Neuer Anlauf

"Zu viel Emotionalität und zu viel Ego" bei Unrath & Strano

Elna-Margret Prinzessin zu Bentheim und Steinfurt scheiterte mit „Unrath & Strano“. Jetzt hat sie ein Buch geschrieben.

Elna-Margret Prinzessin zu Bentheim im Waldorf Astoria

Elna-Margret Prinzessin zu Bentheim im Waldorf Astoria

Foto: Reto Klar

2007 wurde aus der bürgerlichen Kölnerin Elna Rinn Elna-Margret Prinzessin zu Bentheim und Steinfurt. Bekannt wurde die 35-Jährige als Investorin des Modelabels „Unrath & Strano“. Nach dem Scheitern des Engagements war Raum für Neues. So stellte sie am Dienstag ihr Buch „Anti Aging Food“ vor. Bei der Präsentation im „Roca Café“ vom „Waldorf Astoria“ probierten Isa von Hardenberg, Hans Peter Adamski und Annabelle Mandeng ihre Köstlichkeiten. Ein Gespräch übers Scheitern, das Leben mit Angestellten und Veganismus.

Viele kleine Mädchen möchten gerne Prinzessin sein. War das auch Ihr Traum?

Prinzessin zu Bentheim und Steinfurt: Es war nie meiner. Ich war eher ein „Tomboy“, mit schicken Kleidchen und Schühchen konnte man mich jagen. Kaum zog mich meine Mutter schön an, waren sofort die Troddeln an den Schuhen ab und das Kleid schmutzig.

Was war die größte Umstellung für Sie, in einem Schloss zu wohnen?

,Die Altbau-Wohngemeinschaft‘, sage ich immer, denn wir leben mit meinem Schwiegervater und haben auch noch die Verwaltung im Haus. Die Umstellung waren für mich die Dimensionen. Das Wohnzimmer hat bei uns allein 200 Quadratmeter. Eine andere große Umstellung war es, nie allein zu sein. Manchmal möchte man im Nachthemd auf der Terrasse frühstücken, doch dann winkt einem der Gärtner zu.

In so einem Schloss muss man ganz schön schreien, damit der andere einen hört?

Wir rufen uns an (lacht), sonst geht es nicht. Wenn ich ein Event habe, dann habe ich auf meinem Schrittzähler 25.000 Schritte – und habe das Haus nicht verlassen.

Wie ist es, einen großen Haushalt zu führen, in dem Events ausgerichtet werden?

Wir haben vier Leute, die jeden Tag das Haus putzen, mein Mann und ich würde das alleine nie schaffen. Ich hatte zum Glück Zeit zu lernen, bis meine Schwiegermutter verstarb. Jetzt bin ich die First Lady, doch das Repräsentieren und Organisieren liegt mir.

Das Organisieren war auch Ihre Aufgabe bei „Unrath & Strano“. Sie waren Investorin bei dem Berliner Modelabel. Woran ist die Zusammenarbeit gescheitert?

Die Aufgabe war ein Traum von mir, und Klaus Unrath ist immer noch ein großer Designer für mich. Gescheitert ist es letztlich an menschlichem Unvermögen. Zwischen Klaus und Ivan Strano herrschten nach ihrer Trennung große Spannungen, aber mehr möchte ich dazu nicht sagen. Es gab zu viel Emotionalität und zu viel Ego. Schade, es ging wirtschaftlich gerade bergauf.

Scheitern ist bitter!

Das war die größte Niederlage meines Lebens. Ein relativ großer Teil des Geldes war weg, doch ich habe viel gelernt. Ich bin Optimistin und daher dankbar für die Zeit, denn sonst hätte ich Berlin nicht entdeckt und das Buch würde es auch nicht geben. Ich glaube, wenn wir drei die Zeit zurückdrehen könnten, würden wir es anders machen.

Sie sprechen von Ihrem Buch „Anti Aging Food“. Wieso ist Ernährung für Sie ein großes Thema?

Mit zwölf Jahren war ich ein kleines Pummelchen. Ich interessierte mich langsam für Jungs, aber als Moppelchen war ich immer nur die Überbringerin der „Willst du mit mir gehen“-Briefchen. Meine Mutter wollte, dass ich die Grundzüge einer gesunden Ernährung kennenlerne und hat mir dann ein „Fit For Fun“-Diätbuch geschenkt. Dann kam ein Wachstumsschub und ich wurde vom Moppel zum Schwan.

Später hatten Sie eine Herzmuskelentzündung. Konnte man die mit Ernährung kurieren?

Ich hatte eine verschleppte Erkältung und daraus wurde die Entzündung. Das hatte einen ernsthaften Charakter, und der Arzt sagte einen Satz, der mich sehr zum Denken gebracht hat: Man kann 90 Prozent seiner Gesundheit durch Ernährung selbst beeinflussen.

Wie hat sich das auf Sie ausgewirkt? Beruhigt das oder ist es Stress?

Zuerst dachte ich nur: Kasteiung! Dann habe ich Kochbücher studiert und gedacht: Wie soll ich das als berufstätige Mutter schaffen? Und außerdem hat das meiste nicht geschmeckt. Dann habe ich angefangen, Rezepte so umzuwandeln, dass sie köstlich wurden. Die habe ich auf Facebook gepostet, daraufhin bekam ich eine Food-Kolumne bei den Westfälischen Nachrichten.

Warum sollen wir unsere Essensgewohnheiten überhaupt umstellen?

Wir essen seit 30 Jahren immer mehr Convenience Food, das heißt, wir machen die Tomatensoße nicht mehr selbst, sondern kaufen sie ein. Doch darin sind Farb- und Konservierungsstoffe, die uns nachweislich nicht guttun und weswegen die Zivilisationskrankheiten immer stärker werden. Ich rate immer: Mache es selbst! Mache eine große Menge und friere sie ein.

Açai, Amaranth & Co. Tun wir uns vielleicht sogar zu viel des Guten an?

Bio oder vegan muss nicht immer gesund heißen. Ich habe gerade im Bio-Supermarkt vegane, also fleischlose, Wurst gesehen mit recht bedenklichen Inhalten. Man muss sein Gehirn also schon weiterhin benutzen und auch da auf die Inhaltsstoffe achten.