Interview in Berlin

„Ich habe noch viele Aufgaben zu erledigen“

| Lesedauer: 6 Minuten
Johanna Ewald
Schauspieler Andreas Pietschmann auf seinem Motorrad

Schauspieler Andreas Pietschmann auf seinem Motorrad

Foto: Massimo Rodari

Andreas Pietschmann fährt zugunsten eines Kinderhospizes bei einer Motorradtour mit. Ein Gespräch über den Tod und die Familie.

Andreas Pietschmann ist Botschafter des Sonnenhofs in Pankow. Am Sonntag fährt der Schauspieler bei der Sonnenhofroute mit, eine Motorradtour, deren Erlös an die Björn-Schulz-Stiftung geht, zu der das Kinderhospiz gehört. Im Gespräch im Pankower Café „Auszeit“ erzählt der 47-Jährige über Hochzeitspläne mit seiner Verlobten Jasmin Tabatabai, die Angst vor dem Tod und die Leidenschaft zum Motorradfahren.

Sie kommen gerade aus dem Urlaub, wo waren Sie denn?

Andreas Pietschmann: Wir waren im Allgäu auf einem Bauernhof. Gerade für die Kinder gibt es so viel zu sehen, meine Frau und ich lieben die Berge. Das machen wir jetzt schon zum zweiten Mal. Überall ist Ruhe, viele Tiere und Natur, einfach ein Traum. Schon meine Eltern sind mit mir und meinen fünf Geschwistern in die Berge gefahren.

Ihre Frau ist auch Schauspielerin. Wer arbeitet bei Ihnen gerade hauptsächlich?

Momentan meine Frau. Wir wechseln uns ab. Ich habe gerade einen Tag für die deutsche Komödie „Lommbock“ gedreht, zum ersten Mal in meiner Heimatstadt Würzburg. Demnächst beginnen wir mit der ZDF-Reihe „Unter anderen Umständen“, und ich spreche einige Hörbücher ein.

Haben die Kinder Ihr Leben verändert?

Sie haben alles verändert. Vom Tagesablauf bis zum Lebensgefühl hin, mein Leben ist viel reicher und eine tägliche Jonglage. Meine Familie nimmt den meisten Raum ein, dadurch arbeite ich weniger. Allerdings bin ich wirklich froh, dass ich mir nicht mehr die Nächte um die Ohren haue, wie vor 20 Jahren.

Sie engagieren sich für den Sonnenhof. Woher kommt die Verbindung zu einem Kinderhospiz?

Wir wohnen in der Nähe in Pankow. Unsere Kita liegt in der Nachbarschaft, und das Kinderhospiz hatte einen Streichelzoo, wo wir oft mit den Kindern hingegangen sind. Außerdem spiele ich schon seit Jahren das Charity-Fußballturnier, dessen Erlös zugunsten des Sonnenhofs geht. Und irgendwann wurde ich gefragt, ob ich nicht Botschafter werden möchte. Und das hat irgendwie gepasst. Ich bin Familienvater und kann nachvollziehen, wie sehr die Kinder im Zentrum eines Lebens stehen. Ich kann mich vielleicht ein wenig einfühlen, wie schlimm es ist, machtlos zuzusehen, wenn ein Kind lebensverkürzend erkrankt.

Sie sind katholisch aufgewachsen, haben die Rolle des Jesus gespielt. Glauben Sie an den Himmel und die Nächstenliebe?

Ja. Dazu muss man, glaube ich, auch nicht christlich aufgewachsen sein, um zu verstehen, dass Nächstenliebe unglaublich toll und sinnvoll ist. Ich bin so aufgewachsen und dadurch auch geprägt und habe mich mit der christlichen Lehre auseinandergesetzt. Als ich den Jesus gespielt habe, war es interessant, einfach mal das Neue Testament zu lesen und zu sortieren, was ich gut und schlecht finde.

Fürchten Sie den Tod?

Ja, natürlich fürchte ich den Tod. Es gibt durchaus noch eine Kraft, die die Fäden zusammenhält – mehr als ich es könnte. Dieses Grundgefühl habe ich, daran glaube ich. Aber dennoch habe ich Angst vor dem Tod. Ich hoffe, dass auf unseren Tod etwas Schönes, Sinnvolles folgt und glaube daran. Der Tod gehört zum Leben dazu. Er ist die notwendige Vollendung. Ein Teil, wie die Geburt, und es wird jedem passieren.

Mit 19 hatten Sie einen Autounfall – hat das Ihren Blick auf das Leben und dessen Endlichkeit verändert?

Ich hatte viel Glück, dass ich diesen Unfall überlebt habe und das Gefühl, eine zweite Chance zu bekommen, ein Geschenk. Das war eine Erfahrung, die mir in jungen Jahren gezeigt hat, dass das Leben endlich ist. Ich bin dankbar, dass es offensichtlich noch einige Aufgaben gibt, die ich zu erledigen habe.

Hing damit auch das Ende Ihrer Fußballkarriere zusammen?

Nein. Vielmehr damit, dass ich mit dem Gefühl, eine zweite Chance geschenkt bekommen zu haben, ins Theater gegangen bin. Ich habe ein Stück gesehen, dass mir sehr gefallen hat, war euphorisiert. Und genau an dem Abend wurde eine Rolle frei, und ich fragte den Regisseur, ob ich sie übernehmen kann. Da habe ich zum ersten Mal Theater gespielt und Blut geleckt. Irgendwann kollidierte das mit dem Fußballspielen, sodass ich mich entscheiden musste, und ich meine Karriere bei den Kickers Würzburg beendet habe.

Neben dem Schauspiel haben Sie noch eine weitere Leidenschaft, das Motorradfahren. Am Sonntag begleiten Sie den M.C. Hermsdorf bei der Sonnenhofroute.

Seitdem ich 20 bin, habe ich ein Motorrad. Auf unterschiedlichen Touren bin ich bis nach Griechenland gefahren. Auf einem Fest des Sonnenhofs habe ich dann die Jungs vom Hermsdorfer Motorradclub kennengelernt, und dann war klar, dass ich bei der Sonnenhofroute mitfahren werde.

Ihre erste Maschine?

Eine SR 500 von Yamaha. Das war so eine schöne Retro-Maschine, nachtblau, mit einem Zylinder. Jetzt fahre ich aber BMW. Diese Maschine fahre ich seit über 13 Jahren, da habe ich sie gebraucht gekauft – mehr wäre mit meinem Theatergehalt nicht drin gewesen.

Und zum Schluss die unvermeidbare Frage: Gibt es Hochzeitspläne mit Ihrer Langzeit-Verlobten Jasmin Tabatabai?

Immer. Aber es ist noch nicht so weit gekommen. Hochzeiten sind so schöne Feste, das müssen wir auf jeden Fall auch noch machen. Pläne sind da, aber der Termin noch nicht.

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