Musiker

Graham Candy startet in Berlin richtig durch

Der Sänger Graham Candy zog vor drei Jahren aus Neuseeland nach Berlin. 2014 bereits erreichte er mit seiner Debutsingle Goldstatus.

Der Sänger Graham Candy zog vor drei Jahren aus Neuseeland nach Berlin. 2014 bereits erreichte er mit seiner Debutsingle Goldstatus

Der Sänger Graham Candy zog vor drei Jahren aus Neuseeland nach Berlin. 2014 bereits erreichte er mit seiner Debutsingle Goldstatus

Foto: Massimo Rodari

Eine Gitarre steht in der Ecke, verziert mit eingravierten Blumen, Schmetterlingen und einem fliegenden Vogel. Daneben sitzt ein junger Mann. Ungewöhnlich für sein Alter, trägt er einen Schnauzer.

Viele kennen seine Stimme, denken, sie gehöre zu einer Frau – doch wenige kennen sein Gesicht. Mit der Single „She Moves“ hat Graham Candy 2014 gemeinsam mit dem Produzenten und DJ Alle Farben die Top 10 der deutschen Charts und Goldstatus erreicht. Vor wenigen Tagen hat er sein erstes eigenes Album „Plan A“ veröffentlicht. Der Titel ist schnell erklärt. „Ich habe nie wirklich über einen Plan B nachgedacht“, sagt Graham Candy. „Ich wollte immer Künstler werden – das war und ist mein Plan A“.

Vor drei Jahren ist Graham Candy von Neuseeland nach Deutschland gezogen. Sein heutiger Manager hatte ihn dort in einer Bar spielen sehen und gefragt, ob er nicht nach Berlin kommen wolle. Er würde ihm Flug und Wohnung sowie einen Produzenten organisieren. „Ich dachte, dieser Mann scheint wohl ziemlich betrunken zu sein. Aber nein, dem war nicht so“, erinnert sich Graham Candy. „Wir sind dann gemeinsam in einen Club gegangen, haben uns angefreundet und ein paar Wochen später war ich in Berlin.“ Er spricht nur Englisch, redet schnell. Seine deutschen Lieblingsworte sind „supergeil“, „genau“ und „stimmt“.

Im Jahr seines Umzuges nach Friedrichshain gab der Neuseeländer auch sein Filmdebüt. Neben der oscarnominierten Schauspielerin Keisha Castle-Hughes und ihrem US-Kollegen Shiloh Fernandez spielte er in dem Drama „Queen of Carthage“ eine Hauptrolle. „Wenn Sie mich mit 17 gefragt hätten, ob ich daran glaube, einmal von der Musik leben zu können, hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass ich eher mit Schauspielerei und Tanzen mein Geld verdienen werde“, sagt Graham Candy. „Ich habe nie wirklich an mich als Musiker geglaubt. Es waren eher andere Menschen, wie mein Manager, die die Idee in meinen Kopf gepflanzt haben und wachsen ließen.“

2016 scheint nun das musikalische Jahr von Graham Candy zu werden. An Silvester spielte er gemeinsam mit seiner Band auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor, er begleitet die Band Silbermond auf ihrer aktuellen „Leichtes Gepäck“-Tour als Vorgruppe, veröffentlicht sein erstes Album und spielt im Herbst seine eigene Tour und auf zahlreichen Festivals. Doch damit gibt sich der 25-Jährige nicht zufrieden. „Dieses Jahr ist hoffentlich nur ein erster Schritt. Da soll noch sehr viel mehr passieren“, sagt er. „Wenn ich sagen würde, dass dieses Jahr mein größtes und erfolgreichstes ist, würde ich zukünftige Ideen einschränken und limitieren.“

Da Graham Candy, bis er nach Berlin kam, hauptsächlich Songs coverte, reiste er für sein Album quer durch Europa, um gemeinsam mit erfahrenen Songwritern zu schreiben. Unter ihnen Sacha Skarbek, Andy Chatterley und Tobias Kuhn, die schon Titel mit Adele und Miley Cyrus geschrieben haben. „Als ich begonnen habe, eigene Musik zu machen, habe ich realisiert, wie grandios es ist, von seinen eigenen Emotionen zu singen und über sie zu schreiben. Das ist es, worum es geht“, sagt Graham Candy und schaut zu seiner Gitarre.

„Es war nicht einfach, mein persönliches Paradies Neuseeland, zu verlassen“, sagt er. „Ich habe diesen Schritt gewagt, um für meinen Traum zu leben.“ Den Song „Home“ hat er gemeinsam mit einem 30-köpfigen Chor seiner ehemaligen Schule aufgenommen. Das Kapitel Neuseeland ist für Graham Candy offenbar noch nicht abgeschlossen. „Später, wenn ich alt bin, gehe ich zurück nach Hause“.

Doch bis dahin hat er noch einige Pläne: Seine Musik soll europaweit, am liebsten sogar weltweit bekannt werden, er möchte eine Familie gründen und vor allem seinen Vater stolz machen. Der sei von seiner Berufswahl seines Sohnes wenig begeistert gewesen, sagt er. „Aber das wichtigste für mich ist Zufriedenheit. Alles andere kann sich ändern.“

Der junge Mann mit dem Schnauzer zieht sich seine blaue Cap auf, greift zu seiner Gitarre und spielt ein paar Akkorde. Sein Blick schweift zum Fenster. Graham Candy scheint in diesem Moment weit weg zu sein mit seinen Gedanken.