Interview

Glööckler, Gott und die Welt: So tickt der Prince of Pompöös

| Lesedauer: 6 Minuten
Niklas Cordes
Harald Glööckler hat nicht nur acht Kilogramm abgenommen, sondern auch seine Beziehung zu Gott vertieft

Harald Glööckler hat nicht nur acht Kilogramm abgenommen, sondern auch seine Beziehung zu Gott vertieft

Foto: Reto Klar

Der selbst ernannte „Prince of Pompöös“ ist jetzt unter die Schriftsteller gegangen. Sein Werk lautet: "Fuck you, Brain!"

Berlin. Bekannt wurde Modemacher Harald Glööckler durch seine barocken Entwürfe (auf Kleidern, Tapeten und Pralinen) sowie durch diverse optische Veränderungen seiner selbst. Seine Botschaft in allen Bereichen lautete: Jede Frau kann eine Prinzessin sein. Ähnlich motivierende Ratschläge gibt der 52-Jährige in seinem Buch „Fuck you, Brain!“ (Plassen). Im Interview spricht der Designer über Selbstoptimierung und seinen Gottesglauben.

Designer, Motivationscoach, Tapetenmacher, Gesamtkunstwerk, welche Bezeichnung haben Sie am liebsten?

Harald Glööckler: Ich finde, es ist ein großer Vorteil, vielschichtig zu sein. Ich habe einmal gelesen, dass es Menschen gibt, die viele Sachen gleichzeitig beherrschen und Dinge intensiver wahrnehmen. Ich scanne auch direkt jeden Raum, den ich betrete. Das sind übrigens die Kinder, die in der Schule heute zurecht gestutzt werden, weil sie anstrengend sind. Man sagt ja auch, dass 90 Prozent der Kinder hochbegabt sind, wenn sie in die Schule kommen, wenn sie aus der Schule kommen, dann sind es nur noch zehn Prozent. Bei den ganzen Feldern, die ich bespiele, ergänzt eins das andere.

Sie sind deutlich erschlankt, acht Kilo haben Sie abgenommen. Ist das Schreiben des Buches dran schuld?

Ich bin 52 und dachte, früher war alles mal besser. Ich musste mich entscheiden, entweder akzeptiere ich meine Figur jetzt so, wie sie ist, oder ich muss etwas ändern. Dann habe ich ein Bild, auf dem ich 37 Jahre alt und fettfrei war, in die Finger bekommen und dachte: Da will ich wieder hin. Mein Plan war es dann, in sieben Wochen abzunehmen, weil ich im November in New York von dem Starfotografen Udo Spreitzenbarth für ein Projekt abgelichtet werden soll. Da wollte ich natürlich toll aussehen, wie die Dietrich (lacht).

Mit welcher Methode purzelten die Pfunde?

Mit der harten. Ich habe meine Ernährung umgestellt. Ich esse einfach sehr bewusst, abends keine Kohlenhydrate. Dreimal die Woche mache ich Hardcore-Sport mit meinem Personal Trainer. Danach kann ich kaum noch stehen, aber der Erfolg spricht für sich. Das Ganze passt aber gut zu meinem Motivationsbuch. Ich lebe das, was ich predige. Viele meiner Fans und auch Bekannte haben jetzt auch begonnen, Sport zu machen und gesünder zu essen.

Sie haben den Satz „Jede Frau kann eine Prinzessin sein“ geprägt. Welche Dinge sollte jeder beherzigen, der royale Ambitionen hegt?

Erstens: Sei du selbst. Das ist das Wichtigste. Dazu muss man aber auch wissen, wer man momentan ist und wohin die Reise gehen soll. Die zweite Sache ist, dass jeder von uns wissen muss, dass er ein göttliches Wesen ist. Gott ist in allem, also auch in jedem von uns. Jeder kann alles im Leben erreichen. Zu guter Letzt ist es wichtig, dankbar zu sein.

Gibt es Leute, denen Sie am liebsten die Krone absprechen würden?

Es gibt ein paar ungezogene Kinder, die in der Welt derzeit an der Macht sind und mit dem Fuß aufstampfen, sich gegenseitig bepöbeln. Diese Leute spielen Krieg wie damals im Kindergarten. Ich bin aber guter Dinge, dass wir die irgendwann loswerden. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen selbstbestimmter werden. Das merkt man auch in der Kirche, die Leute lassen sich nicht mehr so leicht erreichen. Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, ist es auch noch nicht das Ende.

Sie haben auch eine Tätigkeit als Prediger in der Kirche ...

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in einer Kirche stehen werde und eine Predigt halte. Damals kam die Anfrage von der evangelischen Kirche, da dachte ich „Hoppla“. Es ist ja schon anders, als eine Rede zu halten. Ich habe darüber gesprochen, ob eine Kirche notwendig ist. Um mit Gott zu reden, braucht man meiner Meinung nach nämlich keinen Dolmetscher und auch keine Kirche, die uns kleinmacht. Wir brauchen eine Kirche, die uns stützt und auffängt, wenn wir fallen. Gott ist Liebe und nicht jemand, der da oben sitzt und schrecklich straft. In meinem ersten Gottesdienst waren 700 Besucher. An Weihnachten werde ich in zwei Kirchen die Weihnachtsgeschichte lesen, und ich habe auch Anfragen von der katholischen Kirche, ob ich nicht zur Fastenzeit predigen mag. Also ist offensichtlich Interesse da. Wahrscheinlich, weil Glööckler die Menschen anzieht. Vor ein paar Jahren hätte man es sich wohl kaum vorstellen können, dass ein exzentrischer Mann, der aus der Kirche ausgetreten ist, in einer Kirche predigt.

Gab es einen bestimmen Punkt in Ihrem Leben, in dem Sie gemerkt haben, dass Ihre Verbindung zu Gott ein festes Band ist?

Ich hatte mal Probleme mit der Kirche, aber nie mit Gott. Meine Beziehung zu Gott war immer tief verankert. Ich verstehe aber Menschen, die zu manchen Dingen keinen Zugang finden, das ist ja auch kein Drama. Für mich ist der Glaube wichtig. Nur fanatisch darf es nicht werden. Ich habe die Bibel gelesen, den Koran, viele andere Schriften und mich informiert. Die Bibel war erst sehr schwer zugänglich für mich. Wenn mich Menschen fragen, wie lese ich die Bibel richtig, dann sage ich: Schlag einfach eine Seite auf, und du wirst das finden, was du brauchst.

Wofür beten Sie, Herr Glööckler?

Für mehr Hirn für manche Politiker, für Vernunft. Natürlich auch für Frieden, Liebe, Verständnis, meine Mitmenschen. Beten bedeutet auch, Liebe zu senden. Man sollte nicht nur beten, wenn man etwas braucht. Man kann tagtäglich beten, auch im Zuge der Dankbarkeit.

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