Horrorfilm "Heilstätten"

Horror in den Heilstätten: Besuch am Filmset

Wo früher Tuberkulose behandelt wurde, wird heute gedreht. Ein Besuch am Filmset von „Heilstätten“

Besuch am Set

Besuch am Set

Foto: Jörg Krauthöfer

Eine Szene unter Wasser oder im Schnee gibt es in "Heilstätten" nicht. Trotzdem trägt Sonja Gerhardt während der Dreharbeiten einen Neoprenanzug und Skiunterwäsche – und zwar übereinander. Schuld ist die Kälte. "Ich bin eigentlich keine Frostbeule", sagt die Schauspielerin. "Aber wenn man stundenlang in einem nasskalten Raum steht, dann kriecht das irgendwann durch alle Schichten." Der nasskalte Raum, in dem Gerhardt an diesem Tag vor der Kamera steht, gehört zu den ehemaligen Lungenheilstätten am Grabowsee, etwa 30 Kilometer nördlich von Berlin. Seit 1896 wurden hier Tuberkulosepatienten behandelt, zwischen 1945 und 1995 nutzte die Rote Armee die Anlage als sowjetisches Militärlazarett. Seitdem sind die Gebäude weitestgehend dem Verfall überlassen. Fensterscheiben sind zerbrochen, an den Wänden bröckelt der Putz und von der Decke tropft es auf Überreste medizinischen Geräts.

Die perfekte Kulisse für ihren Social-Media-Horrorfilm – den ersten seiner Art in Deutschland – bekamen Regisseur Michael David Pate, Produzent Till Schmerbeck und Drehbuchautor Ecki Ziedrich also frei Haus. Seit zwei Jahren arbeiten die drei an dem Projekt, seit Ende Februar wird gedreht, der Kinostart ist für den 12. Oktober geplant. Nach dem Vorbild des Genre-Klassikers "Blair Witch Project" von 1999 sind die Schauspieler für eine subjektive Erzählweise auch selbst mit Handkameras ausgestattet. Die Geschichte: Eine Gruppe von sechs Youtubern, gespielt von Sonja Gerhardt, Emilio Sakraya, Lisa-Marie Koroll, Tim Oliver Schultz, Nilam Farooq und Timmi Trinks, will in einer vor Ort verbrachten Nacht den Gerüchten über paranormalen Aktivitäten in den Heilstätten auf den Grund gehen. Als sie das Experiment beenden wollen merken sie, dass sie längst in einem Albtraum ohne Ausweg gelandet sind.

Der historische Hintergrund dazu ist durchaus real. In Beelitz-Heilstätten, wo die Handlung spielt, kam es in der Vergangenheit zu mehreren Morden. 1991 tötete der Serienmörder Wolfgang Schmidt alias "Die Bestie von Beelitz" die Ehefrau eines russischen Arztes und ihr Baby, 2008 ermordete dort ein Fotograf sein Model. Immer wieder wird seitdem über Geistererscheinungen und mysteriöse Schreie in der Nacht berichtet. Sie habe bei den Dreharbeiten in den anderen Heilstätten am Grabowsee allerdings nichts von den ehemaligen Bewohnern gespürt, sagt Sonja Gerhardt. Dabei sei sie übersinnlichen Phänomenen gegenüber durchaus aufgeschlossen. "Wenn es Menschen, die mir sehr nahestehen, schlecht geht, dann spüre ich das und rufe sie an", sagt die 27-Jährige. Mit Rollen in "Tape_13" und zuletzt "Jack the Ripper" ist sie die horrorfilmerfahrenste Darstellerin des Casts. Und auch wenn sie selbst ins Kino gehe, könne es gar nicht blutig genug sein. "Ich mag es, wenn es richtig spritzt", sagt sie. Ihr Kollege Timmi Trinks hat hingegen eine Vorliebe für den Horror, der beim Zuschauer durch psychologische Tricks im Kopf erzeugt wird. Wie blutig "Heilstätten" am Ende wird, wird sich wohl erst in der Postproduktion entscheiden. Die Macher streben bisher eine Freigabe ab 16 Jahren an.

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