US-Männermodel

Ein Treffen mit Albino-Model Shaun Ross im Soho House

Shaun Ross kennt sich aus in Berlin. Er liebt das Berghain und das White Trash und passt in keine Schablone. Ein Gespräch.

Shaun Ross im Soho House

Shaun Ross im Soho House

Foto: Reto Klar

Für Shaun Ross ist es bereits das fünfte Interview an diesem Nachmittag. Der 25-Jährige liegt auf einem Sofa in seinem Zimmer im „Soho House“ in Mitte und spielt mit seinem Smartphone. Am Abend wird das US-Männermodel in einem Spätkauf in Neukölln das neue „Axe Männermagazin“ präsentieren, das einmalig in einer Auflage von 350.000 Exemplaren erhältlich ist. Ein Gespräch über Ausgehen in Berlin und seine Unangepasstheit in der Modebranche.

Waren Sie vorher schon einmal in Berlin?

Shaun Ross : Ich war schon viele Male hier. Immer für Jobs, aber glücklicherweise habe ich immer auch Spaß, wenn ich arbeite.

Wie sieht das aus, wenn Sie Spaß in Berlin haben?

Früher bin ich viel Fahrrad gefahren, aber das wurde langweilig, weil ich mich kaum auskenne. Also bin ich immer nur die Schönhauser Allee hoch- und runtergefahren. Eins meiner Lieblingsrestaurants ist hier, das „White Trash“, da will ich nachher auch noch hin. Dort gibt es wirklich sehr gutes Hühnchen. Ich gehe auch gerne ins „Berghain“. Bevor sie geschlossen wurde, war ich häufig in der „Bar 25“. Das war einer der ersten Orte, die ich in Berlin kennengelernt habe. Und ich liebe die Burger bei „Burgermeister“, dabei mag ich eigentlich gar keine Burger. Das brauchen wir dringend in den USA.

Wie halten Sie es in der Modeindustrie aus?

Dort wird einem auf jeden Fall nicht beigebracht, sich selbst zu lieben. Ich weiß, dass ich theoretisch für die Modeindustrie arbeite, aber ich sehe das trotzdem anders. Ich habe eine Botschaft, deshalb habe ich das Gefühl, dass ich mehr repräsentiere als Mode. Die meisten Menschen in der Modeindustrie haben nichts zu sagen, sie starren nur.

Aber Sie interessieren sich schon für Mode?

Ja, natürlich. Ich glaube auch, ich kleide mich modisch. Auf eine nachlässige Art und Weise. Ich liebe es, schöne Klamotten anzuziehen.

Was hat Ihnen denn ursprünglich an der Idee gefallen, Model zu werden?

Gar nichts, die Leute waren anfangs nicht sehr nett zu mir. Sie hatten sich schon ein Bild von mir gemacht. Und das sah so aus wie die Albino-Zwillinge aus dem Film „Matrix“. Auf diese Schablone wurde mein Gesicht gelegt. Aber schau dir an, wo ich heute bin.

Und warum sind Sie überhaupt Model geworden?

Ich habe mir das nicht ausgesucht. Das Modeln hat mich ausgesucht, es hat mich einfach gefunden, und ich habe mich treiben lassen.

Was gefällt Ihnen heute an Ihrem Job?

Tage wie dieser. Ich kann auf einem bequemen Sofa in einem schönen Hotel rumliegen und ein Interview geben, während ich Flip-Flops trage. Ich kann um die ganze Welt reisen und tolle Orte kennenlernen.

In Ihrem Job werden Sie wahrscheinlich häufig mit Kollegen konfrontiert, die verrückte Diäten machen oder zeitweilig gar nichts essen, um ihre Modelmaße zu halten. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Das hat nichts mit mir zu tun. Ich esse. Hast du meinen Bauch gesehen? Natürlich versuche ich auch, auf mein Gewicht zu achten. Aber das hat nichts mit dem Modeln zu tun. Ich will nur nicht dick sein. Aber ich esse immer, worauf ich Lust habe. Heute habe ich zum Beispiel sehr gut gefrühstückt. Ich hatte Eier mit Avocado. Obwohl sie es nicht ganz so gemacht hatten, wie ich es machen würde.

Sie kochen?

Ich liebe Kochen. Vor ein paar Jahren habe ich mal einen Koch gedatet, und er hat mir Kochen beigebracht. Ich kann das also sehr gut. Ich kann die beste Pasta Alfredo machen, die du dir vorstellen kannst.

Wann hat Ihnen zum letzten Mal jemand gesagt, Sie seien nicht groß, nicht dünn oder nicht was auch immer genug?

Wer will denn schon aussehen wie eine Schablone? Ich bin 25, keine 17 mehr. Wenn ich für einen Designer laufen soll, und er sagt mir, du bist nicht dünn genug oder zu klein, sage ich ihm: Dann musst du das Outfit eben meinem Körper anpassen. Ich werde schließlich nicht mehr wachsen. Und ich mag es nicht, zu dünn zu sein. Ich mag mich, wie ich bin.

Haben Sie mit dieser Einstellung schon Jobs verloren?

Ich verliere ständig Jobs, aus allen möglichen Gründen. In so einem Fall frage ich mich dann aber, ob ich den Job wirklich verloren habe, oder ob er vielleicht von Anfang an nicht für mich bestimmt war.

Was finden Sie an anderen schön?

Ich finde es schön, wenn andere Menschen viel erlebt haben. Ich höre mir sehr gerne ihre Lebensgeschichten an.

Und das mögen Sie auch an sich selbst am liebsten?

Auf jeden Fall. Ich könnte tagelang verrückte Geschichten aus meinem Leben erzählen. Ich rede sehr viel. Wenn ich unterwegs bin, zeige ich Freunden und meiner Mutter über Skype die Orte, an denen ich bin, und erzähle, was ich erlebe.