Gastronomie in Berlin

Kochen zwischen Haute Cuisine und Kettensäge

Viele Berliner Spitzenköche bieten Kochkurse an. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Eine Auswahl.

Ralf Zacherl (l.) und Mario Kotaska vom SchmidtZ&Ko

Ralf Zacherl (l.) und Mario Kotaska vom SchmidtZ&Ko

Foto: Ricarda Spiegel / BM

Immer mehr Sterne- oder Showköche geben ihr Wissen und Können an ambitionierte Laien weiter. Die Spannbreite der Kochkurse reicht dabei von der raffinierten Spitzenküche bis zur kulinarischen Rebellion. Eine Auswahl.

Markus Herbicht Kochschule: Markus Herbicht gehört seit vielen Jahren zur Riege der Berliner Spitzenköche. Der 48-Jährige war etwa Küchendirektor renommierter Hotels in Thailand, Spanien und Berlin, kochte unter anderem für Madonna, Michael Jackson, Ronald Reagan, Gerhard Schröder, die thailändische Königsfamilie, Angela Merkel. Seit 2011 hat der kreative Koch nun eine Eventlocation mit angeschlossener Kochschule in den Kreuzberger Sarotti-Höfen. In der alten Schmelzerei wird Interessierten die hohe Schule der Kochkunst vermittelt. "Ich will den Teilnehmern nahebringen, was wirklich gute Produkte sind, und warum sie ihren Preis haben", erklärt er. Etwa bei handgetauchten Jakobsmuscheln. "Da zeigt sich schnell der geschmackliche Unterschied zur begasten und gefrosteten Ware gleichen Namens aus dem Supermarkt", sagt er. Der Koch, Buchautor und Unternehmer will bei seinen Kursen aber auch die "Angst vorm Kochen nehmen". Deshalb gibt's viele Tipps und Tricks aus der Profiküche. Herzstück ist aber der zweitägige Naturkochkurs. Da fährt er mit den Teilnehmern nach Brandenburg in eine alte Försterei. "Wir kochen dort, was uns die Natur gibt", sagt er. Gemeinsam wird gesucht, gekocht, geredet und im Forsthaus übernachtet. "Das ist mehr als ein Kochkurs", sagt er strahlend.

Markus Herbicht Kochschule in den Sarotti-Höfen, Mehringdamm 55, Kreuzberg, Kurse ab 125 Euro, Tel. 55 62 88 08, markusherbicht.de

Hugos: Das "Hugos" ist das höchste Sternerestaurant Berlins, gelegen in der 14. Etage des "Intercontinental" und seit 1999 mit einem Michelin-Stern und 17 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet. Küchenchef Eberhard Lange weiht beim Gourmetkochkurs persönlich in die Geheimnisse der Gourmetküche ein – und zwar in der Sterneküche selbst. "Der normale Betrieb läuft weiter", erklärt Lange. "Aber wenn beim Blumenkohlpüree etwas übrig bleibt, dann geht ein Gnocchi als Amuse-Gueule raus ins Restaurant – natürlich von mir abgeschmeckt", erklärt er. Den Hobbyköchen schwelle dann "vor Stolz die Brust", wenn ihr Essen serviert werde. Seine persönlich liebste Kurs-Erinnerung war eine Geburtstagsfeier. "Die Gäste dachten, sie kommen nur zum Essen", sagt er, doch vorher wurde mit dem Geburtstagskind gekocht.

Gourmetkochkurs im Hugos im Intercontinental, Budapester Str. 2, Kurse ab 310 Euro pro Person, Tel. 26021245, info@hugos-restaurant.de

SchmidtZ&Ko: Bekannt als Fernseh-Köche, haben Ralf Zacherl und Mario Kotaska gemeinsam mit dem Weinhandel Schmidt das "SchmidtZ&Ko" in Friedenau eröffnet – ein Restaurant mit Kochschule. "Ich bin schweren Herzens bereit, ein nicht so gutes Essen zu servieren, Hauptsache es ist selbst gemacht", sagt Ralf Zacherl augenzwinkernd. Das ist dem Koch mit dem markanten Bart wichtig. Nur wenn man Fisch selbst filetiere, das Fleisch selbst in neun gleich große Stücke schneiden müsse, lerne man etwas. Es gibt zweistündige Themenkochkurse und exklusive Tageskurse. Besonders beliebt sind die Themen Meeresfrüchte/Schalentiere sowie Vegan/Vegetarisch. Gekocht wird mit hohem Anspruch ("keine Brühwürfel") und normalen Haushaltsgeräten. Auch sollen alle Produkte in Berlin zu kaufen sein, denn Zacherl möchte "nah beim Menschen sein".

SchmidtZ & Ko, Rheinstraße 45–46, Themenkurse ab 79 Euro, Tageskurs ab 240 Euro, Tel. 200 03 95-70, schmidt-z-ko.de

Buchholz – Gutshof Britz: Matthias Buchholz hat viele Auszeichnungen erhalten: 18 Gault-Millau-Punkte, ein Michelin-Stern und den dreifachen Berliner Meisterkochtitel – um nur einige zu nennen. 2010 legte er eine kreative Schaffenspause ein und eröffnete 2011 schließlich sein eigenes Restaurant: "Buchholz Gutshof Britz" mit gehobener Landhausküche. Seine angebotenen Kochkurse sind "keine Events", sagt er. Nur sechs Personen umfasst ein Kurs. "Ich will mich mit den Teilnehmern eingehend beschäftigen", erklärt er. Exklusivität statt Massenabfertigung steht für Buchholz, der schon Queen Elizabeth II., Condoleezza Rice und Kofi Annan bekocht hat, im Vordergrund. Erst seit Anfang 2016 schult Buchholz Hobbyköche, doch es gibt bereits zahllose "Wiederholungstäter", wie er seine Fans liebevoll nennt.

Buchholz – Gutshof Britz, Alt-Britz 81, Kurs 165 Euro, nächste Termine im Oktober, Tel. 60034607, www.matthias-buchholz.de

Kochbox: Heiko Schulz und Dirk Müller, genannt Walde, verbindet seit ihrer Kindheit die Leidenschaft für Rock, Tattoos und Kochen. Daraus entstand vor zehn Jahren die Kochbox, ein Eventcaterer mit Kochschule am Alexanderplatz. "Unser Motto lautet: 'Geht nicht – gibt's nicht'", erklärt Walde. Bei ihren Shows lösen sie das T-Bone-Steak mit der Kettensäge aus oder holen den Fleischsalat aus dem Food-Betonmischer. Bei ihren "Culinary Rebellion"-Kursen wird gekocht und "entertaint". Ob beim Food-Tattoo, bei dem jeder Teilnehmer ein Stück Fleisch mit einer Tattoomaschine tätowieren kann, oder beim Wursten. "Wir kochen nicht nur, wir schaffen gemeinsame nachhaltige Erlebnisse", erklären beide.

Kochbox, Dircksenstraße 95, Mitte, Kurse ab 79 Euro, Tel. 34044159, www.kochbox.com

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