Schauspieler

Heinz Hoenig will noch mal neue Wege gehen

Heinz Hoenig über seine neue Liebe und wie er mit 65 Jahren noch mal neue Wege gehen will.

Der Schauspieler Heinz Hoenig im Theater des Westens

Der Schauspieler Heinz Hoenig im Theater des Westens

Foto: Jakob Hoff

Bei seinem Lebensmotto orientiert sich Heinz Hoenig an Udo Jürgens' Song "Mit 66 Jahren". Nach dem Tod seiner Ehefrau Simone vor fünf Jahren ist der Schauspieler frisch verliebt und arbeitet mit seiner Lebensgefährtin Gabriele Lechner an neuen Projekten. Im Interview erzählt er, wie er wieder glücklich wurde und was ihn heute antreibt.

Herr Hoenig, Sie sind im vergangenen September 65 Jahre alt geworden. Viele denken da an die Rente.

Heinz Hoenig: Das habe ich schon, als ich noch ganz jung war, immer gesagt: Ich werde nie Rentner, das lasse ich nicht zu. Als Zehn- oder Zwölfjähriger sah man 40-Jährige schon als scheintot an. Solange ich zwei Arme habe und einen Kopf obendrauf, werde ich nie Rentner. Ich erinnere mich noch daran, wie die älteren Leute sich im Kaufmannsladen morgens erzählt haben, welche Krankheiten sie haben. Das empfand ich als jämmerlich. Wenn es sonst keine Themen mehr gibt im Leben, dann ist es doch vorbei. Ich halte es mit Udo Jürgens: "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!" Danach richte ich mich. Glück hat der, der es erfährt.

Sind Sie glücklich?

Ja, ich bin glücklich. Ich wache morgens auf und habe schon gute Laune. Ich habe Visionen, ich habe noch so viel vor, ich müsste nicht nur 140 Jahre, sondern eigentlich 150 Jahre alt werden. Wenn nichts dazwischenkommt, sollte ich das schaffen (lacht). Ein Mensch braucht eine Aufgabe. Ohne Aufgabe ist er nichts. Und meine Kinder sind jetzt groß, die gehen ihren eigenen Weg. Sie machen mich sehr stolz. Lucas ist ein hervorragender Koch und er schmiedet Messer und Schwerter. Vielleicht geht er irgendwann noch nach Japan, um seinen Schmiedemeister zu machen. Und ich suche mir neue Aufgaben und Herausforderungen.

Sie sind auch neu verliebt – in die Medienunternehmerin Gabriele Lechner.

Ja, ich bin sehr glücklich mit meiner neuen Beziehung. Es kann auch niemand von mir verlangen, meinen Kopf in den Sand zu stecken und mein Leben lang zu trauern. Das ist auch nicht im Sinne unserer Familie, und es wäre auch nicht im Sinne von Simone gewesen. Aber Simone hat meine neue Freundin Gabi auch nicht geschickt, wie es zu lesen war. Simone wollte nicht, dass ich alleine bleibe. Wir haben darüber geredet, und sie wollte, dass ich wieder glücklich werde.

Es ist doch schön, dass Sie noch einmal eine Liebe gefunden haben.

Ja, ich habe das Glück gehabt, eine tolle Frau kennenzulernen. Wir arbeiten sehr gut zusammen, wir haben dieselben Interessen und Visionen, denselben Geschmack, wie man so schön sagt. Trotzdem sind wir uns nicht immer ganz einig in manchen Dingen. Aber das ist ganz wichtig, dass man auch gegensätzliche Meinungen respektiert. Es ist auch keine richtige Fernbeziehung, wie es in der Zeitung stand. Das finde ich ein klägliches Wort. Wir haben so viel Arbeit, die uns so oft zusammenbringt. Wir sind uns näher, als so manches Paar, das zwar in einer Wohnung zusammenlebt, sich aber nicht mehr viel zu sagen hat. Die sind sich oft ferner, als wir es uns sind.

Sie arbeiten gemeinsam an Filmprojekten?

Ja, wir haben in diesem Jahr einiges vor. Ich werde auch in einem großen Film erstmals Regie führen, und sie ist die Produzentin dieses Filmes. Ich selbst habe jetzt einen Kurzfilm entwickelt, da wird sie auch mitmachen. Wir kennen die jungen Filmer, wir kennen die Branche, haben gute Kontakte. Jetzt brauche wir eben die richtigen Stoffe und die richtigen Schauspieler dafür. Wir haben gut vorgearbeitet, und in diesem Jahr werden wir sicher das ein oder andere Projekt umsetzen können.

Was lieben Sie an Gabi?

Sie ist einfach eine tolle Frau, und eine Frau, die für ihre Ziele brennt und kämpft. Sie ist auch Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und sie ist es auch nicht gewohnt, dass ihr die Dinge einfach so zufliegen. Sie arbeitet hart, kann anpacken und das gefällt mir sehr gut. Auch unsere Kinder verstehen sich untereinander gut. Es funktioniert alles, und dafür bin ich sehr dankbar. Ich sehe das wirklich als Geschenk.

Können Sie sich vorstellen, noch einmal zu heiraten?

Nein, ich heirate nicht mehr. Das ist mir seit frühester Jugend klar gewesen. Ich habe bei uns auf dem Dorf viele Hochzeiten gesehen. Das war etwas Besonderes und Einmaliges. Damals habe ich mir tatsächlich gesagt: Einmal heiraten im Leben reicht. Das mache ich auch. Damals haben wir zum Schutz der Kinder geheiratet. Kinder wurden in der Schule ziemlich böse gehänselt, wenn die Eltern nicht verheiratet waren. Wir haben ja später noch einmal in Weiß geheiratet und unsere Hochzeit vor einer Kirche in Mallorca nachgespielt. Ich habe Simones weißes Brautkleid in Paris machen lassen. Sie hatte sich so darüber gefreut. Jede Frau träumt ja von der Hochzeit in Weiß. Aber das habe ich nun gehabt, ich heirate nie wieder. Mit Gaby habe ich nun eine tolle neue Frau gefunden, aber wir sind auch ohne Trauschein glücklich.

Haben Sie geglaubt, dass Sie wieder so glücklich werden?

Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch. Ich habe tatsächlich harte Zeiten hinter mir, aber irgendwann scheint für jeden wieder die Sonne. Darauf habe ich gehofft, und jetzt ist es so. Und darüber bin ich sehr dankbar.

Glauben Sie eigentlich an Karma?

Ich glaube daran in gewisser Weise. Wenn du etwas klaust, wird dir zweimal mehr zurückgeklaut. Ich bin nicht so offen für spirituelle Dinge, da kenne ich mich nicht aus, das will ich auch nicht. Es kann jeder alles machen, wenn er einem anderen damit nicht wehtut. Keiner hat den anderen zu töten und keiner hat das Recht, einem anderen wehzutun. Der tibetische Buddhismus, das ist für mich eine Religion, die mich anspricht.

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