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"Die Goldene Kamera ist die Perle unter den Medien-Awards"

Julia Becker, eine der Gesellschafterinnen der Funke Mediengruppe, über die Bedeutung des Medienpreises

Wie fühlt es sich an, plötzlich einen der größten deutschen Medienpreise mit zu vergeben? Ein Gespräch mit Julia Becker aus der Gesellschafterfamilie der Funke Mediengruppe über ihre persönliche Beziehung zur Goldenen Kamera, Pressefreiheit und Bedeutung großer TV-Shows.

Welche Bedeutung hat die Goldene Kamera für die Funke Mediengruppe und deren Eigentümer?

Julia Becker: Die Goldene Kamera ist die Perle unter den Medien-Awards der Branche: Kein anderer Preis vereint mehr Hollywoodgrößen sowie Stars aus der Musik- und Fernsehwelt auf seinem roten Teppich! Als Kind habe ich mir immer die Übertragung angesehen – vor allem wegen der vielen Stars, aber auch wegen der wirklich guten Moderatoren: Thomas Gottschalk war hier eine Liga für sich. Die Goldene Kamera ist das mediale Aushängeschild unserer Funke Mediengruppe. Als es 2014 – nach Übernahme der Springer-Titel – für uns darum ging, dieses glamouröse, perfekt inszenierte Event in Zukunft selbst auszurichten, wurden in Essen Bedenken laut. Getreu dem Motto "Schuster, bleib bei deinem Leisten" erschien uns im Ruhrgebiet die Vorstellung zunächst schwierig. Aber die Sorge war völlig unbegründet: Jochen Beckmann und Christian Hellmann haben mit ihrem Team die neue Situation hochprofessionell gemeistert und uns als neue Eigentümer nicht einen Moment das Gefühl gegeben, sie stünden nicht mehr hinter der Goldenen Kamera. Dies hat mich sehr beeindruckt, und ich bin beiden sehr dankbar für ihre Loyalität und Professionalität! Heute freut sich die ganze Familie auf diesen besonderen Abend und ist stolz, dabei zu sein – live oder zu Hause am Fernseher.

Früher war die Goldene Kamera eine Aktion der "Hörzu", heute aller Funke-Titel, wie der Berliner Morgenpost. Warum?

Bereits im vergangenen Jahr haben wir uns für die neue Namensgebung "Goldene Kamera der Funke Mediengruppe" entschieden. Bis dahin war die Goldene Kamera stark an die Zeitschrift "Hörzu" gebunden. Anders als der Springer-Konzern hielten wir es für wichtig, mit dem gesamten Unternehmen als Ausrichter der Goldenen Kamera aufzutreten – denn auch wenn die "Hörzu" einer unserer erfolgreichsten Titel ist, bildet sie erst mit allen anderen Titeln das ab, wie wir uns als Funke Mediengruppe verstehen: als nationales Medienhaus, das alljährlich einen tollen Preis verleiht.

Die Goldene Kamera steht für große Botschaften und noch größere Gefühle. Was waren für Sie die größten Momente in den letzten 52 Jahren?

Mich hat persönlich sehr der Auftritt von Dunja Hayali im vergangenen Jahr bewegt, als sie für ihre objektive Berichterstattung bei einer AfD-Demonstration in Erfurt mit einer Goldenen Kamera ausgezeichnet wurde. In ihrer mittlerweile viel zitierten Dankesrede spricht sie offen über die zahlreichen Hassmails, die sie erreichen, und gibt ebenso ehrlich zu, auch als Journalistin nicht frei von Fehlern zu sein. Das fand ich unglaublich mutig, weil sie sich in ihrer Geradlinigkeit auch angreifbar macht, dies aber aus voller Überzeugung konsequent in Kauf nimmt. Frau Hayalis klare Worte haben ihrer Dankesrede viel Tiefgang gegeben, und das tat auch einem so großen Medienereignis wie der Goldenen Kamera sehr gut! Frauen wie Dunja Hayali sind ein Beispiel dafür, wie schwer es sein kann, Meinungsfreiheit zu leben, aber dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen! Sehr berührend fand ich die Goldene Kamera 2015 für Loriot, den ich unglaublich schätze und dessen DVDs bei uns immer wieder nächtelang geguckt werden.

Wie sehen Sie die Zukunft solch großer TV-Shows wie die der Goldenen Kamera?

Ich bin in den 70er-Jahren geboren, und da waren große Sonnabend-Shows im Fernsehen wirklich ein Highlight für die ganze Familie! Rudi Carrell und Hans-Joachim Kulenkampff haben nicht ohne Grund mehrmals eine Goldene Kamera bekommen – Showmaster dieser Güteklasse mit Showtreppe und Tanzensemble waren viel mehr als nur Moderatoren. Sie haben ein besonderes Glitzer-Glamour-Feeling ins Wohnzimmer gezaubert. Das ist heute natürlich anders – trotzdem stelle ich an meiner eigenen Familie fest, dass sich etwas in dieser schnelllebigen Welt nicht geändert hat: das Bedürfnis nach guter Unterhaltung für die ganze Familie, wo sich alle zusammen auf die Couch quetschen und gemeinsam fernsehen (statt jeder für sich mit seinem Smartphone) – gerne mit viel Licht, Musik, internationalen Stars, guten Moderatoren und gerne auch mit Showtreppe. Ich hoffe, ich kann so große Fernsehabende mit meiner Familie noch sehr lang genießen!

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