Schweizer Sängerin

Beatrice Egli hat keine Zeit für die Liebe

Am Sonnabend moderiert sie "Die große Show der Träume" im Ersten. Wir trafen die Sängerin in der Knesebeckstraße in Charlottenburg.

Die Schweizer Sängerin und ARD-Moderatorin Beatrice Egli ist ein Arbeitstier

Die Schweizer Sängerin und ARD-Moderatorin Beatrice Egli ist ein Arbeitstier

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Wie sie da steht vor ihrem Hotelzimmer im „H’Otello“ an der Knesebeckstraße, so freundlich, aber unauffällig, dass man fast an ihr vorbeigelaufen wäre. Andere Stars lassen bitten. Sie aber holt ihre Gäste persönlich ab, bietet Häppchen an und Getränke und verströmt sofort eine Stimmung wie auf einem Familiengeburtstag: Beatrice Egli wird an diesem Sonnabend im Ersten (20.15 Uhr) zum zweiten Mal „Die große Show der Träume“ moderieren. Manchmal lacht die 27-Jährige so, als könnte sie es selbst nicht glauben.

Sie schüttelt dann den Kopf, dass die blonden Haare nur so fliegen, sagt beispielsweise, dass ihr ganzes Leben selbst als Traum bezeichnet werden könnte. Es klingt ein wenig nach Prinzessin, aber so meine sie das nicht. Sie habe diesen Höhenflug einfach nicht erwartet. „Als ich vor drei Jahren DSDS gewonnen hatte, dachte ich, das geht jetzt vielleicht ein Jahr so weiter mit dem Erfolg. Und dann steh ich wieder in der Metzgerei.“

Die Metzgerei gehört ihren Eltern in der Schweiz. Schon als Kind hat sie mitgeholfen, dort oben im Pfäffikon, tut es immer noch, wenn sie daheim ist. Denn sie wohnt ja immer noch in der Nähe der Eltern, wenn sie überhaupt einmal wohnt und nicht im Hotel lebt. Wenn sie weg ist von Zuhause, sehnt sie sich schnell nach den Bergen, dieser Welt abseits der Scheinwerfer. Doch seitdem Paris Hilton in den Nachbarort gezogen ist, habe man auch schon mal Kameras gesehen. Eigentlich interessiere sich kein Dorfbewohner für Paris.

Keine Ähnlichkeiten mit einem Schwezier Alpenmädel

Das Dorf ist weit weg für Egli, die jetzt in engen Hosen in ihrer Hotelsuite sitzt, an den Füßen schwarze Wildlederstiefeletten mit sehr hohen, sehr dünnen Absätzen. Sie hat an diesem Abend rein optisch keine Ähnlichkeit mit einem Schweizer Alpenmädel. Dennoch ist die Schweiz mehr als nur verklärtes Heimatidyll für sie. Und die Metzgerei mehr als nur das Geschäft der Eltern. Es ist eine Art Lebensversicherung, „wenn mal alles schiefgehen sollte“. Wenn Beatrice Egli das sagt, verliert sie das natürliche Strahlen, das sie so ausdauernd auf ihr Gesicht zaubern kann.

Doch dass etwas schiefgeht, danach sieht es nicht aus. Die Unterhaltungschefin des Bayerischen Rundfunks lobte die Sängerin und Entertainerin jüngst in höchsten Tönen: Sie verfüge über das Gesamtpaket – toller Gesang, Moderationstalent und gutes Aussehen. Worte, die sich gut anhören, aber möglicherweise nicht von Dauer sind. Eine Frau wie Beatrice Egli, die von klein auf das arbeitsame Leben in den Alpen kennengelernt hat, lässt sich nichts vormachen. Sie freut sich, dass sie noch eine weitere Absicherung hat: Nicht nur die Metzgerei – sondern sie ist auch noch gelernte Friseurin. „Haare wachsen immer – und essen müssen die Leute auch“, erklärt Beatrice Egli.

Egli kann bei solchen Sätzen mitreißend lachen, und sie legt immer noch einen drauf: Dass Singen ja kein Beruf sei (so jedenfalls sahen es ihre Eltern), und dass sie alles esse, und vor allem alles aufesse! Dass sie Fleisch esse – „und Kartoffeln und natürlich auch Dessert“. Für Showstars sicher bemerkenswert. „Man nimmt mich so, wie ich bin“, sagt sie. Anders könnte sie gar nicht.

Manchmal nur fünf Stunden Schlaf – in der Woche

Hinter der strahlenden Fassade jedoch steckt ein Arbeitstier: Drei Jahre kaum Urlaub gemacht, so gut wie kein Wochenende frei. Allein die Vorbereitung auf ihre Show hätte ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Manchmal nur fünf Stunden Schlaf – in der Woche. Ja, es gebe auch Momente, zum Beispiel im Flugzeug, wo sie mal nichts zu tun hat und Zeit hat, sich zu fragen, wie sie das alles schaffen soll.

Sie liebt das, was sie tut. Aber sie merke manchmal schon, dass es zu viel ist. Ihr Problem sei, dass sie nicht Nein sagen kann. Aber Probleme? So ein Wort wischt sie weg. Hört lieber Musik, gern Schlager und Pop, um wieder auf gute Gedanken zu kommen.

Mit Schlager und Pop ist sie aufgewachsen. „Blümchen, Britney Spears, Back Street Boys oder David Hasselhoff.“ Peinlich ist ihr gar nichts. Auch nicht, dass sie sich zur Entspannung im Fernsehen Rosamunde Pilcher anschaut. Sie liebt Liebesfilme, ist aber Single. Keine Zeit für die Liebe, obwohl sie immer wieder sagt, was sie doch für ein Familienmensch sei. Drei Brüder, über 80 Cousins und Cousinen. Und damit voll kompatibel für eine Familiensendung wie „Die große Show der Träume“. Etwas für Groß und Klein soll es sein. „Für meinen Opa, der 88 ist, und meinen Neffen, der erst 16 Monate alt ist.“

Sie gilt als Naturtalent. Hat keinen Coach. „Die Sender wollen nichts Erlerntes“, sagt sie. „Die haben mich voll auf die Wiese gelassen. Wie ein Pferd.“

Kein Fernsehsender dieser Welt könnte aus ihr jemand anders machen, etwa einen Hungerhaken, der sich für die Schönheit verbiegt. Dass sie damit nicht unbedingt in das Schema der Glitzerwelt passt, macht ihr gar nichts. Die Frau, in deren Schrank High Heels neben Wanderschuhen stehen, hat ein Selbstbewusstsein, das man nicht lernen kann und das manche Frauen neidisch werden lässt: „Ich fühle mich wohl in meinem Körper und mag meine Kurven – es muss alles genau so sein, wie es ist.“