Staatsbesuch

Mit Schirm und Silvia - das schwedische Königspaar in Berlin

Gut gelaunt und stilsicher erscheinen König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia von Schweden zu ihrem dritten Staatsbesuch in Berlin.

Gerade noch ist ein satter Schauer auf dem Platz vor der Neuen Wache Unter den Linden niedergegangen. Doch in dem Moment, als die schwarze Stretchlimousine vor der Neuen Wache hält, stoppt der Regen wie auf Bestellung. Trockenen Hauptes können der schwedische König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia – er im marineblauen Anzug, sie mit taupefarbenem Mantel und sandfarbenem Hut – an der Ehrengarde der Bundeswehr vorbei zur Kranzniederlegung an der Zentralen Gedenkstätte an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft schreiten. Das Areal ist – wie bei Staatsbesuchen üblich – weiträumig abgesperrt. Am Deutschen Historischen Museum drängeln sich Schaulustige an den Absperrgittern, filmen und fotografieren mit ihren Handys.

Vor der von Käthe Kollwitz geschaffenen Pietà richtet Schwedens Staatsoberhaupt noch die blauen Schleifen am gelben Blumenkranz, nach einer Gedenkminute geht es auch schon wieder weiter zum nächsten Termin – der Schlossbaustelle. Kaum setzt sich der Tross in Bewegung, beginnt es auch wieder zu regnen.

Am Mittwochmorgen ist das Königspaar zum viertägigen Staatsbesuch in Deutschland eingetroffen – es ist der dritte nach 1979 und 1993. Nach der Begrüßung auf dem Flughafen Tegel wurde es von Bundespräsident Joachim Gauck und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt im Park von Schloss Bellevue mit militärischen Ehren offiziell empfangen und trug sich ins Gästebuch des Schlosses ein.

Beim ersten Gespräch dürfte die Zusammenarbeit beider Länder bei internationalen Fragen wie Klimaschutz und Menschenrechten Thema gewesen sein. Auch die Lage in Europa nach der britischen Brexit-Entscheidung sollte zur Sprache gekommen sein.

Obligatorischer Gang durchs Brandenburger Tor

Am Nachmittag stand neben der Kranzniederlegung und einem gemeinsamen Gang durch das Brandenburger Tor mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller, dem Besuch der Humboldt-Box neben der Schlossbaustelle und einer Führung durch den Reichstag auch ein Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel auf dem Programm. Am Abend lud der Bundespräsident zu einem Staatsbankett ins Schloss Bellevue. Laut Redemanuskript lobte Gauck den beständigen Einsatz der schwedischen Politik wie auch der Zivilgesellschaft für die Achtung der Menschenrechte weltweit und die Unterstützung von Menschenrechtsverteidigern.

Am heutigen Donnerstag wird das Königspaar kurz Hamburg besuchen, am Abend wird es ein zweites großes Bankett, diesmal im Schloss Charlottenburg, geben. Der Freitag beginnt im Chamäleon-Theater in den Hackeschen Höfen mit einem Seminar zur Inklusion. Danach trennen sich die Wege: Der König will sich im Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften dem Thema Digitalisierung widmen, die Königin befasst sich im Bikini-Haus mit dem Thema „Nachhaltige Mode“.

Gemeinsam wird anschließend die Charité besucht. Am Nachmittag steht das Flüchtlings-Projekt „Refugio“ in Neukölln auf dem Programm. Dazu hat die von der Schwedin Annamaria Olsson gegründete Initiative „Give Something Back To Berlin“ eingeladen. Am Sonnabend reist das Königspaar nach Wittenberg und Leipzig, bevor es zurück nach Schloss Drottningholm bei Stockholm geht.