Fashion Week

Ramona Pop: "Berlin ist eine junge Modemetropole"

Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe unterstützt die Fashion Week. Ein Interview mit der Grünen-Politikerin.

Ramona Pop

Ramona Pop

Foto: Kay Nietfeld / picture alliance / dpa

Ramona Pop (39) spricht im Interview über die Zukunft der Berliner Modewoche - und verrät, wie wichtig Kleidung für sie persönlich ist.

Frau Senatorin, welchen Bezug hatten Sie bisher zur Fashion Week?

Ramona Pop: Man merkt sofort, wenn Fashion Week ist – die Stimmung in der Stadt ist großartig. Im Januar habe ich mir einen ganzen Tag Zeit genommen, um die Leitmessen, die Gruppenausstellung des Berliner Mode Salons, die wir ja auch fördern, und Modenschauen sowie die FashionTech-Konferenz zu besuchen. Berlin hat sich als junge und innovative Modemetropole etabliert. Hier entstehen neue Trends, deutsche und Berliner Labels drängen nach vorne und sind erfolgreich. Die starken Trends Innovation und Nachhaltigkeit – von Fashion Tech/ Wearables bis Eco-Fashion und Kreislaufwirtschaft – finde ich hochspannend.

Und jetzt im Sommer?

Leider habe ich nicht immer Zeit für die schönen Dinge! In dieser Saison muss ich aufgrund anderer Verpflichtungen schweren Herzens passen. Aber natürlich unterstütze ich mit meiner Verwaltung auch in dieser Saison die Fashion Week. Unter anderem haben wir gemeinsam mit dem Fashion Council Germany und der Messe Frankfurt (Green Showroom/ Ethical Fashion Show) ein sechsmonatiges Mentoring-Programm für nachhaltige Berliner Modelabels entwickelt, von dem in 2017 die Berliner Designer Benu Berlin und Philomena Zanetti profitieren. Darüber hinaus unterstützt mein Haus erneut den von der Agentur Nowadays organisierten Berliner Modesalon, der bereits zum siebten Mal stattfindet. Rund 30 Modelabels aus Deutschland werden im Rahmen des Berliner Modesalons zur Berlin Fashion Week im Kronprinzenpalais präsentiert. Der Berlin Modesalon erreichte mit rund. 5.000 Besucherinnen und Besuchern eine überragende Medien- und Besucherfrequenz.

Mercedes-Benz hat angekündigt, in der kommenden Saison nicht mehr als Hauptsponsor mit dem Veranstalter IMG zusammen zu arbeiten. Was bedeutet das?

Die Entscheidung von Mercedes Benz ist für uns nicht überraschend gekommen. Die Fashion Week besteht aus zehn verschiedenen Messen und Formaten. Die Mercedes Benz Fashion Week mit ihren Modenschauen im Kaufhaus Jandorf ist eine Säule davon. Berlin bleibt Deutschlands Modehauptstadt und die Modewoche ein Erfolgsmodell. Das sieht man auch daran, dass sich Mercedes an anderer Stelle – bei dem Fashion Council Germany sowie dem Berliner Mode Salon – deutlich stärker engagieren wird. Veränderung birgt auch immer Chancen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Fashion Week?

Die Berlin Fashion Week feiert im Juli ihre 20. Saison (zehn Jahre seit Juli 2007). Und wie die Stadt ist die Fashion Week auch gewachsen, sie ist erwachsen geworden. Die Modewoche mit mehr als zehn Messen, über 50 Modenschauen sowie rund 100.000 Besuchern hat sich europaweit etabliert und zur guten Entwicklung der Modewirtschaft am Standort beigetragen. Wir haben inzwischen einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro jährlich und knapp 24.000 Erwerbstätige im Bereich Mode. Die Fashion Week ist eine bedeutende Leitveranstaltung für Berlin wie die IFA oder die Berlinale in anderen Bereichen. Die Messen, die Talente, FashionTech und Eco Fashion bilden die DNA der Modewoche. Die Messen werden immer größer, sie liegen inzwischen bei über 100.000 Quadratmetern Fläche, das ist ein Drittel mehr als vor zwei Jahren. Die Fashion Week ist eine Erfolgsgeschichte, auch wenn einzelne Bausteine sich verändern.

Wie sieht die Arbeit des Senats genau aus?

Wir unterstützen Berliner Designer mit Förderprogrammen, Mentoring, Workshops und Coaching. Wir buchen "Slots" – das heißt: Präsentationsmöglichkeiten bei der Fashion Week – und achten darauf, dass Berliner Modemacher und Marken bei der Mercedes Benz Fashion Week und dem Berliner Modesalon vertreten sind. Wir haben mit unserem Kalender zur Modewoche www.berlin-fashion-week.com über 500.000 Zugriffe in der Saison. Und: Wir fördern Gemeinschaftspräsentationen von Berliner Designern in Paris. Rund 500.000 Euro investieren wir jährlich in den Modebereich. Darüber hinaus sind viele weitere Wirtschaftsförderprogramme des Landes für Modeunternehmen interessant: Wachstumskapitalfonds Kreativwirtschaft, Design Transfer Bonus Programm oder das Darlehensprogramm Kredit Innovativ. Auch für die digitale Transformation des Mittelstands haben wir einige Programme im Angebot.

Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?

Die Zahlen sprechen für sich: Innerhalb von wenigen Jahren hat sich Berlin mit rund 100.000 Fachbesuchern und über 50 Modenschauen im Rahmen der Berlin Fashion Week, Messeplattformen, Showrooms, Konferenzen und Empfängen in der Top-Liga der Modestandorte weltweit etabliert. Auf inzwischen mehr als zehn Messen und Modenschauplattformen präsentieren Modelabels, Newcomer und etablierte Marken ihre aktuellen Kollektionen.

Damit gehört die Berlin Fashion Week neben der Berlinale und der IFA zu den Leitveranstaltungen in Berlin. Die zusätzliche Wirtschaftsleistung durch die Berlin Fashion Week liegt für Berlin liegt gemäß einer Studie der Investitionsbank bei über 120 Millionen. Euro je Saison. Dazu sind wir in Berlin mit Eco-Fair Mode und mit Fashion Tech an der Spitze der Innovation. Gerade die Startup-Szene befeuert die Entwicklung und mit vielen "Inkubatoren" und "Innovation Labs" bieten wir Strukturen von Laserdruck, Pitch-Training bis zur Vernetzung mit potenziellen Distributions- und Industriepartnern. Wir helfen also bei der Frage: Wie verbindet man Fashion und Technik von der Entwicklung über die Produktion bis zum Vertrieb?

Gerade gestartet ist unser Accelerator-Programm zu "Smart Wearables x Textiles". Bis zum 16. Juli können sich Berliner Startups bewerben. Sechs Teams sollen ausgewählt werden und werden bis November 2017 in individuellen mehrtägigen Workshops darin unterstützt, ihr Geschäftsmodell bis zur Marktreife zu entwickeln.

Ein großer Trendbereich in Berlin ist Eco-Fashion. Das dürfte Ihnen als Grüne gut gefallen?

Eco-Fashion liegt mir persönlich sehr am Herzen. Dieser Bereich wächst rasant. Immer mehr Unternehmen richten ihre Produktion an ökologischen und sozialen Kriterien aus. Diese starken Ansätze wollen wir weiter unterstützen.

Tragen Sie selbst Eco-Fashion?

Ich achte vor allem bei Basics darauf, dass sie aus Bio-Baumwolle und fair produziert sind. Aber Nachhaltigkeit heißt für mich auch, Kleidung über Jahre zu tragen, statt sie schnell wegzuwerfen und ständig etwas Neues zu kaufen. Damit liege ich auch laut Trendforschern wie Li Edelkoort gaaanz weit vorne... Außerdem kaufe ich auch Upcycling-Produkte, was sich in Berlin ebenfalls stark entwickelt.

Was tragen Sie denn an alten Produkten, die neu verwertet wurden?

Eher Modeschmuck bislang, gerade bei den Accessoires gibt es viele tolle Berliner Marken und Läden, wo man stöbern kann. Wenn man Zeit dazu hat...

Ist Ihnen Mode eigentlich wichtig?

Ich kann es schwer leugnen, dass mir Mode wichtig ist und ich gerne nach neuen Kleidern Ausschau halte. Als junge Politikerin habe ich gedacht, ich müsste strenge Hosenanzüge tragen, um ernstgenommen zu werden. Allerdings habe ich sehr schnell gemerkt, dass dies nicht mein Stil ist. Inzwischen trage ich gerne Kleider und Röcke und pfeife auf Hosenanzüge. So bin ich immer auf der Suche nach schönen Kleidern, die man länger tragen kann.

Gibt es denn für Sie tragbare Business-Kleider im Eco-Fashion-Bereich?

Das war eine Zeit lang eine Marktlücke (lacht). Ich habe aber den Eindruck, dass sich auch im Business-Bereich immer mehr ökologisch produzierte Kleider und Röcke durchsetzen. Zu den nachhaltig orientierten Modelabels in Berlin gehören: Schmidtakahashi, Benu Berlin, Philomena Zanetti, Danny Reinke, Eva Herzog und einige mehr.

Wie haben Sie Ihre Garderobe auf den Job der Wirtschaftssenatorin angepasst?

Ich habe inzwischen einen zweigeteilten Kleiderschrank, mit den Kleidern, die ich im Job anziehe und dann eben auch Casual-Kleidung für die Wochenenden, wenn es mal keine Termine gibt.

Haben Sie Ihren Kleidungsstil angepasst oder war das beim Wechsel vom Fraktionsvorsitz in den Senat sowieso nicht mehr notwendig?

Ich habe natürlich die Gelegenheit genutzt und gesagt: "Da brauche ich jetzt dringend eine Auffrischung" – und habe noch ein bisschen eingekauft...

Wo können Sie nicht nein sagen?

Beim Frauen-Klassiker Schuhe. Ich versuche das Prinzip durchzuhalten: Wenn ein neues Paar kommt, muss ein altes gehen, aber das klappt nicht immer.

Gab es mal einen schlimmen Fehlkauf?

Ach, wer kennt das nicht? Man schaut in den Schrank und denkt: "Du bist so schön, aber irgendwie passen wir nicht zusammen".

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