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Ball der Brückenbauer

450 Gäste feierten im Hotel „Interconti“ die transatlantische Partnerschaft

Es ging so entspannt zu, als gäbe es keine Sorgen. Friedrich Merz, Vorsitzender der Atlantik-Brücke, begrüßte am vergangenen Sonnabend jeden Gast mit einem Lächeln, verteilte freundliche Worte und Schulterklapse. „Take The A-Train“ brachte seine Frau Charlotte zum Mitwippen. Jazz-Standards sorgten für Stimmung auf dem roten Teppich. Gute transatlantische Beziehungen galten lange Zeit als Selbstverständlichkeit. Doch seit ein paar Wochen gerät der feste Boden ins Wanken. Nie waren Initiativen wie die Atlantik-Brücke so wichtig wie heute.

Beim zweiten Atlantik-Ball waren die 450 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Streitkräften und Medien fest entschlossen, die guten Beziehungen groß zu feiern. Der amerikanische Interims-botschafter Kent D. Logsdon kam mit vier Personenschützern zum Ball. Die ZDF-Moderatorin Sarah Tacke, Generalmajor Carsten Breuer und seine Frau Katrin sowie die kanadische Botschafterin Marie Gervais-Vidricaire und ihr Mann Marc ließen sich vor der Fotowand ablichten. Leichtfüßig sprang Cherno Jobatey auf die Bühne des Ballsaals im Hotel „Intercontinental“. Der Fernsehmoderator und Herausgeber der Huffington Post führte mit locker-charmanter Art durch den Abend. „Alle haben nach dem ersten Atlantik-Ball gesagt: Das war so klasse, das müssen wir noch mal machen.“

Die 1952 gegründete Atlantik-Brücke wirbt für ein besseres Verständnis zwischen Deutschen und Amerikanern. Der gemeinnützige Verein hat 500 Mitglieder, Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Nachwuchsführungskräfte schmieden Netzwerke auf den „Young Leaders“-Konferenzen. Der Verein veranstaltet Studienreisen für amerikanische Lehrer nach Deutschland. Außerdem verleiht er Preise an Persönlichkeiten, die sich um die deutsch-amerikanische Freundschaft verdient gemacht haben. Konferenzen, Seminare, Workshops und Gesprächskreise sind an der Tagesordnung. Der große Ball im festlichen Ambiente mit Champagner, Menü und Tanz ist die froh gelaunte Kür und schafft den perfekten Rahmen für vertrauliche Gespräche.

Dass das altbewährte Bündnis auf dem Prüfstand steht, weiß Friedrich Merz ganz genau: „Die neue amerikanische Administration setzt ihre eigenen Akzente in der Außenpolitik. Wir sehen das mit Interesse und einiger Sorge.“ Der Vorsitzende der Atlantik-Brücke hat einen Aufruf verschickt und viele positive Rückmeldungen bekommen, die ihn bestätigen, weiter als Brückenbauer zu wirken. Es gab auch eine kritische Stimme – aus dem Weißen Haus. „Ich fand es ganz gut, dass das Weiße Haus sich meldet und uns wahrnimmt.“

Unverblümter sprach Bundesminister a. D. Peer Steinbrück in seiner Grundsatzrede von einer „Verstörung im transatlantischen Verhältnis“, von einer „Zeitenwende“ und dem „taumelnden Kontinent Europa“. Auch er hat keine Patentrezepte für die neue Situation, plädierte aber dafür, sich nicht von Donald Trump hypnotisieren zu lassen. „Die Europäer sollten sich auf sich selbst besinnen, ohne den großen Dialog infrage zu stellen.“

Peer Steinbrück ist im Rheinland aufgewachsen. Damals war er ein gebremster Optimist. Inzwischen ist sein Weltbild düsterer geworden. Heute bezeichnet er sich als gebremsten Pessimisten. Ob der weit gereiste Politiker irgendwann, irgendwo schon einmal Donald Trump getroffen hat? Die Antwort kam schnell und offenherzig: „Gott sei Dank nicht!“

Das Björn Vüllgraf Orchestra spielte zum Tanz auf. Friedrich und Charlotte Merz eröffneten das Parkett mit Schostakowitschs „Second Waltz“. Später sorgten DJ Eric Know und die DJs Beck to Beck von den „Fantastischen Vier“ bis frühmorgens mit Loungemusik für ausgelassene Stimmung.

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