Wolfgang Petersen

„Es war, als würde ich nach Hause kommen“

Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen hat nach 30 Jahren mit „Vier gegen die Bank“ wieder in Deutschland gedreht

Wolfgang Petersen

Wolfgang Petersen

Foto: MC7/HSS / WENN.com

Aufgekratzt, einen lockeren Spruch auf den Lippen, kommt Wolfgang Petersen in eine Suite des Hotels „Regent“ am Gendarmenmarkt. Die gute Laune mag am Anlass liegen. Denn der 75-Jährige hat nicht einfach nur einen Film zu promoten – die deutsche Gaunerkomödie „Vier gegen die Bank“. Es ist seine erste Regiearbeit nach einer Pause von zehn Jahren und sein erster deutscher Film seit mehr als 30 Jahren.

Herr Petersen, wann waren Sie zum letzten Mal in einer Bank?

Wolfgang Petersen: Das müsste rund 30 Jahre her sein. Ich bin in Amerika in der glücklichen Lage, dass ein Business Management das für mich macht.

Ihrer aktuellen Komödie nach zu schließen, mögen Sie Banken nicht besonders. Haben Sie beim großen Crash Geld verloren?

Ja, wie alle. Aber das hat sich Gott sei Dank langsam wieder stabilisiert, und wirklich schreckliche Erfahrungen habe ich nicht gemacht. Von daher bin ich nicht böse und will mich auch nicht an den Banken rächen – im Gegensatz zu den Jungs im Film. Lieber mache ich Filme über Banken.

Dafür sind Sie nach rund 30 Jahren Hollywood als Regisseur nach Deutschland zurückgekehrt. Was war das für ein Gefühl?

Es war, als würde ich nach Hause kommen. Ich bin ja in Berlin zur Filmhochschule gegangen. Und ich bin es nach wie vor gewohnt, deutsch zu sprechen. Heftig war nur der Winter. Man erzählt immer, dass der Ostwind in Berlin fürchterlich sein kann, und das habe ich völlig vergessen. Das war wirklich ein Schock. Wenn man älter wird, da hat man es eben gerne warm. Meine Frau verbrachte die ersten Tage in ihrem Zimmer, eingewickelt in ihre Bettdecke.

Sie werden nicht in Ihre alte Heimat zurückkehren, jetzt nachdem Donald Trump Präsident wurde?

Nein. Ich glaube trotz allem immer noch, dass das „gute“ Amerika mit Trump fertigwerden wird, sodass sich die Frage nicht stellt. Immerhin haben fast drei Millionen mehr Amerikaner für Hillary gestimmt als für Trump. Aber als ich den Ausgang der Wahl erfuhr, musste ich schon mehrfach tief durchatmen, um die aufkommende Übelkeit zu unterdrücken. Ich hoffe ja noch, dass er nach ein paar Monaten das Handtuch wirft, weil Präsident sein halt doch nicht so einfach ist, wie er im Wahlkampf proklamiert hat.

Was war das für ein Gefühl, als Sie in den 80er-Jahren nach Hollywood wechselten und viel höhere Gagen bekamen als in Deutschland?

Das habe ich schon sehr genossen. Nach „In the Line of Fire“ mit Clint Eastwood ging es für mich los, als ich fünf oder sechs Filme hintereinander machte, die riesig erfolgreich waren. Und da kriegst du dann eine Einspielbeteiligung – vom ersten Dollar an, der an der Kinokasse eingenommen wird. So eine finanzielle Situation hatte ich nie in meinem Leben erwartet. Und das hatte zur Folge, dass ich mit meiner Frau ein sehr gutes Leben führen kann.

Könnten Sie jetzt mit geringeren Summen auskommen?

Als Privatperson würde es meiner Frau und mir ein bisschen schwerfallen. Wir haben uns schon an einen bestimmten Lebensstil gewöhnt. Aber wir sind nicht die Typen, die in Saus und Braus leben und alle möglichen Boote kaufen. Das Einzige, worin wir wirklich investiert haben, ist unser Haus. Von unserem Grundstück aus haben wir einen Blick über ganz Los Angeles. Das genießen wir sehr, und ich habe das Gefühl, dass wir das auch verdient haben.

Allerdings legten Sie dann ab 2006 als Regisseur eine Zwangspause ein.

Das war schon eine schwere Zeit. Da kamen verschiedene Dinge zusammen. Es gab die große Wirtschaftskrise, und die Hollywood-Studios fingen als Konsequenz an, andere Arten von Filmen zu produzieren – diese ganzen Superhelden-Streifen. Was auf der Strecke blieb, waren Projekte, wie ich sie gemacht habe, Qualitätsfilme, die für ein erwachsenes Publikum gemacht wurden. Die wurden selten, und wenn dann nur noch mit begrenztem Budget gedreht.

Wie kamen Sie psychologisch damit klar, zehn Jahre lang keinen Film zu drehen?

Wenn du durch schwierige Strecken gehst, bist du immer wieder frustriert und fragst dich: „Wird das überhaupt klappen? Soll ich alles hinschmeißen?“ Aber ich kenne das aus meiner Vergangenheit. Am Anfang meiner Zeit in Hollywood habe ich fünf Jahre des Wartens und des Kämpfens erlebt. Und ich bin letztlich ein sturer Kopp aus Norddeutschland, der sich sagt: „Jetzt erst recht.“ Ich war immer davon überzeugt, dass es noch ein großes, langes Finale in meiner Regiekarriere geben wird.

Woher nehmen Sie die Kraft, um sich hochzurappeln? Hilft ein gutes Glas Wein?

Nein, das funktioniert bei mir nicht. Den Kopf vollsaufen, das mache ich nicht. Meine Frau Maria stärkt mir natürlich enorm den Rücken. Der Einsatz der Leute in meiner Firma ist auch großartig. Und es ist sehr wichtig, dass ich mich um mich selbst kümmere. Ich fahre schon mal mit dem Fahrrad zwei Stunden am Meer entlang oder schwimme bei uns zu Hause im Pool 50 Bahnen. Das mache ich konsequent, denn da kann ich meinen Geist und meine Seele auslüften und neue Konzentration finden. Wenn ich mich aber ein paar Tage nicht physisch auslebe, dann fühle ich mich nicht gut. Ich bin fast süchtig danach. Das ist meine Meditation.

Wenn man Ihnen mit 30 gesagt hätte, dass Sie mit 75 Jahren noch Filme machen – hätten Sie das für möglich gehalten?

Nein. Aber wirklich nicht! Ich orientiere mich nicht an denen, die alt und klapprig werden und auf der Couch vor sich hin jammern, sondern an denen, die sagen, wir krempeln die Ärmel hoch und machen es halt. Du bekommst beim Filmemachen sehr viel Adrenalin ab, und das hält dich jung.

Aber Filmemachen kann auch ganz schön aufreibend sein. „Das Boot“ ist ein gutes Beispiel. Würden Sie sich solche großen Stresserfahrungen noch einmal antun?

Den Satz „So etwas will ich nicht mehr“, den habe ich noch nicht über die Lippen gebracht. Wenn so ein Projekt auf mich zukommen würde – mit all seinen physischen und psychischen Herausforderungen, dann würde ich sicher nicht Nein sagen. Ich bin noch voll bereit, den großen Kampf zu führen.