Désirée Nick

„Macht die Tür und die Herzen auf“

Die Weihnachtsgeschichte ist heute aktueller den je, sagt Kabarettistin und Theologin Désirée Nick

DesirŽe Nick, Entertainerin - hier im Theater am Kurfuerstendamm

DesirŽe Nick, Entertainerin - hier im Theater am Kurfuerstendamm

Foto: Amin Akhtar

Der festlich dekorierte Weihnachtsbaum wirkt plötzlich fast schmucklos und fad als Désirée Nick den Raum betritt. Auf dem nikolausbemützten Kopf thront ein Vögelchen, in die Stirn baumeln Glöckchen, an den Ohren funkelt es und den Hals zieren Pailletten. Sie habe sich einmal ganz dezent zurechtgemacht, sagt die Kabarettistin. „Die Leute lieben mich. Wenn sie mich dann in so einem Kostüm antreffen, denken sie: ‚Siehste, die ist wirklich so.‘“ Viele kämen dafür extra angereist, also sollen sie auch etwas geboten bekommen.

Vom 25. bis zum 31. Dezember steht die Berlinerin im Theater am Kurfürstendamm mit ihrem Weihnachtsprogramm „I feel betta with Lametta“ auf der Bühne. Nick werde auf Themen eingehen, die ihr unter den Nägeln brennen, heißt es in der Vorankündigung: der Brexit, die Wahl von Donald Trump zum US-amerikanischen Präsidenten, die Erfolge der AfD und der grassierende Populismus. „Es kommt mir so vor als wäre das alles nur passiert, damit ich ein gutes Weihnachtsprogramm machen kann“, sagt die 60-Jährige.

So habe sie beispielsweise ein paar Zoten über Angela Merkel vorbereitet. Die habe sich zwar in der Flüchtlingspolitik etwas verheddert, grundsätzlich sei sie aber Fan der Bundeskanzlerin. „Vor dieser Lebensleistung einer Frau muss man den Hut ziehen. Die ist wie eine Maschine“, sagt Désirée Nick, die gern betont, wie sie selbst als alleinerziehende Mutter und ohne die finanzielle Unterstützung eines Mannes einen Sohn großgezogen, eine Karriere aufgebaut und zuletzt ein Haus renoviert hat. „‚Ich fühl’ mich nicht‘ oder ‚Ich habe einen Bad Hair Day‘ gibt es bei Angela Merkel nicht. Da hilft es natürlich, wenn man immer Bad Hair Day hat. Dann ist man jenseits von jeder Kritik.“ Anders verhalte es sich mit Donald Trump. „Der hält sich doch selbst für Gott.“ Insofern sei es ihr nicht schwergefallen, den Bogen zum Thema Weihnachten zu schlagen. Denn weil Désirée Nick nicht nur Entertainerin, sondern auch studierte Theologin ist, soll ihr Programm auch von Jesus Christus erzählen – nur eben berlinerisch interpretiert. „Ich stelle die unbefleckte Empfängnis naturgetreu nach und natürlich auch die Geburt Jesu Christi mit Hilfe eines anwesenden Arztes aus dem Publikum“, kündigt sie an. Zur Not tue es auch ein Krankenpfleger.

Die Weihnachtsgeschichte sei heute aktueller denn je, sagt Désirée Nick dann ganz ernsthaft. Die Geschichte von Jesus sei eine Flüchtlingsgeschichte – eine obdachlose Familie ohne Aussicht auf Asyl. Sie ziehen von Tür zu Tür und niemand macht auf. „Die Bilanz vom Janzen: ‚Macht die Tür und die Herzen auf. Man weiß nie, was in den Menschen steckt. Der Ärmste der Armen kann morgen dein Erlöser sein.‘“ Diese Geschichte berühre sogar das Herz der Atheisten.

Auch Désirée Nick ist vor Jahren aus der Kirche ausgetreten. „Ich glaube sehr an Gott, aber nicht an die Institution Kirche“, sagt sie. „Die wird von sündigen Menschen betrieben.“ An Heilig Abend werde sie aber dennoch einen Gottesdienst besuchen – der Familie zuliebe. Anschließend wird zu Hause bei der Wahlfalkenseerin gefeiert. Désirée Nick wird eine Weihnachtsgans zubereiten und dabei ihr rotes Glitzerkostüm tragen. Das erwarte ihre Verwandtschaft. „Sonst heißt es wieder: ‚Die gibt sich für uns gar keine Mühe mehr.‘“ Das Haus sei aus Zeitgründen bereits seit Anfang Oktober geschmückt. An Silvester wird sie für zwei Vorstellungen auf der Bühne stehen und „wahrscheinlich um Mitternacht nackt ein Rad schlagen“. Das wiederum habe ihr Publikum sich verdient: „Ich will sie nicht enttäuschen.“