Politisch engagiert

Kristin Meyer: „Wir leben im Tal der Glückseligen“

Schauspielerin Kristin Meyer spricht über ihre verpasste Tanzkarriere, Schauspielerei und ihr politisches Engagement.

Portrait, Kristin Meyer, Leute, Interview

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Foto: Ricarda Spiegel

Schauspielerin Kristin Meyer wurde zwar durch die RTL-Soap „GZSZ“ bekannt und spielt derzeit in der täglichen Seifenoper „Unter uns“ mit, doch beim Gespräch im „Reinhardt’s“ am Kurfürstendamm wird schnell klar, dass das Herz der blonden Schauspielerin auch noch für etwas ganz anderes schlägt. Die 42-Jährige engagiert sich nicht nur leidenschaftlich für die SPD, sondern hat auch einen gemeinnützigen Verein auf die Beine gestellt.

Dabei sei sie zu allem „wie die Jungfrau zum Kinde“ gekommen, sagt sie lachend. Kristin Meyer bestellt sich erst einmal einen Pflaumenkuchen, bevor sie zu erzählen anfängt. Eigentlich wollte die gebürtige Dortmunderin, die jedoch schon seit Jahren in Berlin lebt, Tänzerin werden. Doch just nach der Aufnahme an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig machte ihr eine rheumatische Erkrankung einen Strich durch die Rechnung. Schweren Herzens gab sie ihren Traum von der Profitänzerin auf, doch satt über ihr Schicksal zu jammern, konzentrierte sie sich lieber auf das Schauspielen. 2007 spielte sie dann für vier Jahre bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ die Iris Cöster.

Schauspielerin zu sein, ist nicht genug

Doch ein Leben im Scheinwerferlicht ist für sie nicht die Erfüllung. Als sie bei „GZSZ“ so „eine komische Art von Prominenz“ bekam, wie sie sagt, wurde sie von einer alten Schulfreundin angesprochen, ob sie nicht zu SPD-Events mitkommen wolle. Meyer findet Gefallen und fängt an sich bei den Sozialdemokraten zu engagieren. „Und das obwohl ich aus einem unpolitischen Haushalt komme“, sagt sie lachend. Ihre beiden Eltern sind nämlich Musiker. Ihr Engagement bezieht sich aber nicht nur auf die Politik.

Nach dem Aus bei „GZSZ“ geht sie 2010 nach Uganda, wobei sie bei ihren Erzählungen den Begriff „Dritte Welt“ vermeidet. „Heute sagt man ‚globaler Süden‘, wobei das genauso bescheuert klingt. Meiner Meinung nach gibt es gar keinen treffenden Begriff“, erklärt sie. Dort arbeitet Meyer in einem Kinderheim. „Das war mein erster Gehversuch im sozialen Bereich“, sagt sie. Die krassen Erlebnisse dort, beschäftigen sie sehr. „Die Gefühle kommen nachts, dann träume ich merkwürdig oder kann nicht schlafen.“ Doch viel schwieriger als das Leben in Afrika findet sie das Zurückkommen. „Dieser Überfluss und dieser Reichtum sind voll krass. Das haben wir nicht, weil wir so geil sind, sondern weil es auf Kosten von anderen entsteht“, sagt sie und für einen kurzen Augenblick hört man ihre „Ruhrpottschnauze“.

Zurück in Deutschland unterstützt sie voller Leidenschaft den Aufruf „Mehr Gerechtigkeit weltweit, weniger Waffen“. Vor versammelter SPD-Riege spricht die Schauspielerin neben Cornelia Füllkrug-Weitzel, Chefin von „Brot für die Welt“ und Peter Eigen, Gründer der Antikorruptionsorganisation „Transparency International“. Nach der Veranstaltung zeigt sich Peter Eigner von ihrer Rede begeistert. „In der Tiefgarage des Willy-Brandt-Hauses hat er mich gefragt, ob ich einen ‚Master of Public Policy‘ habe? Und wenn ich den machen möchte, dass er gerne mein Mentor wäre!“ Eine Woche lang habe sie überlegt, ob sie sich nur gebauchpinselt fühlen solle oder das relativ teure Privatstudium absolvieren wolle, sagt sie.

Eine Masterarbeit über Albert Schweitzer

Schließlich bewirbt sie sich für den Studiengang über zivilgesellschaftliche, demokratische Prozesse an der „Humboldt-Viadrina School of Governance“. Das Schicksal meint es gut mit ihr, denn sie bekommt 2014 nicht nur den Platz, sondern zeitgleich eine Hauptrolle bei der ARD-Romanze „Ein Fall von Liebe“ angeboten – womit die Kosten für das Privatstudium gedeckt waren. Im März diesen Jahres hat sie ihren Master verteidigt. „Ich bin jetzt Mistress“, sagt sie lachend. Die Arbeit ging über Albert Schweitzers „Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“. „Er sagte: ‚Ich bin Leben, das Leben will, umgeben von Leben, das Leben will.‘

Das verändert die Blickrichtung auf alles“, erklärt sie. Ihre Blickrichtung geht seitdem in Richtung Charity. Zwar findet sie nicht nur Zeit für Ehemann Patrick Winczewski, die beiden Katzen und als Moderatorin für Politiktalks mit Gerhard Schröder, Hannelore Kraft, Landesministern oder Wirtschaftslenkern, doch der größte Teil ihrer Freizeit investiert sie in ihren gemeinnützigen Verein. „‚Act To Be e.V.‘ soll Randgruppen eine Stimme geben mit dem Medium Theater“, erklärt sie. Dabei schaltet sie das Tablet an und zeigt die Homepage, die sie selbst kreiert hat. „Ich mache alles, von der Organisation bis zum Fundraising“, erklärt sie.

Das Pilotprojekt ist nun finanziert und findet in Uganda statt, „weil ich dort am besten mit NGOs vernetzt bin“, erklärt sie. 70 junge HIV-positive Kinder spielen Theater, erarbeiten kurze Stücke und führen die dann in Schulen auf. Dass diese Diskriminierten „auf einer Bühne Applaus bekommen, wird für sie ein wichtiger Moment sein“, erklärt Kristin Meyer begeistert. „Friedensarbeit“ ist ihre wahre Leidenschaft und die Powerfrau hat sogar die Vision eines „global agierendes Theaternetzwerk“. „Wir leben im Tal der Glückseligen“, erklärt sie, doch sie möchte das Leben der anderen besser gestalten. Und zwar nicht durch Filme, sondern durch gute Taten.

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