Fahri Yardim

„Ich möchte jetzt Familienpapa werden“

Fahri Yardim und Jella Haase synchronisieren „Pets“-Figuren. Ein Gespräch mit den beiden Schauspielerin über Haustiere – und eine eigene Familie.

Pets: Jella Haase und Fahri Yardim

Pets: Jella Haase und Fahri Yardim

Foto: Reto Klar

Die beiden Berliner Jella Haase und Fahri Yardim haben aufregende Zeiten hinter sich. Haase wurde als „Chantal“ in „Fack Ju Göhte“ zum Publikumsliebling, Yardim als Partner bei Til Schweigers „Tatort“. Nun synchronisieren die beiden den Animationsfilm „Pets“. Hier erleben Haustiere, wenn ihre Besitzer aus dem Haus sind, Abenteuer. Ein Gespräch über ihre eigenen kleinen Lieblinge, Freundschaften und Träume.

Haben Sie selbst Haustiere?

Jella Haase: Meine Familie und ich haben einen Jack Russell Terrier namens „Poldi“.

Was macht Poldi tagsüber?

Haase: Der ist ziemlich faul und schläft viel. Als Kind habe ich immer gedacht, dass es genauso läuft wie im Film – und die Tiere ganz schön Rambazamba machen.

Fahri Yardim: Ich hatte einen Goldfisch, der hat sich aber das Leben genommen.

Warum?

Yardim: Das war zu Zeiten, als ich noch nicht wusste, wie man die hält. Er lebte daher in einem runden Glas und wir hatten das Sauerstoffgerät vergessen. Jetzt guckt mich nicht so vorwurfsvoll an! Vielleicht lag es daran, aber vielleicht war er auch schwer depressiv. Auf jeden Fall sprang er aus dem Glas und als ich nach Hause kam, war ich tief traurig. Ich habe ihn dann für lange Zeit in mein Regal gestellt, bis er stank und sein Gold verlor.

Und das war das Ende Ihrer Haustiere.

Yardim: Nein, ich hatte danach sehr viele Katzen. mehrere Generationen, da wir ein Baby immer behalten haben. Es waren kluge, aber auch sehr dumme dabei, die wollten unbedingt gestreichelt werden, und wenn man es tat, haben sie einen gebissen.

Haase: Deshalb mag ich keine Katzen. Die sind mir suspekt.

Das heißt, Sie sind eher der Hundetyp?

Haase: Wir hatten auch Häschen und einen Barsch.

Wie kommt man denn zu einem Barsch?

Haase: Den haben wir aus der Spree geangelt und mit nach Hause genommen. Wir wollten den nicht umbringen, daher ist er zu den Goldfischen ins Aquarium gekommen. Das war der Punk unter den Goldfischen.

Haben Sie mit den Tieren, die Sie sprechen, etwas gemein? Etwa mit dem anarchistischen Revoluzzer-Hasen „Snowball“?

Yardim: Wenn man ehrlich ist, ist das Tier schwer traumatisiert und leidet an krassem Liebesentzug. Er sieht zwar kuschelweich aus, ist aber hart, gebrochen und menschenfeindlich. Das hat er mit mir überhaupt nicht gemein, denn ich mag Menschen. Nur beim Italien-Deutschland-Spiel bin ich wie „Snowball“ wie irre durch die Gegend gehüpft (er lacht).

Sie sind zu Publikumslieblingen geworden. Hat Sie das verändert?

Haase: Ich habe noch mein ganz normales Leben. Oft werde ich gar nicht erkannt. Die Leute vermuten wahrscheinlich nicht, dass ich mit Schlafanzug noch zum Späti renne.

Suchen neuerdings mehr und mehr Leute Ihre Nähe?

Haase: Nein, ich habe immer noch den gleichen Freundeskreis, falsche Freunde haben sich mir nie aufgedrängt.

Yardim: Man muss schon ganz schön naiv sein, falsche Freunde an sich heranzulassen. Es gibt Momente, wo ich mir nicht ganz sicher bin, woran das Interesse des Gegenübers in Wahrheit besteht. Dann gönne ich mir meine alten Freunde. Das hat eine besondere Bedeutung bekommen in dieser ausgestellten und künstlichen Welt. Es ist beruhigend, Leute zu haben, die mit diesem Affenzirkus nichts zu tun haben.

Sind Ihre Freunde auch Ihre Kritiker – im besten Sinne?

Yardim: Es gibt Freunde, die mir eine gute Nackenschelle geben, wenn mir nur im Ansatz einfallen würde, etwas Besseres zu sein. Zum Beispiel Süßkartoffelpommes zurückgehen lassen, weil die etwas labberig sind. Solche Extravaganzen lassen mir die nicht durchgehen.

Sind Sie miteinander befreundet?

Haase: Wir kennen uns gar nicht. Wir haben uns nur zufällig mal bei der Synchronisation getroffen und kurz umarmt.

Das ist also Ihr erster gemeinsamer Tag zusammen? Und, schon Gemeinsamkeiten entdeckt?

Yardim: Eine Parallele gibt es. Wir sind beide in einem komödiantischen Fach bekannt geworden, bemühen uns aber, darüber hinaus tätig zu sein. Wenn ich mir Jellas Film „4 Könige“ anschaue, dann ist das erstmal eine Irritation für alle „Chantal“-Fans. Es ist wichtig, sich immer wieder zu emanzipieren gegenüber der Schublade, in der man steckt.

Ist das ein schweres Unterfangen?

Haase: Mir fällt das zum Glück leicht. Ich bekomme wahnsinnig facettenreiche Rollen angeboten, aber ich konnte immer schon machen, was mich berührt und was ich interessant finde.

Yardim: Bei mir hat das länger gedauert. Jetzt kommen mehr Regisseure auf mich zu, die eine Ernsthaftigkeit in mir erkennen. Zum Glück wurde ich aber nicht so stark ethnisch besetzt, sondern es ging meistens und glücklicherweise um meine Persönlichkeit, was oft dazu führte, dass ich den lässigen Kumpel des Hauptdarstellers spielte.

Wovon träumen Sie?

Haase: Ich würde gerne mal fliegen in einem Film oder auf einem fliegenden Teppich reiten. Aber das Wichtigste ist es, gesund zu bleiben.

Yardim: Eine wunderbare Vorstellung, leider lesen sich in der Zeitung solche einfachen Schönheiten immer bekloppt. Der größte Wunsch, der gerade in mir wächst, klingt nicht minder seicht: Familienpapa werden. Ich hab’ richtig Bock auf eigene Kiddies.