Fetsum

„Ich investiere in die Welt, in der ich leben will“

Musiker Fetsum stellt sein soziales Engagement über seine Karriere

Rapper Festum

Rapper Festum

Foto: Amin Akhtar

Wahlberliner Fetsum Sebhat wurde vom Flüchtlingskind zum engagierten Soul-Sänger. Der heute 40-Jährige wurde in Ägypten geboren, wohin seine Mutter vom Bürgerkrieg in Eritrea geflohen war. Später kam die Familie über Rom nach Stuttgart. Gerade ist unter seinem Vor- und Künstlernamen die Platte „Light In a Dark Place“ erschienen, deren Einnahmen an Unicef gehen. Auch der Gewinn des von Fetsum im vergangenen Sommer in der Waldbühne veranstalteten Benefizkonzerts „Peace x Peace“ mit Clueso, Cro und Samy Deluxe wird gerade an Hilfsorganisationen verteilt. Ein Treffen in Mitte.

Wie sind Sie zu Ihrem sozialen Engagement gekommen?

Fetsum: Für mich stellte sich nur eine Frage: Was erzähle ich später meinem Sohn? Ich erinnerte mich dabei an Zeitzeugen-Interviews in Dokus über den Zweiten Weltkrieg und die Frage: Was habt ihr damals gemacht? Warum habt ihr das nicht verhindert? Mich nicht zu engagieren, käme der Antwort gleich: Ich war mit meiner Karriere beschäftigt. Es war eine schwierige Zeit, ich musste meine Familie ernähren. Jeder könnte das wahrscheinlich nachvollziehen, aber mir langt die Ausrede nicht.

Weil Sie selbst Flucht erlebt haben?

Ich hab bestimmt sensible Antennen für solche Themen, aber eigentlich versuche ich, in die Welt zu investieren, in der ich leben will. Einfacher ausgedrückt: Geht es meinen Nachbarn nicht gut, kann es mir langfristig auch nicht gut gehen.

Sie sind ab Anfang der 80er-Jahre in Stuttgart aufgewachsen.

Und ich verdanke den Menschen, den Freunden in Stuttgart viel. Als ich später angefangen habe, die verschiedenen Regionen Deutschlands zu bereisen, habe ich feststellen dürfen, dass die Schwaben ganz anders sind als die Ostfriesen und die Bayern anders als die Saarländer. Wenn ich mir Deutschland anschaue, gibt es innerhalb der Landesgrenzen so eine Vielfalt, dass man sich wundert, dass das alles ein Land ist. Vielfalt ist Reichtum, und ich würde mir wünschen, dass wir über Ländergrenzen hinweg diese als solche erachten.

Sie können auch hervorragend schwäbeln. Sie sind also einer der unbeliebten Schwaben in Prenzlauer Berg, wo Sie wohnen?

(lacht) Ich sage zu meinen schwäbischen Freunden immer: „Ihr seid es nicht gewohnt, in der Minderheit zu sein.“ Ich beruhige sie dann und ergänze: „Ich kenne das von klein auf, kein Problem. Ihr müsst nur auf die Leute zugehen und ihre Sprache lernen. Hier sind es eben Schrippen und net Brötle, schmeckt aber gleich.“

Sie sagen, Sie leben ein privilegiertes Leben.

So zu leben wie wir es in Deutschland tun, ist im Vergleich zum Großteil der Welt echt selten. Morgens aufzustehen und sich über essenzielle Dinge keine Sorgen machen zu müssen, ist ein Privileg. Ich bin dankbar, weil ich eine tolle Familie habe, ich bin gesund, kann meinen Tag frei gestalten. Was wir hier als „kämpfen“ bezeichnen, ist vielerorts „weich gebettet sein“.

Das „Peace x Peace“-Festival fand im Sommer in der Waldbühne mit 19 Künstlern und 20.000 Zuschauern statt. Highlights wurden auf Arte ausgestrahlt – ein voller Erfolg. Wird es eine Fortsetzung geben?

Auf jeden Fall. Wir machen aber nicht einfach Teil 2, sondern wollen schauen, wie wir das skalieren können. Wir haben viele tolle Ideen.

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