Jazz

Warum die Schwester von David Garrett Jazz spielt

Elena Bongartz ist die kleine Schwester von David Garrett. Nun bringt die Sängerin ihr Debütalbum heraus.

Elena Bongartz im Interview

Elena Bongartz im Interview

Foto: Joerg Krauthoefer

Elena Bongartz hat einen berühmten Bruder: David Garrett. Die kleine Schwester tritt nicht ganz in die Fußstapfen des bekannten Geigers, die Klavierspielerin hat Jazz studiert, aber auch einen Bachelor in Kulturwissenschaften und einen Master in Kulturmanagement gemacht. Nun erscheint am 13. Mai ihr Debütalbum „Elena“, am 22. Mai spielt die 28-Jährige im „Auster Club“ in Kreuzberg. Im Gespräch räumt sie mit Gerüchten über ihren Bruder auf, macht sich für Disziplin stark und für die Freiheit von Jazz.

Berliner Morgenpost: Ihr Bruder David Garrett soll einmal in einem Interview gesagt haben, er weiß nicht, ob er mit Ihnen zusammenarbeiten will.

Elena Bongartz: Ich weiß nicht, woher dieses Zitat kommt. Wir haben mal zusammen ein Interview gegeben, in dem er klargestellt hat, dass er diese Sache niemals gesagt hat und niemals sagen würde. Ich habe ihn noch nicht mal gefragt, ob er mit mir arbeiten würde. Es stimmt also von vorne bis hinten nicht.

Verstehen Sie sich gut mit David?

Wir haben kein so enges Verhältnis wie Geschwister, die nur zwei Jahre auseinander sind. Mit David bin ich acht Jahre auseinander, mit meinem ältesten Bruder Alexander zehn. Als ich aufs Gymnasium kam, waren die beiden aus dem Haus, da war ich praktisch Einzelkind. Wir mögen uns, aber wir sehen uns natürlich nicht so oft. Dennoch nähern wir uns irgendwie ein bisschen an mit der Zeit. Wir versuchen, die Gelegenheiten zum Treffen zu nutzen, so gut wir können, und auch mal einen Kaffee zu trinken.

David Garrett musste als Kind viel Geige üben. Ist es Ihnen ähnlich ergangen? Wurden Sie mit dem Üben von Klavierstücken gedrillt?

Die Frage ist: Was ist Drill? Als Eltern wäre man ganz schön blöd, wenn man seine Kinder nicht fördert. Und wir waren alle irgendwie musikalisch. Mein Bruder Alexander spielt auch hervorragend Klavier. Ich hatte auch große Lust, am Klavier zu klimpern. Das wäre ganz schön doof gewesen, wenn meine Eltern gesagt hätten, sie bezahlen mir keinen Unterricht. Ich finde diese ganze Diskussion um Drill immer sehr schade. Ich habe ihn nie empfunden.

Sie haben Ihren Eltern viel zu verdanken?

Meine Eltern waren motivierend und ehrgeizig – und das finde ich auch völlig okay, weil sie beide aus dem Kunst- und Kreativbereich kamen. Und sie wussten, wie viel Arbeit man da hineinstecken muss. Wenn man nicht übt, wird man auch nicht gut, und ich bin echt froh, dass ich als Kind und als Jugendliche so viel Klavier geübt habe. Wenn meine Eltern bei meinem ersten Plärren gesagt hätten: ‚Okay, musst Du nicht machen, dann lassen wir das mit dem Klavierspielen‘, dann würde ich jetzt nicht hier sitzen. Jetzt klinge ich ein bisschen wie mein Bruder, ich weiß. Der sagt so was auch manchmal. (lacht)

Welche Instrumente beherrschen Sie?

Ich spiele außer Klavier auch Schlagzeug, aber nicht auf dem Album. Ich habe mir auch eine Ukulele gekauft, die beim Lied „Ryan Gosling“ vorkommt. Ich beziehe mich in dieser Textpassage auf eine Filmszene.

Kennen Sie Gosling persönlich?

Nein, leider nicht. Aber es wäre irgendwie ganz lustig, wenn Ryan Gosling wüsste, dass es einen solchen Song über ihn gibt. (lacht)

Was hat Ihre Familie zu Ihrem Jazzstudium gesagt?

Die waren erst mal ein bisschen skeptisch. Wir hatten ja schon einen Musiker in der Familie. Ich hatte einfach ein verdammt gutes Abi. Und ich glaube, die fanden es schon ein bisschen schade, dass ich damit nicht Medizin oder Psychologie oder Sachen mit Numerus Clausus studiert habe. Am Ende haben sie es aber schon verstanden. So wie Eltern nun mal manchmal sind. Das ist sicher eine normale Reaktion gewesen.

Ihr Debütalbum ist das komplette Gegenteil zu der klassischen Musik in Ihrem Elternhaus. Ist das vielleicht eine kleine Provokation?

Nicht bewusst (lacht). Unterbewusst aber bestimmt. Das ist schon ein Abgrenzen, denke ich. Das Abgrenzen fing damit schon an, dass ich mich bei meinem Leben mit dem Jazz auch mal nachts in schäbigen Clubs rumgetrieben habe. Bei der klassischen Musik orientiert man sich streng an einer Partitur, beziehungsweise einer Notenvorlage. In der Zeit, in der ich mit dem Jazzstudium angefangen habe, habe ich klassisch Klavier gespielt und konnte nicht frei spielen. Darüber habe ich mich ziemlich geärgert. Wenn jemand zu mir gesagt hat: ‚Hey komm, wir spielen mal einen Blues‘, konnte ich nicht mal eben improvisieren.

Lassen Sie als Künstlerin den Nachnamen Bongartz weg, weil Sie vielleicht nicht sofort mit Ihrem Bruder David in Verbindung gebracht werden wollen?

Dass ich nur unter meinem Vornamen auftrete, liegt daran, dass ich eine gewisse Nähe zum Zuhörer schaffen will. Ich singe von Dingen, die sehr persönlich sind. Ich finde, auch wenn man miteinander redet und sich mit dem Vornamen anspricht, erzeugen das „Du“ und der Vorname eine andere Nähe, als das „Sie“. Deswegen heißt das Album auch „Elena“.

Also keine Angst vor zu viel Nähe zum berühmten David Garrett?

Der Nachname ist natürlich ein anderer als der Künstlername meines Bruders. Die Entscheidung war aber tatsächlich bewusst. Denn natürlich will ich sagen, dass das, was ich mache, total anders ist als das, was mein Bruder macht. Ich betone auch gerne, dass mein Projekt ganz unabhängig ist. Häufig kommt die Frage, ob mein Bruder mir Tipps gibt. Da sage ich dann: ‚Nö.‘ Er hat das Album erst gehört, als es fertig war. Das habe ich auch bewusst gemacht, weil ich ihn damit überraschen wollte.