Modestrecke

Tom Schilling modelt im Maßanzug in Berliner Kneipe

In der Charlottenburger Kneipe "Zum Hecht" steht der 34-jährige Berliner Schauspieler als Model vor der Kamera.

Tom Schilling in der Kneipe „Zum Hecht“

Tom Schilling in der Kneipe „Zum Hecht“

Foto: Nico Wöhrle / BM

11 Uhr am Vormittag in der Kneipe „Zum Hecht“ an der Kaiser-Friedrich-Straße mit Blick auf den Stuttgarter Platz. Zigarettenqualm vermischt sich mit dem Geruch von Schmalz und sauren Gurken. Die werden auf Stulle täglich aus der „Futterluke“ gereicht. An der Bar versorgen Claudia und Conny ihre Gäste mit Bier und Schnaps. Man kennt sich hier. Um diese Uhrzeit gehört der Tresen normalerweise ganz den Stammgästen. Nicht so heute. Tom Schilling lehnt an einem dunklen Küchenbüfett und trinkt Whisky. „Säufste – stirbste. Säufste nich, stirbste ooch. Also säufste“, weiß ein holzgerahmtes Schild über seinem Kopf. Der Schauspieler scheint dabei ganz in seinem Element zu sein. In der Alt-Berliner Eckkneipe bei sich in der Straße sei er erst vor ein paar Tagen zum letzten Mal gewesen, sagt der 34-Jährige. Und er trägt einen maßgeschneiderten Anzug – seit Jahren sein bevorzugtes Kleidungsstück. An diesem Tag sind Kneipenbesuch und Dreiteiler beruflicher Natur. Schilling, seine Kollegen Tom Wlaschiha, Volker Bruch und David Schütter sowie Rapper Maeckes sind die Models für die neue Kampagne des Labels Rooks & Rocks.

„Seitdem ich 18 bin, trage ich Anzüge. Das ist unkompliziert, zeitlos und geschmackvoll. Vorausgesetzt er ist gut geschnitten“, so Tom Schilling. Sein erstes Modell habe er sich für eine Filmpremiere schneidern lassen. „Ein klassischer Allround-Anzug, so im Stil von Steve McQueen in ‚Getaway‘. Ein Anzug, der auch nach Verfolgungsjagd und Prügelei noch cool aussieht.“ Tom Wlaschiha hingegen nähert sich der Materie gerade erst an. An seinen ersten Anzug, zur Konfirmation, erinnere er sich bis heute mit Schrecken. Mittlerweile lasse er sich gerne beraten und traue sich auch an Muster und Farben.

Im November 2012 haben sich die drei Freunde Viktor Lis, Simon Schmidt und Rico Albert mit Maßkonfektion für den modernen Gentleman in Hamburg selbstständig gemacht. Seit Sommer 2015 statten sie in ihrem Showroom an der Uhlandstraße auch die Berliner Männer mit perfekt sitzenden Anzügen, Hemden, Westen, Chinos und Mänteln aus. Auf den Geschmack gekommen sind dank des Dandy-Image des Labels auch viele Prominente. In den Filmen „Auf kurze Distanz“ und „Ein Teil von uns“ waren die Anzüge zu sehen, Antoine Monot Jr., Mehmet Kurtuluş und Fahri Yardim sind Kunden.

Während Fotograf Nico Wöhrle die ersten Bilder einrichtet, wird es plötzlich unruhig im „Hecht“. Ein Gast hat zu viel getrunken und wird ungehalten. Von zwei Polizisten, die zufällig für einen Einsatz nebenan vor Ort sind, wird er vor die Tür begleitet. Anschließend kommen die beiden zurück. Sie haben Tom Wlaschiha aus „Game of Thrones“ erkannt und bitten den Schauspieler um ein Selfie. Der stimmt zu. Von Wöhrle werden die Beamten daraufhin sofort für das nächste Motiv verpflichtet, und so wird Maeckes kurzerhand zum Abgeführten.

An der Bar erzählt derweil ein Gast von seinen Plänen, das Amt des Regierenden Bürgermeisters zu übernehmen. „Das Tolle an Berlin ist die große Vielfalt. Ich lebe seit 15 Jahren in Kreuzberg und finde den Kiez immer noch faszinierend mit seinem Mix aus Kulturen und unterschiedlichsten Lebensentwürfen“, sagt Tom Wlaschiha. Genau so sehen das auch seine Kollegen. Berlin sei Eckkneipe und Rooftopbar, Currywurst und Sterneküche. Und so geht es nach dem Shooting für die Protagonisten auf eine Portion Pommes zu Maximilian um die Ecke – selbstverständlich im Maßanzug.