Tödliche Gefühle

„Ich bin ein großer Angsthase“

Katharina Wackernagel und Franziska Weisz spielen in dem ZDF-Film „Tödliche Gefühle“ beste Freundinnen. Ein Treffen mit den beiden Schauspielerinnen

Katharina Wackernagel und Franziska Weisz

Katharina Wackernagel und Franziska Weisz

Foto: Massimo Rodari

In dem Thriller „Tödliche Gefühle“ (3. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF) spielen Katharina Wackernagel und Franziska Weisz zwei Freundinnen, die viel durchmachen müssen. Tina (Weisz) wird nach dem Ehebruch ihres Mannes und dem Tod ihres Kindes völlig gefühllos und verschwindet nach einem Blind Date spurlos. Ihre Freundin Pola (Wackernagel) versucht, sie zu finden. Im Interview sprechen die beiden Schauspielerinnen über Freundschaft und Verlust.

In dem Film geht es zwar um Ehebruch, Tod und Trauer, aber auch um eine Freundschaft. Was ist Ihnen bei Freundschaften besonders wichtig?

Katharina Wackernagel: Vertrauen und Ehrlichkeit. Vielleicht nicht die bedingungslose Ehrlichkeit (lacht), aber doch zumindest so viel, dass man sich kennt und gegebenenfalls auffangen kann.

Haben Sie beste Freunde?

Wackernagel: Ich habe viele sehr, sehr enge Freunde. Auch einen besten Freund, eine beste Freundin, und es gibt immer Menschen, die mir eine Zeit besonders nahe sind. Insgesamt also einen guten Freundeskreis, der auch in sich und miteinander funktioniert.

Wie setzt sich Ihr Freundeskreis zusammen? Habe Sie noch Freunde aus der Schulzeit?

Wackernagel: Ich habe nur noch eine Freundin aus der Schulzeit. Die anderen sind in den letzten 20 Jahren gewachsene Freundschaften.

Franziska Weisz: Ich hatte nie den einen Freundeskreis. Ich war immer „Freelancer“ in verschiedenen Freundeskreisen und hatte immer nur einen besten Freund. Erst seit relativ Kurzem habe ich auch Frauenfreundschaften. Ich bin mit Jungs aufgewachsen, daher habe ich erst jetzt eine beste Freundin.

Soll man sich unter besten Freunden alles sagen oder auch mal etwas verschweigen?

Wackernagel: Natürlich haben Freunde auch mal Beziehungen, mit denen man nicht hundertprozentig mitgeht. Da finde ich, gehört es auch zu einer Freundschaft, nicht die eigenen Maßstäbe anzusetzen, sondern zu versuchen, bei den Freunden zu bleiben und zu spüren, was sie wollen.

Weisz: Ich finde es wichtig, wenn man angerufen wird, weil der Freund über seinen Partner ablästern will, zu sagen: „Du hast völlig recht“. Letztlich wird genau das doch gebraucht (lacht). Ich finde es aber erstaunlich, dass wir bei dem Film über das Thema Freundschaft sprechen.

Was hätten Sie sich erwartet?

Weisz: Aus der Rolle heraus hätte ich gedacht, dass wir über das Thema Trauer reden und wie man den Verlust eines Kindes verarbeitet oder wie eine Partnerschaft damit zurecht kommt.

Könnten Sie das beantworten?

Wackernagel: Es ist weit weg von meiner Realität, immerhin ist es eine Rolle, die wir spielen und für die wir diese Frage beantworten müssen. Als ich im Film „Contergan“ mitgespielt habe, wollten alle wissen, was ich tun würde, wenn mein Kind behindert wäre. Ich wusste nie, was ich dazu sagen soll, schließlich ist das eine Figur, und das hat nichts mit mir zu tun.

Lassen Sie uns deshalb lieber über Freundschaft sprechen.

Wackernagel: Wenn ein Mensch aus dem engsten Umfeld verschwindet, dann will man dem nachgehen. Trotzdem finde ich es gut, wie meine Figur Pola dem nachgeht und zur Detektivin wird. Das hat mir gefallen.

Würden Sie das für Ihre Freunde tun?

Wackernagel: Ich würde mir das von mir wünschen, doch ich bin ein viel zu großer Angsthase. Die Figur Tina verliert das eigene Kind, und danach kommt niemand mehr zu ihr durch. Ist es Aufgabe von Freunden, doch einen Weg zum Gespräch zu finden?

Weisz: Letztlich schon. Es gibt genug Menschen, die verwahrlosen, die zum Beispiel auf einer Droge hängen bleiben oder eine Krankheit haben und sich isolieren. Wenn man da allein gelassen wird, wird man schnell vergessen. Wir haben zwar ein dichtes soziales Netz in Deutschland, doch man rutscht schnell durch, wenn Freunde oder Verwandte nicht hartnäckig dranbleiben.

Haben Sie damit Erfahrung?

Wackernagel: Es gab eine beste Freundin, mit der ich mich so gestritten habe, dass wir darüber nicht hinweggekommen sind. In der ersten Zeit aus Trotz, später dann, weil man nicht mehr wusste, wo man wieder einsteigen sollte. Darüber haben wir uns letztlich verloren, und das habe ich wie eine Beziehungstrennung empfunden. Heute ist es so, dass sie mir immer wieder fehlt in meinem Leben. Das andere kenne ich auch. Ich habe einen Freund an Drogen verloren. Diesen Kampf kann man nicht gewinnen, wenn der andere einem die Tür vor der Nase zuknallt und sagt: „Geh weg! Ich will nichts von Dir.“

Und Sie, Frau Weisz?

Weisz: Ich hatte den Punkt andersherum. Ich habe mal aus Gedankenlosigkeit etwas vergeigt und habe erst an der Reaktion des anderen gemerkt, was ich verbockt habe. Diese Freundschaft wäre um ein Haar in die Brüche gegangen und es waren schlimme, mit Liebeskummer vergleichbare Wochen, bis der Verzeihungsanruf kam. Die Erleichterung dann war riesengroß.