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Friedrich Liechtenstein gibt den Märchenonkel

Der Unterhaltungskünstler Friedrich Liechtenstein dreht auf der Insel Lindenwerder einen Film für das SlowTV - zum Entschleunigen.

Friedrich Liechtenstein

Friedrich Liechtenstein

Foto: Jarek Raczek / BM

Weißer Bart, gelb getönte Sonnenbrille, grüne Krawatte und gold lackierte Fingernägel – Friedrich Liechtenstein fällt selbst bei den vielen bunt gekleideten Gästen auf der Insel Lindwerder in der Havel sofort auf. Der Unterhaltungskünstler ist beschäftigt. Er eilt von der Bar zum DJ, der jazzige Loungemusik spielt, dann zu den aufgestellten Duschen, unter die sich später ein Komparse stellen muss, und schließlich zu dem Bocciafeld, wo ein Helfer den Sand mit einem Rechen glättet.

Für sein Filmprojekt „BocciaBoccia“ hat der 60-Jährige ein Sommeridyll im Grunewald geschaffen. Um die Insel kreisen Segelboote, die Laubbäume rascheln im Wind. Frauen in glitzernden Kleidern und hohen Schuhen oder mit weiten, bunt bedruckten Hosen, Sonnenbrillen und großen Hüten stehen neben Männern in engen Anzügen in grellen Farben. Alle halten ein bauchiges Cocktailglas in der Hand. „Ich liebe diese Insel, wenn ich hier bin, ist das wie Urlaub am Meer. Hier tanke ich auf“, sagt der Autor und Regisseur des Films, bevor er eine weitere Gruppe an Gästen mit Handschlag begrüßt.

Der Film soll in Zeitlupe abgespielt werden

72 Minuten lang soll der Film werden. Produziert wird er für den Fernsehsender Tele 5. Das Besondere: „Der Film wird in Zeitlupe und ohne Ton abgespielt. Als Musik benutzen wir Ambient-Musik von Richard Dorfmeister, ich selbst werde den Märchenonkel spielen und aus dem Off sprechen“, sagt Liechtenstein.

Das ganze sei Slow TV, eine Alternative für Zuschauer, die sich abends nicht mit schweren Filmen auseinandersetzen wollen. Der Film solle zur Entschleunigung dienen, Spaß machen und sei ein ironischer Kommentar zu Sportereignissen wie Olympia. Er selbst entspanne sich am liebsten bei Filmen mit ausgeschaltetem Ton oder bei langen Spaziergängen, sagt er. Dann beginnt der Dreh.

Trotz Wind und kühlem Wetter sind die Gäste bestens gelaunt

Der Kameramann läuft mit Schulterstativ über das Bocciafeld, während sich die Hauptpersonen in Position bringen. Neben Friedrich Liechtenstein versammeln sich die Schauspieler Brigitte Cuvelier, Jean Chaize, Sarah Ralfs und Cem Yazirlioglu. Dann werden die Tanzeinlagen geübt. Synchron springen die Schauspieler auf einem Bein nach rechts und lassen ihre Arme schwingen. Als Nächstes werden die Kugeln geworfen – auf einem Bein stehend.

„Einfach im Flow bleiben, nicht in die Kamera schauen und gute Laune haben“, ruft Friedrich Liechtenstein durch ein Megafon. Es ist kühl geworden, die Bäume biegen sich, die Menschen wickeln sich in ihre Jacken. „Fantastisch“, ruft der Kameramann und beginnt zu filmen. Die Schauspieler schwingen wie zuvor geübt die Arme, die bunten Bälle fallen in den Sand, Yazirlioglu als strenger Schiedsrichter misst die Abstände. Am Rand des Feldes warten die Komparsen auf ihren Einsatz, tanzen, trinken ihre Cocktails und lachen. Ausgestrahlt werden soll der Film am 2. Oktober auf Tele 5.