Restaurant "Golvet"

"Mehr Berlin geht nicht": Streetart trifft auf Spitzenküche

Im ehemaligen „40seconds“ Club an der Potsdamer Brücke haben die Künstler von "The Haus" ein Restaurant ausgestaltet.

Ihr Projekt "The Haus" an der Nürnberger Straße war spektakulär und berühmt weit über Berlin hinaus. Jetzt haben die Künstler wieder "zugeschlagen" – an einem Ort, an dem man es wohl nicht erwarten dürfte. Sie haben das Restaurant "Golvet" an der Potsdamer Straße mit ihrer Streetart ausgestaltet, beziehungsweise sie sind noch dabei.

"Mehr Berlin geht nicht", sagt Anna Schermall von der 40seconds Group begeistert. Tatsächlich: Im ehemaligen "40seconds" Club in der achten Etage des Eckhauses an der Potsdamer Brücke ist alles Berlin – der weite Ausblick über City West und City Ost, der Chefkoch Björn Swanson und jetzt die Kunst der "The Haus"-Künstler. Neben deerBLN, Case Maclaim, Masha, Gogoplata und Felix Rodewaldt sind auch Die Dixons und One Truth vertreten.

Die Wände der Lounge – das "Golvet" ist nicht nur Restaurant, sondern auch Bar – sind dagegen von unzähligen "Notes of Berlin"-Bildern bedeckt. Das Format ist ein Internet-Hit, bei dem Berliner Fotos einschicken, die Zettel aus dem Stadtleben zeigen, mit meist lustigen, teils aber auch eher derben Botschaften.

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Jedes Werk steht für sich, verbindet sich aber mit dem Ambiente.

Die Idee zu "Golvet x The Haus" hatte Anna Schermall. "Anna war in The Haus", erzählt Kimo von Rekowski von Die Dixons und habe dann eine Anfrage geschickt. Erst herrschte Skepsis, doch bei einem Gespräch sei ihnen sofort klar gewesen: "Das machen wir" – auch weil Rekowski den Club "40seconds" noch aus früheren Zeiten kannte. Natürlich sei das hier nicht "The Haus", so Rekowski, aber das Gefühl und die Energie seien hier auch vorhanden. "Damit konnten wir uns identifizieren." Hinzu kam, dass ihnen niemand Vorgaben gemacht habe. Das Motto hieß: "Macht, was ihr wollt."

Ganz fertig seien sie noch nicht, Mitte oder Ende Oktober werde es soweit sein, so Rekowski, dessen Werk die Fenster im Gastraum und in der Lounge des "Golvet" zieren. Folienquadrate, die von Orange zu Nachtblau changieren und mit dem Licht der untergehenden Sonne interagieren. Durch das ganze Restaurant verteilen sich die Kunstwerke, ohne aber den klassischen Rahmen zu sprengen. Jedes Werk steht für sich, verbindet sich aber mit dem Ambiente.

Kein Typ für Pünktchen und Schäumchen

Zu der großartigen Kunst für das Auge gibt es ebenso großartige Kunst auf dem Teller. Dafür sorgt Swanson, der aus dem "Gutshaus Stolpe" in Mecklenburg-Vorpommern, wo er einen Stern erkochte, zurück an die Spree wechselte. Swanson ist nicht der Typ für Pünktchen und Schäumchen, wie er selber mal gesagt hat. Seine Gerichte haben eine klare Linie. Fisch schmeckt auch intensiv nach Fisch, Lamm nach Lamm. So ist die Ceviche von der Maräne mit Avocado-Eis, Verjus und getrockneten Trauben klar im Aroma, säuerlich, was die Avocado wieder ausgleicht. Dazu gibt es ein Stück krosse Fischhaut, das für einen Knuspereffekt sorgt.

Auch der gegrillte Lammrücken mit geräucherter Erbse, geröstetem Kohl, Brombeeren und Steinpilzen überzeugt mit seinem klar herausgearbeiteten Aroma. Das Lamm hat eine schöne Kruste, das Fleisch ist butterzart. Die Brombeere steuert knackige Säure hinzu, die Erbse bringt ein würziges Raucharoma hinein. Zum Abschluss ein Dreierlei von weißer Opalys-Schokolade mit Guaveeis, Langem Pfeffer und Milchmädchen, das viel Süße und ein sehr intensives Guave-Aroma verströmt. Ein Höhepunkt zum Schluss. Neben Wein bietet das "Golvet" auch nordisch inspirierte Cocktails.

Keine Frage: Künftig ist das "Golvet" nicht nur wegen des sterneverdächtigen Essens oder der Aussicht einen Besuch wert, sondern auch wegen der spannenden Kunst der "The Haus"-Künstler .

"Golvet", Potsdamer Straße 58, 10785 Berlin, Tel. 89 06 42 22, www.golvet.de

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