a-ha

„Am Ende hassen wir uns alle“

a-ha haben ihre Songs für MTV Unplugged neu arrangiert. Der Weg dorthin war nicht immer einfach.

Magne Furuholmen, Paul Waaktaar-Savoy and Morten Harket am Dienstag in Berlin

Magne Furuholmen, Paul Waaktaar-Savoy and Morten Harket am Dienstag in Berlin

Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Ein bisschen müde wirken Morten Harket, Pål Waaktaar-Savoy und Magne Furuholmen am Dienstagnachmittag in den Nordischen Botschaften an der Rauchstraße. Seit über 30 Jahren stehen die drei Norweger als a-ha auf der Bühne und geben offen zu: Pressetermine sind nicht immer ein Vergnügen. Doch schließlich gibt es ein neues Album zu bewerben. Am 6. Oktober erscheint „Summer Solstice“. Für eine MTV-Unplugged-Produktion hat die Band ihre alten Songs erstmals akustisch arrangiert. Ein Gespräch über Monotonie, ihr wiederentdecktes Gemeinschaftsgefühl und Berlin.

Vor zwei Jahren haben Sie in den Nordischen Botschaften Ihre Wiedervereinigung bekannt gegeben. Jetzt sind Sie wieder hier. Gibt es eine besondere Verbindung zu dem Ort?

Magne Furuholmen: Das ist nur unserem Mangel an Kreativität geschuldet (lacht). Nein, ernsthaft, Berlin ist für uns schon seit langer Zeit ein zentraler Ort. Zum einen, weil unsere Plattenfirma hier sitzt. Zum anderen, weil Deutschland sehr wichtig für unsere Karriere war.

In über 30 Jahren Bandgeschichte, was ist Ihre wildeste Berlin-Erinnerung?

Furuholmen: Das sind Dinge, die außerhalb von a-ha passiert sind.

Morten Harket: Ich wollte gerade sagen, halt uns bloß da raus (lacht).

Furuholmen: Ich bin auch Maler und komme deshalb häufig nach Berlin. Zum Beispiel zur Art Week. Im Kunstbereich passiert in der Stadt unglaublich viel. Aber es ist immer gut, sich ein paar Geheimnisse zu bewahren.

Eine Theorie besagt, dass es nie gut geht, zu seinem Ex zurückzukehren. Wie ist Ihre Erfahrung damit, seit Sie wieder zueinandergefunden haben?

Furuholmen: Ich weiß nicht, ob das im Leben stimmt. Das kann schon funktionieren. Es hängt immer von der Situation ab. Wenn man uns aber mit einer Ehe vergleichen will, dann würde ich sagen, dass wir als sehr enge Einheit angefangen haben und uns das Leben dann in andere Richtungen geführt hat. Unserer gemeinsamen Geschichte sind wir aber weiterhin sehr verbunden. Alles andere rauscht so an uns vorbei.

Und fühlt es sich so an, als wären Sie nie getrennt gewesen? Streiten Sie wieder über genau die gleichen Dinge? Oder ist es eher wie frisch verliebt?

Harket: Es gibt zwischen uns immer noch genau die gleichen Dynamiken wie früher. Im Guten wie im Schlechten, das gehört alles dazu. Mit dem Alter und der Erfahrung lernt man, damit besser und konstruktiver umzugehen. Man erliegt leicht der Versuchung, auf Autopilot umzuschalten, wenn man sich so lange kennt. Und das macht einen dann fertig. Man kann aber auch immer wieder auf Tour gehen und dabei inspiriert bleiben.

Furuholmen: Man muss sagen, dass Menschen sich grundsätzlich nur sehr wenig verändern. Ich denke, es hat uns gutgetan, dass wir uns heute erst verabreden müssen, um ein Projekt wie das MTV-Unplugged-Album zu realisieren. Vorher haben wir sowieso immer zusammen rumgehangen. a-ha ist heute nicht mehr Teil unseres täglichen Lebens, wir schauen jetzt mit ein wenig Abstand darauf. Und ich denke, das ist sehr gesund für eine Langzeitbeziehung. Wir treffen vor jedem Projekt wieder die aktive Entscheidung füreinander.

Harket: Wir fühlen uns jetzt wieder mehr wie eine Band. Indem wir die alten Songs neu arrangiert haben, haben wir auch einen Teil unserer Identität wiedergefunden. Ich habe das Gefühl, wir können jetzt auch wieder mit einer positiven Einstellung auf Tour gehen. In einer langen Beziehung kann alles monoton werden, deshalb ist es wichtig, sich Freiräume zu geben.

Wie wichtig war es für Sie als Band, einmal etwas zu machen, was Sie noch nie gemacht haben?

Furuholmen: Das Projekt war sehr besonders. Aber eigentlich läuft es immer gleich. Wir fangen mit sehr viel Energie an und am Ende hassen wir uns alle (lacht). Bisher läuft es aber sehr gut. Wir sind in einem fruchtbaren Dialog. Und dieses Gefühl nehmen wir mit auf Tour.

Pål Waaktaar-Savoy: Es wird aber auch nur eine kurze Tour. Der komplette Entstehungsprozess des Albums war kurz und schmerzlos. Aber auch inspirierend.

Furuholmen: Das Management hat das Projekt von vorneherein auf einen sehr kurzen Zeitraum angesetzt, damit es nicht zu einem Albtraum wird. Das heißt, wir hatten keine Zeit für zweite Versuche und das hat uns kreativ gemacht. Das war für uns selbst eine Überraschung, es hat uns wieder zu einer Einheit gemacht.

Das klingt ein bisschen wie eine Paartherapie ...

Harket: Genau so war es.

Furuholmen: Wir brauchten jemanden, der sich die Sache von außen anschaut und uns wieder zusammenbringt.