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Warum Max Simonischek Berlin allen anderen Städten vorzieht

Seit zehn Jahren hat Schauspieler Max Simonischek eine Wohnung an der Hasenheide. Ein Interview über die Berliner Freiheit und Fernweh.

Schauspieler Max Simonischek am Hermannplatz

Schauspieler Max Simonischek am Hermannplatz

Foto: Anikka Bauer

Max Simonischek ist das, was man wohl als Mann mit guter Kinderstube bezeichnen würde. Der 34-Jährige hält für ältere Damen den Fahrstuhl auf, erhebt sich, wenn jemand den Tisch verlässt, und kann nur mit Nachdruck davon überzeugt werden, dass er die Rechnung für den Kaffee dieses Mal wirklich nicht übernehmen braucht. In Berlin fällt er damit auf. Schließlich wurde der Schauspieler in Zehlendorf geboren – als Sohn des österreichisch-schweizerischen Schauspielerpaares Peter Simonischek und Charlotte Schwab. Seine Eltern trennten sich, als Max Simonischek gerade zwei Jahre alt war. Seitdem wuchs er in Zürich und Hamburg auf, ab dem zehnten Lebensjahr besuchte er ein Internat in Schleswig-Holstein.

Als Treffpunkt hat Max Simonischek die Espressobar im Erdgeschoss des Karstadt am Hermannplatz vorgeschlagen. Das sei so schön unaufgeregt inmitten all der Neuköllner Hipstercafés, sagt er. Seit zehn Jahren hat der Theater- und Filmdarsteller („Don Juan kommt aus dem Krieg“, „Jedermann“, „Hindenburg“, „Gotthard“) eine Wohnung an der Hasenheide. Damals kam er für ein Engagement am Maxim-Gorki-Theater in seine Geburtsstadt. Mittlerweile könne er sich nicht mehr vorstellen, an einem anderen Ort in Deutschland zu leben. „In allen anderen deutschen Städten hätte ich das Gefühl, etwas zu verpassen“, sagt er. Außerdem schätze er die Anonymität in Berlin, „dass hier jeder so sein kann, wie er will“. Trotzdem beschleiche ihn in letzter Zeit immer wieder das Fernweh, der Wunsch, einmal im Ausland zu leben.

Das Reisen ist ein großes Thema im Leben von Max Simonischek – am liebsten allein. Eine Nachwirkung des Internatslebens sei das, glaubt er, wo der einzige Ort der Einsamkeit die Toilette gewesen sei. Eine zweite Folge dieser Jahre sei sein Berufswunsch gewesen. Mehr noch als das Vorbild seiner Eltern. Der Zwang zur Gemeinschaft habe bei ihm den Wunsch geweckt, zusammen mit anderen etwas zu erschaffen. „Ich verstehe meinen Beruf als Teamarbeit“, sagt er. Der Reiz eines Projektes liege für ihn immer in den Menschen, auf die er dabei treffe. Die ihn inspirieren, ihm etwas beibringen und das annehmen, was er zu geben hat. Beim Film gehe es immer um Zeit und Geld, sagt Simonischek. „Theater ist subventioniert, da kann man es sich noch leisten, sich acht Wochen lang zum Proben in einen dunklen Raum einzuschließen und im Zweifelsfall dann trotzdem zu scheitern.“ Aber auch dort gebe es zunehmend nur noch seltene Inseln. „Eine der letzten fällt jetzt mit der Volksbühne.“

Trotzdem hofft Max Simonischek bei jedem neuen Theaterstück und Film wieder auf die Rückkehr des märchenhaft-naiven Anfangsgefühls. Und auf die richtige Konstellation von Menschen, die ihm die Motivation gebe, weiterzumachen. Das passiere einmal alle fünf Jahre, sagt er. Etwa bei seiner aktuellen Rolle als Kommissar Laim in der gleichnamigen ZDF-Krimireihe (3. April, 20.15 Uhr), wo er aktiv an der Entstehung der Geschichte mitgewirkt habe.

In der Zwischenzeit helfe ihm eine gewisse Gelassenheit seinem Job gegenüber – das habe er von seinen Eltern gelernt. Die hätten ihn bis zu seinem 18. Lebensjahr jeglichen Kontakt mit der Branche verboten, um ihn nicht zu verderben. Als er sich nach dem Abitur dennoch für die Schauspielschule in Salzburg entschied, hatte er dennoch ihre volle Unterstützung.

Als Sohn prominenter Eltern hat sich Max Simonischek nach eigener Aussage nur selten empfunden. In seiner Kindheit habe sich niemand von seinen Freunden für Theaterschauspieler interessiert. Natürlich sei das öffentliche Interesse am Privatleben der Familienmitglieder in den vergangenen Jahren gestiegen, sagt Simonischek. Zum einen durch seine eigene Bekanntheit und noch einmal verstärkt durch die Hauptrolle seines Vaters im oscarnominierten Erfolgsfilm „Toni Erdmann“. Intern gebe es seitdem die Abmachung, dass niemand in der Öffentlichkeit über den anderen spricht, auch wenn das manchmal schwierig sei. „Das musste ich schon klar formulieren“, sagt Max Simonischek. „Mein Vater hat ein ganz anderes Verhältnis zur Presse als ich. Er ist da sehr offen.“

Über ein Detail aus seinem Privatleben spricht Max Simonischek, der mit einer Journalistin verheiratet ist, hingegen sehr gern: seinen Kinderwunsch. „Das ist das Sinnvollste, was man im Leben anstellen kann. Leben zu zeugen und eine Art von Liebe zu geben, von der ich mir noch gar nicht bewusst bin, dass ich dazu imstande bin“, sagt er. Seinem Gefühl nach werde das bald passieren.