Spendengala

Auf den Spuren von Nelson Mandela

Die südafrikanische Botschaft richtet im „Mövenpick Hotel“ eine Gala aus, bei der Spenden für Berliner Obdachlose gesammelt werden.

Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission, und Ute Möbus, Deutsche Bahn, vor Fotos aus der Ausstellung „Unsichtbar“

Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission, und Ute Möbus, Deutsche Bahn, vor Fotos aus der Ausstellung „Unsichtbar“

Foto: Sergej Glanze

Am 18. Juli ist Internationaler Nelson-Mandela-Tag. Am Geburtstag des 2013 verstorbenen Friedensnobelpreisträgers und in Erinnerung an die 67 Jahre, die Mandela einer humaneren Gesellschaft in Südafrika gewidmet hat, sollen die Südafrikaner an diesem Tag 67 Minuten einem besonderen Projekt widmen.

Von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr Brote geschmiert

„Der Nelson-Mandela-Tag hat nicht nur für uns Südafrikaner eine große Bedeutung: Wir sehen, wie Menschen weltweit den 18. Juli als einen Tag wahrnehmen, an dem man seine Zeit einem gemeinnützigen Projekt oder einer Initiative widmet“, sagt Horst Brammer, Chargé d’Affaires der südafrikanischen Botschaft. Bisher halfen die Botschaftsmitarbeiter beim Kinderhilfswerk Arche und im Familienzentrum FEZ aus oder pflanzten Bäume im Tiergarten. Im vergangenen Jahr engagierten sie sich bei der Bahnhofsmission Berlin Zoologischer Garten. „Von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr haben wir in Schichten Brote geschmiert, Kaffee und Essen ausgegeben und uns einfach mit den Menschen unterhalten“, so Brammer. „Wir haben gesehen, dass ein Fall in die Obdachlosigkeit sehr schnell gehen kann – auch in einem Sozialstaat wie Deutschland. Dessen waren wir Südafrikaner uns nicht bewusst.“

Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission, war begeistert von dem Engagement. „Unter den 38 Personen waren die Pförtnerin, der Chauffeur und der Botschafter“, sagt er. „Die waren tief betroffen, ein Stückchen Berlin zu sehen, das sie nicht kannten.“ Und sie versprachen, auch weiterhin zu helfen.

Ein Jahr später nun richtete die südafrikanische Botschaft am Donnerstagabend die Nelson Mandela Day Fundraising Gala zugunsten der Bahnhofsmission aus. 140 Gäste kamen ins „Mövenpick Hotel“ an der Schöneberger Straße, darunter Schauspieler Ludger Pistor. Durch den Abend führte Wayne Carpendale. „Ich bin zwar nur halber Südafrikaner, aber ich helfe gerne“, sagte er. Die Ausstellung „Unsichtbar“ von den Berliner-Morgenpost-Redakteuren Uta Keseling und Reto Klar wurde im Foyer gezeigt, nachdem sie mit Unterstützung der Deutschen Bahn in zahlreichen Bahnhöfen bundesweit zu sehen war.

>> Interaktiv: Unsichtbar - Vom Leben auf der Straße

4000 Menschen leben in Berlin auf der Straße

Das Geld der Gala wird dringend gebraucht. „Wir bekommen jährlich 240.000 Euro vom Senat, gebraucht werden aber 410.000 Euro“, so Puhl. Rund 4000 Menschen leben in Berlin auf der Straße. Sätze wie „Die haben doch selbst Schuld“ und „Die sollen einfach mal aufhören zu trinken“, versuche er täglich zu entkräften. Deshalb sind ehrenamtliche Mitarbeiter willkommen.

Aber Spenden braucht es eben auch. Um das zu veranschaulichen, brachte Puhl am Donnerstagabend ein Paar Schuhe in Größe 53 und zwei Handtücher mit. An seinem ersten Arbeitstag vor sieben Jahren habe ein Mann vor ihm gestanden, Handtücher um die Füße gewickelt, nur mit Gummibändern festgehalten, so Puhl. Seine Schuhgröße 53 gab es in keiner Kleiderkammer. Wegschicken wollte Puhl den Mann bei Minusgraden nicht. „Ich habe also mein eigenes Portemonnaie geöffnet und Schuhe gekauft“, erklärt er. „Manchmal muss es eben Geld sein.“