Party in Berlin

Wie Jürgen Wölffer seinen 80. Geburtstag feiert

Der langjährige Chef der Kudamm-Bühnen feiert seinen 80. Mit dabei waren prominente Gäste - auch aus der Politik.

Es blitzt von rechts, von links, von vorn. Er blinzelt, lächelt in alle Richtungen, schüttelt Hände, die sich ihm entgegenstrecken. Auch wenn er von der Überraschungsparty zu seinem 80. Geburtstag gewusst hat, scheint Jürgen Wölffer überwältigt, wie viele Freunde am Montagabend in die Komödie am Kudamm gekommen sind, um ihm zu gratulieren. „Ich fühle mich wunderbar“, sagt er, „wenn mir niemand sagen würde, dass ich jetzt 80 Jahre alt bin, würde ich es nicht merken.“

400 Gäste aus Kultur, Politik und Theater drängeln sich um ihn herum im Foyer seiner Theaters. Auch wenn der 80-jährige, langjährige Direktor der Komödie und des Theaters am Kurfürstendamm nicht ans Aufhören denkt – er inszeniert weiter –, geht es an diesem Abend nicht nur um ihn. Sondern auch um das Fortbestehen seiner Bühnen.

Dass die Zukunft der historischen Theater ungewiss ist, das schmerzt den Seniorchef besonders. „Theater ist ja mein Leben“, sagt er. Der neue Investor will die Bühnen für eine Umgestaltung des Kudamm-Karrees abreißen. In der vergangenen Woche wurde der langjährige Streit vor dem Landgericht ausgefochten, ein Räumungsurteil gegen die Wölffers wegen finanzieller Rückstände ausgesprochen. „Aber ich hoffe, dass wir noch einen Kompromiss finden“, sagt der Seniorchef, „es wäre tragisch, wenn diese Theater nicht erhalten bleiben.“

Dieser Meinung schließen sich die Gäste an. „Es wäre eine Katastrophe, wenn die Bühnen hier schließen“, sagt Susanne Juhnke. „Dann stirbt ein Stück Berliner Theatergeschichte“, meint auch Schauspielerin Saskia Valencia.

Comedian Hugo Egon Balder erklärt beim Gratulieren, dass er schon als Kind mit seinen Eltern das Theater besucht hat. Erinnerungen werden auch bei Schauspieler Renè Steinke wach, wenn er an das Theater denkt. In der Nacht des Mauerfalls habe er vor dem Haus gestanden und gedacht: „Wenn du hier mal spielst, dann hast du was geschafft.“ Im Dezember wird es soweit sein, dann steht er auf der Bühne. Sollten die Theater nun wirklich schließen, „dann wäre das doch verrückt.“

Tim Renner kam in Vertretung von Michael Müller

Aber vielleicht passiert ja doch noch ein Wunder. Jürgen Wölffers Sohn, der jetzige Theaterdirektor Martin Woelffer, hatte die Investoren zum Geburtstag seines Vaters eingeladen. Und sie sind gekommen. „Das ist wichtig und richtig“, sagte Kulturstaatssekretär Tim Renner. Weil der Regierende Bürgermeister Michael Müller in den Koalitionsverhandlungen feststeckte, war Renner eingesprungen, um eine Rede zu halten. Man wolle in vier Tagen mit Martin Woelffer und den Investoren reden, um eine Lösung zu finden, „damit am Kudamm nie das Theaterlicht ausgeht“. Das mache Hoffnung, sagte Martin Woelffer.

Zum Gratulieren kamen auch Berlins ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und Walter Momper, Staatsopernintendant Jürgen Flimm und Liedermacher Klaus Hoffmann. Auch die Schauspielerinnen Ursela Monn und Beatrice Richte r, die Schauspieler Achim Wolff und Carsten Speck waren da.