Schauspieler

Ingolf Lück hat nicht nur einen Koffer in Berlin

Ingolf Lück feiert am Sonntag mit „Abschiedsdinner“ Premiere im Theater am Kudamm. Ein Gespräch.

Ingolf Lück auf dem Kurfürstendamm

Ingolf Lück auf dem Kurfürstendamm

Foto: Joerg Krauthoefer

Ingolf Lück ist seit mehr als 40 Jahren im Showbusiness. Mit 16 Jahren spielte er Theater, 1985 moderierte er „Formel Eins“, der endgültige Durchbruch gelang ihm zehn Jahre später mit der „Wochenshow“. Seitdem ist der 58-Jährige, der mit seiner Frau und den beiden Kindern in Köln lebt, als Comedian, Schauspieler, Moderator und Autor aktiv. Am Sonntag feiert sein Stück „Abschiedsdinner“ mit Rebecca Immanuel und René Steinke im Theater am Kurfürstendamm Premiere. Im Café „Dressler“ neben dem Theater kramt Lück in seiner Tasche. „Ich weiß immer beim Blick in meine Tasche, über welches Stück wir sprechen wollen. Und ich bin immer froh, wenn ich das richtige Skript dabeihabe“, sagt der Entertainer, der gerade fünf Stücke parallel spielt. Ein Gespräch über Facebook, lange Fingernägel und warum er nicht mehr kocht.

Und haben Sie das Skript für „Abschiedsdinner“ dabei?

Ingolf Lück: Ja, zum Glück. Gestern war ich in Hamburg, ging ins Theater und die Garderobiere sah mich so seltsam an. Dann habe ich in den Kalender vom Theater geschaut und fand auch nicht das Richtige und dann habe ich gefragt: „Bin ich heute eigentlich dran?“. Die Damen nickten. Puh, war ich erleichtert. Also immer diese Angst, in der falschen Stadt auf der falschen Bühne zu sein.

Hat es schon mal nicht geklappt?

Toi, toi, toi zum Glück noch nicht. Das ist ja auch Gehirnjogging, sich alles zu merken. Aber es gibt noch eine andere Herausforderung: den falschen Text im falschen Stück zu sprechen. Gesten sind dabei tödlich. Ich spiele seit Jahren viele Sachen gleichzeitig. Fatal ist es, wenn man für das gleiche Wort die gleiche Geste hat. Also etwa „Reden wir doch mal über Frauen“. Er hebt die Arme und breitet sie aus. Dieses Stück geht um Frauen, „Unsere Frauen“ in Köln auch und in meinem Soloprogramm kommen sie auch vor. Mit der Geste kann es passieren, dass ich nicht mehr weiß, mit welchem Text es weitergeht und im falschen Stück gefangen bin.

Wie behelfen Sie sich?

Zum Wort „Frauen“ habe ich fünf unterschiedliche Gesten. Damit bin ich aber auch schon an meinen darstellerischen Grenzen.

In dem Stück „Abschiedsdinner“ geben Freunde ein Dinner, um sich von ihrem ehemals besten Freund zu verabschieden.

Ein Superthema in unserer heutigen schnellen, globalisierten Sozialen-Netzwerkzeit, wo man jeden Tag im Grunde überall unterwegs ist, auf Facebook, auf Instagram ... Man hat eine „What’s App“ bekommen, schickt die schnell weiter, dann kriegt man bei Youtube etwas rein ... In dieser Zeit, wo man unterschiedlich unterwegs sein muss, werden Werte anders bemessen. Bekommen Werte eine andere Wertigkeit. Geht alles den digitalen Bach runter? Oder gibt es noch Werte, die bestehen bleiben. Das ist in diesem Stück auch der Inhalt.

Sind Sie eigentlich auf Facebook aktiv?

Ich habe zwei Accounts. Es gibt den offiziellen, den ein Mitarbeiter macht und einen persönlichen, wo ich unter dem Namen meines Großvaters bin. Da habe ich nur Kollegen, fast alles Autoren, und deren Sicht auf die Welt zu lesen, macht großen Spaß.

Wie viele Freunde haben Sie?

Alle, die mich interessieren. Ich bin aber gar nicht selbstreferenziell, ich interessiere mich für mich gar nicht. Ich poste nicht wie meine Kinder. Bevor sie die Nudeln essen, machen sie erst mal ein Bild. Das Essen ist nicht so wichtig wie das Teilen. Ich schreibe nicht „Sitze im ICE und jetzt kommt der Schaffner“. Ich bin da Leser und tue nichts rein.

Haben Sie schon mal eine Trennung in einer Freundschaft erlebt?

Als Mann hat man im Leben zwei bis drei Freunde, von denen in meinem Alter meistens schon einer gestorben ist. Der Ingolf Lück, der in Hamburg, Berlin oder Lusdorf an der Luthe auftritt, der ist froh, wenn er die Möglichkeit hat, seine Freunde zu treffen, genießt das. Das hat für mich eine hohe Wertigkeit.

Kleine Zwischenfrage. Warum haben Sie eigentlich ultralange Nägel an der rechten Hand?

Ich spiele Gitarre. Meine Tochter sagt immer: Das ist peinlich, mein Vater hat längere Fingernägel als ich.

Aber nur drei – dafür mit Nagellack?

Das ist Nagelhärter, damit sie mir nicht abbrechen. Ich habe eine klassische Gitarrenausbildung gemacht, dann bin ich auf Cello umgestiegen, jetzt spiele ich aber wieder Gitarre. Eigentlich mache ich Swing, Django Reinhardt ist immer mein Vorbild gewesen. Jetzt spiele ich wieder viel Bach und Etüden. Im Auto habe ich jetzt aber die neue Blues-Platte der Rolling Stones gehört. Ich war erst sehr skeptisch und muss sagen: Es ist großartig. Steht man im Stau, ist es einem völlig egal.

Haben Sie noch Ihre Wohnung am Südstern?

Ja, das war mal meine Studentenwohnung und da wohne ich immer noch, wenn ich in Berlin bin.

Gibt es noch den Nachbarn mit dem Korn?

Nein, schon lange nicht mehr. Mein Nachbar über mir war immer froh, wenn ich da war und geheizt habe, dann hatte er warme Füße. Er hatte nämlich schon seine ganzen Türen verheizt und fror. Aus Dankbarkeit brachte er mir immer Korn. Aber nun sind andere Zeiten, Südstern ist Hipsterland geworden, alle sprechen spanisch und englisch, und die sehen mit ihren Bärten und Hornbrillen aus wie wir in den 70ern.

Werden Sie Weihnachten und Silvester auch spielen?

Ich finde es doof, in der Adventszeit von meiner Familie getrennt zu sein. Heiligabend sind wir bei meinen Eltern in Bielefeld. Ich mache jetzt schon Pläne, wann ich die Rouladen kochen kann. In meinem Kalender steht: Montag, 19. Dezember, 14–16.30 Uhr ist Rouladenzeit.

Sie scheinen ja ein Organisationstalent zu sein?

Nein, das bin ich nicht. Ich bin hyperaktiv, und die Hyperaktivität braucht immer Nahrung. Aber ich bin einfach der beste Rouladenkoch in der Familie. Den Rotkohl habe ich meiner Schwester anvertraut, aber den gibt’s ja aus dem Glas.

Sind Sie ein leidenschaftlicher Koch?

Ja, aber ich koche sehr selten, seit ich nicht mehr so viel trinke. Man braucht die Erfahrung des überstandenen Vollrausches oder des aufziehenden Vollrausches, dann ist Kochen gut. Aber wenn man jeden Tag in einer anderen Stadt Theater spielt, kann man nichts mehr trinken und deswegen koche ich nicht mehr. Silvester habe ich übrigens frei, weil mein Vater 90 Jahre alt wird. Weil wir gerade über die neuen Medien gesprochen haben: Mein Vater ist im Netz unterwegs.

Was macht Ihr Vater denn im Internet?

Der schickt mir E-Mails, das ist eine tolle Art, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Außerdem guckt er sich auf Youtube Anneliese Rothenberger an.