Gourmetspitzen

Einfach ist hier nur der Name

Heinz Horrmann besucht dieses Mal das Restaurant „Tulus Lotrek“ an der Fichtestraße in Kreuzberg

Das Team aus demTulus Lotrek in Kreuzberg: Elli Hackstein, Marcel Mohr-Kreideweiß, Nils B. Gordon, Ilona Scholl, Max Strohe  und David Figueroa (v.l.)

Das Team aus demTulus Lotrek in Kreuzberg: Elli Hackstein, Marcel Mohr-Kreideweiß, Nils B. Gordon, Ilona Scholl, Max Strohe und David Figueroa (v.l.)

Foto: Christian Kielmann

Ein neues Restaurant der einfachen Art habe ich besucht, und der Name „Tulus Lotrek“ an der Fichtestraße ist richtig geschrieben. Es ist eine vereinfachte, eingedeutschte Fassung von Toulouse-Lautrec, der Name des berühmten französischen Malers.

Französische Küche, wie im „Le Cochon Bourgeois“, der Brasserie, die in diesen Räumen einst Gäste pflegte, gibt es nicht. Ich sage leider, weil ich die Französische Küche so liebe. Hier gibt es ein internationales Speiseangebot, das als Menü und zusätzliche À-la-carte-Gerichte offeriert wird. Das Wohlfühlen kam durch den liebenswerten Service, der alles möglich machte, aber nicht durch das Ambiente, das mir zu kalt und schmucklos war. Während die Tische auf der sehr hübsch grün abgetrennten Straßenterrasse weiß eingedeckt waren, lag das Besteck im Restaurant unhygienisch auf dem nackten Holztisch, nicht einmal mit einem Set versehen. Geschmackssache. Es gab Gäste, denen machte das nichts aus. Doch für mich ist das Produkt nicht nur das, was auf dem Teller serviert wird, sondern ebenfalls der höchst angenehme Rahmen, geschaffen durch Ambiente und Servicequalität.

Eine gebrannte Erbsencreme – eine kulinarische Premiere

Was die Küche liefert, ist weitgehend perfekt. Den Tafelspitz hatte ich als Vorspeise in dieser Form noch nicht gegessen. Das rosig belassene Fleisch war mit feiner Säure, Meerrettich und Röstzwiebeln als Salat verarbeitet. Ich war davon sehr angetan. Auch eine gebrannte Erbsencreme war für mich eine kulinarische Premiere. Interessant dabei: die Fruchtelemente von Himbeeren. Schnell war zu erkennen, dass der vereinfachte Name kein Signal für Küchenrichtung und Gesamtkonzept ist. Nur das Ambiente ist minimalistisch. Die Küche produziert hingegen ganz hervorragend ungewöhnliche Gerichte. Wer den kompletten Querschnitt der Köstlichkeiten haben möchte, muss das gastfreundlich kalkulierte Menü ordern. Sieben Gänge stehen mit 86 Euro auf der Rechnung. Wer mit fünf zufrieden ist und auf Rippe sowie Käse verzichten kann, zahlt 67 Euro.

Dafür gibt es dann zum Beispiel Hamachi (Gelbschwanz-Thunfisch), gewürzt mit Soja und Eisenkraut und mit Brombeeren kombiniert. Der Saibling, mit Wasabi geschärft, wird mit Roter Bete serviert. Dann folgen perfekt gebratene Jakobsmuscheln, geschmorte Spannrippe sowie Hirschkalb. Teurer sind die Hauptgänge, die à la carte serviert werden. Der Seeteufel mit 28 Euro oder das Rinderfilet mit Blauschimmel-Pfeffersauce für 34 Euro. An anderen Tagen wird ein Qualitätshähnchen aus artgerechter deutscher Haltung in zwei Gängen serviert. Wer auf Fisch und Fleisch verzichten will, kann gebratene Pfifferlinge (perfekt gesäubert, ohne Sand zwischen den Zähnen) mit Eiernudeln und Emmentaler ordern. Die Desserts sind kaum erwähnenswert, ein Schokoladenfondant mit Vanilleeis und Steirischem Kernöl, dann Stachelbeerbaiser und eine Käseauswahl mit Quitten und Sauerteigbrot.

Kompetent und niemals aufdringlich

Vieles ist wirklich originell. Das beginnt mit dem leckeren Krustenbrot, wozu Rohmilchbutter mit einem aufgesetzten Eigelb gereicht wird. Dazu gehört auch die Spannrippe vom Rind, behutsam bei Niedrigtemperatur geschmort, mit dem Ergebnis, dass es butterzart und besonders aromatisch ist. Gewiss gibt es auch Standards, wie beispielsweise der Bluecheese Burger mit köstlich reifer Avocado und Chili oder Rippchen mit fermentiertem Spargel. Die Weinkarte ist klein gehalten, es gibt die Weine auf Wunsch zur Menübegleitung. Für den Weinliebhaber, der seine eigene Richtung verfolgt, gibt es eine kleine Auswahl aus verschiedenen Anbaugebieten. Ich fand eine Assemblage aus Cabernet Sauvignon und Merlot aus Graves, präzise Pessac-Léognan. Die Weinpflege ist absolut akzeptabel, die Weißweine kommen gut gekühlt, die Roten perfekt temperiert zum Gast.

Die Weinpflege ist nur ein Teil des erstklassigen Services. Ich fand bewundernswert, dass die Dame stets da war, wenn man sie brauchte, kompetent Auskunft gab, aber nie aufdringlich wirkte. Dieses Restaurant kann ich auf- grund der Küche und der Gästepflege empfehlen. Fehl am Platz ist nur der, der einen eleganten Rahmen sucht und Gourmettempel-Atmosphäre bevorzugt.