt über den Erfolg der teuersten deutschen Serie "Babylon Berlin" freuen und gleichzeitig die Drehbuchförderung für die dritte Staffel verkünden. Entsprechend gut gelaunt war auch Regisseur Tom Tykwer, der 2018 Jury-Präsident der Berlinale wird. Die Diskussion um Dieter Kosslick habe er teilweise als sehr despektierlich empfunden, so der 52-Jährige. Er sehe dem Festival dennoch positiv entgegen. "Das werden für mich zehn Tage Urlaub", so Tykwer. "Wer Filme gucken als Arbeit empfindet, dem ist auch nicht mehr zu helfen."

Eine Tradition bei der Weihnachtsparty ist die "Scheck is back"-Übergabe. Dieses Mal zahlte das Filmteam der Komödie "Kundschafter des Friedens" seine Verleihförderung im feierlichen Rahmen an das Medienboard zurück. "Für diejenigen, bei denen es dieses Jahr nicht geklappt hat mit der Förderung, haben wir auf der Galerie Flipperautomaten aufgebaut", scherzte Niehuus. Schauspielerin Saralisa Volm nahm sie beim Wort: "Wir haben kein Geld vom Medienboard bekommen, da wollte ich hier wenigstens umsonst essen."

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