David Garrett

Garrett – Der Profi

David Garrett tritt in Berlin auf. Der Skandal um seine Ex-Freundin wird dann weit weg sein

David Garrett / Hotel Scandic

David Garrett / Hotel Scandic

Foto: Reto Klar

Wenn David Garrett am Sonnabend um 20 Uhr die Bühne der Mercedes-Benz Arena in Friedrichshain betritt, werden die Zuschauer einen virtuosen Geiger erleben. Nicht erleben werden sie den Mann, der von seiner Ex-Freundin wegen Körperverletzung und abseitiger Sexpraktiken auf rund zehn Millionen Euro Schadensersatz verklagt wird. Für den 36-Jährigen, der als David Christian Bongartz in Aachen geboren wurde, das einstige Wunderkind, das seit seinem vierten Lebensjahr Violine spielt, ist eines entscheidend: Er muss alles ausblenden und sich voll auf die Musik konzentrieren können. Egal, ob er für die Deutsche Grammophon im Studio steht oder in einer Fernsehshow den „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow in 65,26 Sekunden spielt. Nichts darf ihn stören – auch keine Gerichtsverhandlung. „Ich gebe immer 100 Prozent“, sagt Garrett.

Im Februar trennte sich David Garrett von seiner Freundin Ashley Youdan. Mit der ehemaligen Pornodarstellerin war er liiert, seit er sie Ende 2014 als Escort-Dame gebucht hatte. Nach den öffentlichen Vorwürfen Youdans trat der Musiker die Flucht nach vorne an. Er verteidigte sich in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“, reichte Gegenklage beim New Yorker Supreme Court ein und forderte wiederum Schadensersatz in Höhe von neun Millionen Euro.

Trotz der gerichtlichen Auseinandersetzung geht das Leben von David Garrett weiter. Beim Echo Klassik im Oktober zeigte er sich zum ersten Mal nach dem Skandal wieder auf dem roten Teppich – in Begleitung von Larissa Marolt. Das österreichische Model sei jedoch nur eine gute Freundin, hieß es. Mitte November startete David Garrett seine „Explosive Live!“-Tournee in Braunschweig. Schon bei der Pressekonferenz im März in Berlin zeigte er sich begeistert von der bevorstehenden Show mit einer Drehbühne. „360 Grad war seit ein paar Jahren auf meinem Wunschzettel“, sagt der Musiker. Während des Konzerts wird sich die Bühne also langsam drehen. Schlechte Plätze gibt es nicht mehr. Und kriegt man da nicht einen Drehwurm? „David wird nicht die Orientierung verlieren“, erklärt Veranstalter und DEAG-Chef Peter Schwenkow.

Über zwei Stunden wird die Show dauern, wobei David Garrett seine Hits in ein neues musikalisches Cross-over-Gewand gekleidet hat. Fünf Millionen Euro kostet die Produktion, 60 Personen werden allein mit dem Aufbau beschäftigt sein, 18 Trucks das Equipment transportieren. Auf der Bühne wird Garrett, der auf den Unterarm das Wort „Rock ’n’ Roll“ tätowiert hat, alles geben. Schließlich ist er ein Profi – und das in Klassik- und Popwelt. „David Garrett hat zwei Karrieren: Philharmonie und Mercedes-Benz Arena“, so Schwenkow. Der Unterschied zwischen den beiden sei nur die akustische Verstärkung. „Und in der Philharmonie spielt man mit der Geige gegen das Orchester an“, so Garrett. Seine wertvolle Stradivari wird er nicht in der Mercedes-Benz Arena dabeihaben, sondern eine elektrisch verstärkte Geige.

Seit acht Jahren hat David Garrett neben seinem Apartment in New York auch eine Wohnung in Berlin. Auf das Konzert in der deutschen Hauptstadt freut er sich deshalb besonders. „Berlin ist ein Stück Heimat. Viele Freunde und Familie sind dabei, und da will ich gute Leistung abrufen“, sagt er. Die werden ihn dann zusammen mit den Fans die Probleme in New York für einen Moment vergessen lassen. Und das Wichtigste im Leben sei sowieso Gesundheit. „Solange ich die habe, bin ich wunschlos glücklich“, so Garrett.