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An der Seite des „Bodyguards“

Patricia Meeden spielt im Musical „Bodyguard“ und neben Christian Ulmen. Ein Treffen am nollendorfplatz.

Patricia Meeden

Patricia Meeden

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Einen Kaffee, einen Tee, ein Sandwich, einen Saft – die Menschen vor der Holztheke stehen dicht hintereinander, bestellen bei der jungen Frau auf der anderen Seite und setzen sich dann an einen der Metalltische. Die Schlange reicht quer durch das Café bis zur Eingangstür. In der Mitte wartet ein brauner Labrador darauf, dass sein Besitzer an der Reihe ist. „Oh, wie süß“, ruft eine junge Frau, als sie das Café betritt, und stürzt sich auf das wartende Tier. „Ich liebe Hunde“, sagt sie, lächelt breit und streicht sich die Locken aus dem Gesicht.

Die junge Frau aus dem Café heißt Patricia Meeden. Leider könne sie bei ihrem derzeitigen Leben keine Haustiere haben, sagt die 30-Jährige, als sie sich mit ihrem grünen Smoothie an einen der Tische im „Café Impala“ am Nollendorfplatz setzt. Ihr „derzeitiges Leben“, das heißt: ein festes Musicalengagement in Köln, ein fester Freund in Berlin und eine Familie auf der ganzen Welt. Ihre Mutter stammt aus Kuba.

Meedens Vater ist halber Däne. Seit November steht sie fast jeden Abend als Rachel Marron im Musical „Bodyguard“ auf der Bühne. Außerdem hat sie Rollen in den beiden Filmen „Antonio, ihm schmeckt’s nicht“ und „Schatz, nimm du sie“ übernommen und arbeitet an ihrem ersten Album mit selbst geschriebenen Songs.

Verglichen mit der Ikone Whitney Houston

Der Dreh mit Christian Ulmen für „Antonio, ihm schmeckt’s nicht“ sei sehr entspannt gewesen, sagt Patricia Meeden. Der Schauspieler sei am Set süß, zuvorkommend und bodenständig. Im Gegensatz dazu sei die Hauptrolle in „Bodyguard“ zwar „die Rolle ihres Lebens“, aber auch mit viel Druck verbunden. Um sich inspirieren zu lassen, sei sie vor Saisonstart nach London geflogen.

Dort habe sie Beverley Knight getroffen, die die Rolle in der englischen Version des Musicals spielt. Die Sängerin habe ihr die Angst genommen, 14 Songs an einem Abend zu singen und mit Whitney Houston verglichen zu werden, die Rachel Marron in dem gleichnamigen Film von 1992 verkörpert hat. „Ich würde mir nie anmaßen zu sagen: ‚Ich bin die neue Whitney Houston‘“, sagt Patricia Meeden.

Zur Weiterbildung ist die Darstellerin nicht nur in London unterwegs, sondern auch in New York. Sie liebe Großstädte, sagt sie, sei aber eine echte „Berliner Schnauze“. Ohne Scheu erzählt Patricia Meeden davon, wie sie ihren Freund bei einer Wohnungsbesichtigung kennengelernt hat, dass ihre Eltern getrennt leben und dass sie als Fünfjährige allein nach Havanna geschickt wurde. In Kuba habe sie schnell die wunderbare Entdeckung gemacht, dass dort alle so seien wie sie. „Manchmal fühle ich mich eher kubanisch als deutsch“, sagt Patricia Meeden.

„Unter meinen deutschen Freunden bin ich die Lauteste, und unter Kubanern fällt’s nicht weiter auf.“ Auch an diesem Tag im „Impala“ redet Patricia Meeden laut, viel und lacht, dabei grunzt sie ganz leicht und lacht wieder. Ihre Augen strahlen und blicken genau in die ihres Gegenübers. Selbst dann, wenn sie von ihrer Zeit auf der strengen Berliner Ballettschule erzählt. Im Alter von zehn Jahren sei sie in das Internat im Osten Berlins gezogen. Während ihre Familie im Westen der Stadt lebte, habe sie sich mit sechs anderen Mädchen ein Zimmer geteilt und neben Mathematik, Biologie und Kunst auch Jazzdance und Ballett gelernt.

Großer Druck auf dem Ballettinternat

Das sei eine tolle Zeit gewesen, sagt Patricia Meeden. Der „Figurendruck“ sei jedoch extrem hoch gewesen. „Ich verstehe, dass da viele dran zerbrechen“, sagt sie. In der zehnten Klasse habe sie den Spaß am Tanzen verloren, immer wieder sei sie als zu dick bezeichnet worden. Aus Trotz heraus habe sie weitergemacht. Die Zeit habe sie abgehärtet, heute könne sie besser mit Druck und Kritik umgehen.

Nach der Tanzausbildung verhalf ein Zufall der damals 18-Jährigen zu ihrer ersten Musicalrolle. Über den Türsteher im „Soda Club“ in der Kulturbrauerei habe sie den Hauptdarsteller aus dem Musical „Cats“ kennengelernt, sagt Patricia Meeden. Der erzählte ihr von einem Casting für die Show, sie habe teilgenommen und ganz ohne musikalische Ausbildung eine Rolle bekommen.

„Ich bin eine Rampensau“

Ballett, Musical, Schauspiel, Gesang – die Berlinerin hat viele Interessen. Eingrenzen lassen will sie sich aber nicht. „In Deutschland muss man sich immer entscheiden, was man ist, ich bin Musicaldarstellerin, das verbindet alles“, sagt sie. Und wenn es irgendwann einmal vorbei ist mit der Musicalkarriere? „Ich habe viele Kollegen, die nach der Bühne Pilateslehrer werden, mich würde das nicht glücklich machen. Ich bin eine Rampensau“, sagt Patricia Meeden.

Wenn sie nicht mehr singen, tanzen oder spielen könnte, würde sie designen. Aber was ist denn jetzt ihr großer Traum? Filme drehen und dabei mit der eigenen Musik auftreten, sagt sie. Und endlich wieder bei ihrem Freund in Berlin wohnen. Vielleicht würde es dann auch endlich klappen mit dem eigenen Hund.

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