Schauspieler

Armin Rohde - „Das ist hier Auenland“

Schauspieler Armin Rohde kämpft gegen Rechtsruck und Populismus – wenn nötig auch in der Politik.

Armin Rohde spielt in der ZDF-Krimireihe „Nachtschicht“ seit 2003 einen Hauptkommissar

Armin Rohde spielt in der ZDF-Krimireihe „Nachtschicht“ seit 2003 einen Hauptkommissar

Foto: joerg Krauthoefer

Eigentlich wollte Armin Rohde über die neue Folge seiner ZDF-Krimireihe „Nachtschicht“ (20. Februar, 20.15 Uhr) sprechen. Doch dann kam es ganz anders. Seit dem Erstarken der AfD in Deutschland und der US-Präsidentschaft von Donald Trump hat sich der 61-jährige Buddhist wieder politisiert. Ein emotionales Gespräch über Morddrohungen, entführte Sprache und das dunkle Geheimnis seines Großvaters.

Armin Rohde: Ich muss noch schnell bei Twitter reinschauen.

Sie twittern selbst?

Ja, da bin ich ganz trumpisch (lacht). Ich habe doch nur geschrieben, dass Nazis nie Nazis genannt werden wollen, während Demokraten kein Problem damit haben, Demokraten genannt zu werden. Es ist unglaublich, wer sich da alles angesprochen fühlt. Da fangen Leute an, mich zu beleidigen, obwohl ich nur allgemein gegen Nazis philosophiert habe. Es ist irre, das geht bis zu Morddrohungen, die ich auch schon zur Anzeige gebracht habe.

Können Sie mit so viel Hass umgehen?

Das halte ich ganz gut aus. Die haben Kripo und Staatsschutz auf den Hals bekommen – und dann kam von ihnen nichts mehr. Das zeigt mir, dass es sehr zentral abläuft. Sobald einer den Staatsschutz im Haus hat, haben auch die anderen keine Lust mehr, mich zu bedrohen. Die Zeiten sind derart finster. Seitdem dieser schreckliche Mensch US-Präsident ist, habe ich das Gefühl, ich lebe in einem Paralleluniversum.

Sie mögen Donald Trump nicht.

Der Stil, den er vorgibt, dass jetzt jeder dumme, brutale, freche Mensch glaubt, er hat das Recht dazu, das ist schlimm. Allein dessen Pressesprecher! Der brüllt und stottert sich da was zurecht und verschwindet wieder beleidigt. Was ist das für ein Umgang miteinander?

Was macht Ihnen am meisten Sorgen?

Früher, als Deutschland Nazi-Deutschland wurde, konnte man in die USA flüchten. Wo willst Du heute hin? Tröstlich sind die Aufmärsche der Frauen.

Waren Sie ein Fan von Hillary Clinton?

Die Demokraten haben einen ganz großen Fehler gemacht, Bernie Sanders auszubremsen. Ich bin absoluter Bernie-Sanders-Fan. Diese Trump-Art macht mich fassungslos.

Warum trifft Sie das so persönlich?

Als ich mit 14 Jahren „Easy Rider“ gesehen habe, war mir klar: Das ist das Land, wo ich mit meiner Harley in den Sonnenuntergang fahren werde.

Sie haben eine Harley Davidson?

Ja, in der Garage. Aber die Zeiten sind jetzt langsam vorbei. Seit meiner Augenoperation vor vier Jahren werde ich etwas vorsichtiger. Ich werde sie wohl bald verkaufen.

Sind Sie heute froh, in Deutschland zu sein?

Genau. Man muss dagegenhalten. Die neue Rechte versucht, unsere Sprache zu entführen. Ich bin ja ein Mann der Sprache, weil ich vom Theater komme.

Was meinen Sie mit „Sprache entführen“?

Dass „Weiß“ als „Schwarz“ bezeichnet wird. Wir sehen, dass bei Trumps Amtseinführung weniger Menschen waren, und die stellen sich hin und sagen: „Nein, wir hatten mehr als je zuvor.“ Es ist wie bei George Orwell. Nur dass seine Vision ja schon fast gemütlich und folkloristisch gegen das wirkt, was heute passiert. Diese giftige Kälte, mit der Wirklichkeit manipuliert wird, und das Versprechen „Wir befreien euch“, das ist für mich erschütternd.

Was tun Sie dagegen?

Es ist schwer, redlich zu sein und gegen dieses kalte Gift der „alternativen Fakten“ anzukommen. Ich denke viel darüber nach, was unsere Waffe dagegen sein könnte, ohne ihre Gemeinheiten zu übernehmen. Aufrichtig und wahrhaftig zu sein, das versuche ich jeden Tag.

Waren Sie immer schon so politisch?

Ich bin repolitisiert. In den 70ern war ich mal SPD-Mitglied, aber dann auch nicht mehr. Die machen jetzt Annäherungsversuche, so wie Piraten und Linke, alle versuchen, an mich heranzurücken. Ich bleibe aber lieber unparteilich, weil ich dann glaubwürdiger bin. Vielleicht lasse ich mich in zehn Jahren zum Bundespräsidenten wählen – als Parteiloser (lacht).

Trifft Sie der Rechtsruck so, weil Sie einen eigenen familiären Bezug dazu haben?

Mein Großvater war ein Nazi und ein Massenmörder. Ich habe die Akte gelesen im Staatsarchiv in Düsseldorf. Da stand „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ darauf und sein Name. Meine Mutter hat sich ein Leben lang für ihren Vater geschämt. Sie sagte aber immer nur, dass er ein Haustyrann gewesen sei, mehr wusste ich nicht. Bis ich die Akte las. Da stand, dass er selbst unter SS-Kollegen als „schießwütig“ galt. Das muss man sich mal reinziehen.

Was macht dieses Wissen mit Ihnen?

Es nimmt mich ganz speziell in die Pflicht. Nazi-Deutschland darf nicht noch einmal passieren. Noch nie haben wir in Deutschland so lange friedlich leben können. Das ist hier „Auenland“, und wir sollten mit allen Mitteln dafür kämpfen, dass es so bleibt.

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