Weihnachten

So feiern die Botschafter Weihnachten in Berlin

Wie die Diplomaten Finnlands, Großbritanniens, Indiens und der USA in diesem Jahr in Berlin Weihnachten feiern.

John B. Emerson mit Ehefrau Kimberly und den Töchtern Taylor, Jackie und Hayley (v.l.)

John B. Emerson mit Ehefrau Kimberly und den Töchtern Taylor, Jackie und Hayley (v.l.)

Foto: joerg Krauthoefer

USA: Das letzte Mal in Berlin

Ihr diesjähriges Weihnachtsfest verbringt die Familie des US-amerikanischen Botschafters John B. Emerson mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge. Nach dreieinhalb Jahren in der deutschen Hauptstadt heißt es Anfang des neuen Jahres, Abschied zu nehmen. „Berlin ist für uns in dieser Zeit unsere zweite Heimat geworden“, sagt Ehefrau Kimberly. „Wir haben hier Freundschaften fürs Leben geschlossen, das ist wie eine erweiterte Familie“, so die Zwillinge Taylor und Hayley. Gefeiert wird deshalb auch ein letztes Mal in der Residenz des Botschafters in Dahlem mit einer Mischung aus deutschen und amerikanischen Bräuchen. Über dem Kamin hängen die Weihnachtsstrümpfe der Familie, am ersten Feiertag gibt es wie jedes Jahr Weißwürste und Weißbier – eine Tradition, die die Emersons ihren deutschen Vorfahren verdanken. Ein Abschied für immer wird es aber nicht. „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“, zitiert Kimberly Emerson Marlene Dietrich – und der steht in der Wohnung, die die Familie in Berlin gekauft hat. „Ein Stück von uns wird immer hierbleiben“, so Hayley Emerson.

Indien: Hochzeitstag am 24. Dezember

Für Gurjit Singh, Botschafter von Indien, ist Heiligabend ein ganz besonderer Tag: An einem 24. Dezember haben er und seine Frau Neeru geheiratet. Im diplomatischen Dienst war er bereits in neun Ländern eingesetzt und hatte dadurch Gelegenheit, Weihnachten auf neun verschiedene Arten zu feiern. Seit knapp einem Jahr vertritt er Indien nun in Deutschland – und ist ein Fan der deutschen Weihnachtsmärkte und des Glühweins, wie er beim traditionellen Weihnachtssingen Berliner Schulchöre in der Indischen Botschaft Mitte Dezember verrät. Die Weihnachtszeit ist bei den Singhs Familienzeit. Zum Fest in Berlin reisen auch ihre beiden Kinder aus den USA an, und es wird gemeinsam gekocht. Einen Braten wird es dabei nicht geben, denn die Hälfte der Familie lebt vegetarisch.

Finnland: Eine Mandel für das Glück im kommenden Jahr

Finnlands Botschafterin Ritva Koukku-Ronde und ihr Mann verbringen Weihnachten mit den Kindern, die nach Berlin kommen, auf sehr finnische Art: „Wir werden uns entspannen, Weihnachtsmusik hören und gemeinsam singen. Der Weihnachtsbaum wird schön geschmückt sein, und wir werden viele Kerzen anzünden. In der Wohnung wird es viele rote und weiße Blumen – Amaryllen, Tulpen und Hyazinthen – geben. Wir werden gut essen, und am Abend gibt es dann die Bescherung.“ Am Heiligabend wird übrigens in Finnland traditionell Reisbrei, in dem eine einzelne Mandel eingerührt wird, gegessen. Es heißt, wer die Mandel auf seinem Teller findet, wird im kommenden Jahr vom Glück begleitet.

Den ersten Weihnachtstag verbringt die Familie ruhig und liest Bücher, die sie geschenkt bekommen hat, hört Musik und isst weiterhin gut: „Wir fangen mit Meeresfrüchten an, dann gibt es Leberpastete, geräuchertes Rentierfilet, Schärenbrot, lang gegarten Schinken aus dem Ofen mit finnischem Senf und verschiedene Aufläufe aus Möhren, Steckrüben, Kartoffeln und Leber. Am zweiten Weihnachtstag liegt der Schwerpunkt auf Fisch. Als Nachtisch gibt es Preiselbeermousse, Moltebeersorbet, mit Pflaumenmus gefüllte Blätterteigsterne, Früchtekuchen, Lebkuchen, Mandel-Zimt-Plätzchen und Schokoladenkonfekt. Unser Hund wird dafür sorgen, dass wir rausgehen und Spaziergänge machen.“

Die finnische Art, Weihnachten zu feiern, unterscheidet sich laut der Botschafterin, die seit September 2015 in Berlin in, nicht sehr von der deutschen: „Viele finnische Weihnachtstraditionen wie der Weihnachtsbaum kamen ursprünglich aus Deutschland.“ „O Tannenbaum“ gehört als „Oi, kuusipuu“ zu den beliebtesten Weihnachtsliedern in Finnland. Und die Geschenke bringt ebenso der Weihnachtsmann, Joulupukki, der – wie jeder Finne weiß – auf dem Berg Korvatunturi in Lappland wohnt.

Eine Besonderheit gibt es aber doch: „Finnen gehen immer in die Sauna, aber zu Weihnachten wird der Saunagang als Weihnachtssauna bezeichnet und findet vor dem Essen statt.“

Großbritannien: Auf den Hund gekommen

Mit einem Bild von Hund Albie überraschte der britische Botschafter Sir Sebastian Wood zum vergangenen Weihnachtsfest seine Frau Sirinat. Seit Mitte Januar gehört der Retriever nun zur Familie, die in ihrem zweiten Jahr in Deutschland das Weihnachtsfest wieder in der Residenz im Grunewald feiert. 18 Gäste erwarten die Woods diesmal – neben den vier Kindern kommen auch die Geschwister des Botschafters mit Familie für eine ganze Woche. Eine der drei Töchter wird wahrscheinlich ihren Freund mitbringen, der Sohn auf jeden Fall sein Saxofon. Mit der Familie will Wood auf die Weihnachtsmärkte gehen, Glühwein und heiße Schokolade trinken: „Wir fangen mit den traditionellen an und gehen dann zu den flippigen über.“ Am Weihnachtsmorgen gibt es wie üblich Lachs, Rührei und Champagner, an den Abenden wird einmal typisch deutsch (mit Gans) und einmal typisch britisch (mit Truthahn) gegessen. „Wir werden im Grunewald spazieren gehen, wo Albie Wildschweine jagen kann. Dann werden wir in die Kirche gehen und deutsche Weihnachtslieder singen.“

Geschenke hat der Botschafter erst in letzter Minute besorgt. Zwar sei das letzte Adventswochenende das schlimmste für Shopping, doch „die Freude an Weihnachten ist nicht das Empfangen von Geschenken, sondern das Geben“. Gespielt wird auch: Kartenspiele, „Siedler von Catan“ und eine Variante von „Stadt, Land …“. „Unsere älteste Tochter gewinnt immer, das nervt schon“, sagt Wood und lacht.