"Whatever happens"

Fahri Yardim - "Man muss sich seinen Krisen stellen"

| Lesedauer: 5 Minuten
Maria Bidian
Keine lange Leitung: Fahri Yardim

Keine lange Leitung: Fahri Yardim

Foto: Maurizio Gambarini

Der Schauspieler Fahri Yardim spricht im Interview über Beziehungen, die Vaterschaft und das Gefühl von Heimat.

Berlin. Das Zimmer im Luxushotel am Kurfürstendamm riecht nach Pommes frites. Auf dem Tisch steht ein Teller mit den Überresten einer Currywurst. „Schön, dass du da bist“, sagt Schauspieler Fahri Yardim. Obwohl es warm ist, trägt der 37-Jährige eine dicke Winterjacke. Seine Stimme klingt etwas rau, er ist erkältet. In drei Stunden soll er schon auf dem roten Teppich stehen – für die Premiere seines neuen Films „Whatever happens“, der am Donnerstag in den deutschen Kinos startet.

„Whatever happens“ beginnt am Ende einer Beziehung, Ihre Rolle ist ernster als gewohnt.

Fahri Yardim: Für mich ist es spannend, neben den oft schrillen Figuren auch leisere Momente zu spielen. Ich freue mich natürlich, dass ich auch mal meine sensible und melancholische Seite beanspruchen kann.

Ihre Figur Julian gibt im Film das unabhängige WG-Leben auf, gründet mit Freundin Hannah eine Familie, wird erwachsen. Sie sind jetzt 37. Und erwachsen?

Ich habe lange gebraucht, um das Junggesellendasein hinter mir zu lassen. Trotzdem wünsche ich mir manchmal, zu dem ungebundenen, verantwortungslosen Leben zurückkehren zu können. Zur Naivität und angeblichen Freiheit.

Sie haben dieses Jahr Ihr erstes Kind bekommen.

Meine Tochter hat meine Kindlichkeit wiederbelebt und mich gleichzeitig erwachsen gemacht. Sie erzieht mich. Die Verantwortung für sie hat dafür gesorgt, dass ich eine gewisse erwachsene Disziplin gelernt habe.

Im Film geht es um Beziehungen zwischen Mann und Frau, Eltern und Kind.

Ich hatte lange ein falsches Bild von Beziehungen. Ich habe nach der Person gesucht, mit der ich mich symbiotisch vereinen kann, nach einer Person, die perfekt zu mir passt, wie ein Puzzleteil. Heute habe ich gelernt, dass es besser ist, die Unterschiedlichkeit des Partners anzunehmen und Platz für Individualität zu lassen. Eine moderne Beziehung ist für mich das Feiern von Unterschiedlichkeit. Wie Sondierungsgespräche. Nur, dass die Partner nicht vor den Kompromissen wegrennen, wie die FDP.

Eine moderne Beziehung. Im Film bleibt Julian mit der Tochter zu Hause, die Mutter fliegt um die Welt und macht Karriere. Scheitert daran die Beziehung?

Beide haben einen unterschätzten, modernen Anspruch an sich. Julian will Hausmann sein, sieht aber, wie seine Freunde Karrieren machen, von denen auch er mal geträumt hat. Hannah ist beruflich erfolgreich, entfremdet sich aber von ihrem Kind. So entstehen Spannungen, die beide erst einmal nicht bewältigen können.

Was wäre die Lösung?

Man muss sich seinen Krisen gemeinsam stellen. Die kleinen, stillen Momente genießen, auch wenn der Tag anstrengend war. Die Balance zwischen Selbstverwirklichung, Karriere und Elterndasein zu finden, ist wichtig. Keiner sollte einen Teil von sich vollkommen aufgeben.

Als Ihre Tochter geboren wurde, sind Sie zunächst zu Hause geblieben.

Ich arbeite jetzt wieder mehr, aber ich achte darauf, dass ich so viel es geht bei der Kleinen bin. Als Schauspieler ist das Leben sehr wechselhaft. Mal bin ich lange weg, dann wieder lange zu Hause. Eine Herausforderung, die wir aber bis jetzt gut meistern. Die Schäden sehe ich dann, wenn meine Tochter 14 Jahre ist (lacht).

Sie sind in Hamburg geboren und spielen dort neben Til Schweiger im „Tatort“. Warum wohnen Sie trotzdem in Berlin?

Ich habe mich in Berlin verliebt. Außerdem hatte ich vom Hamburger Tellerrand genug. Aber Hamburg bleibt eine ewige Sehnsucht. Die Stadt ist eine Heimat, die in mir wohnt. Die Berliner Künstlerszene ist jedoch nicht zu übertreffen. Die Stadt ist unglaublich inspirierend und wahrhaftig. Ich mag, dass sie noch Lücken hat, unfertig ist. Berlin ist wie der BER. Das Scheitern des Flughafens erzählt viel über das Leben. Das Leben ist eben nicht fertig und perfekt.

Heimat. Sie haben einmal gesagt, Sie seien ein „dazwischen Kind“, zwischen Kulturen, zwischen den getrennten Eltern aufgewachsen. Haben Sie heute Ihr Zentrum gefunden?

Ich würde mich nicht als angekommen bezeichnen. Identität ist bei mir ein fließender Zustand. Ich habe meinen Frieden damit gemacht, dass es in mir unterschiedliche Identitäten gibt. Im Grunde führe ich eine Beziehung aus unterschiedlichen Anteilen in mir selbst. Mal streiten sich meine Teile, mal sind sie versöhnt.

Zurück zu Ihrer neuesten Arbeit „Whatever happens“. Die Rahmenhandlung spielt an Silvester. Wie werden Sie denn persönlich die ersten Feiertage mit Kind verbringen?

An Silvester suche ich den größten möglichen Abstand zu allem Feuerwerk. Die Kleine würde im Dreieck springen. Ich glaube wir suchen uns ein kleines Häuschen auf dem Land und genießen die Ruhe. An Weihnachten dagegen wird’s laut, da kommt die ganze Familie. Und Hauptsache es gibt Kroketten!

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