Fotoschau in Berlin

Warum Iggy Pop in Mitte eine Ausstellungseröffnung schwänzte

Vor seinem Berlin-Konzert am Sonnabend wollte der US-Künstler noch schnell eine Ausstellung eröffnen – doch er kam nicht.

Iggy Pop und Josh Homme

Iggy Pop und Josh Homme

Foto: Andreas Neumann / BM

Um 20.30 Uhr war klar: Iggy Pop hatte am Freitagabend dann doch keine Lust auf die Ausstellung „American Valhalla: Iggy Pop – The Art of Pop Depression“ in der Galerie Eigenheim an der Linienstraße in Mitte. Angekündigt gewesen war er für 19.30 Uhr, doch dass er tatsächlich pünktlich auftauchen würde, damit hatte wohl eh niemand gerechnet. Also warteten die rund 150 Fans, die 36 Euro dafür bezahlt hatten, den US-Superstar nicht nur auf den Fotos von Andreas Neumann, sondern leibhaftig und am Vortag seines Konzerts am Sonnabend im Tempodrom zu treffen, in geduldiger Vorfreude. Unter ihnen auch Ben Becker, der erzählte, dass Iggy Pop für ihn einer der ganz Großen sei.

Er könne sich gar nicht mehr erinnern, auf wie vielen Konzerten er schon gewesen sei. An eines davon jedoch dafür um so genauer. Im Jahr 2000, am Tag als seine Tochter geboren sei, habe Iggy Pop in Berlin gespielt. „Meine Frau hat zu mir gesagt: ‘Los, geh schon hin.’ Und ich bin wirklich gegangen.“

Das Warten war vergebens

Doch dieses Mal war das Warten vergeblich. Da war es wenig tröstlich, dass der Fotograf persönlich sowie Josh Homme, Dean Fertita und Matt Helders ihr Versprechen eingehalten hatten und besonders ausdauernd Autogramme schrieben und für Selfies posierten. Mit Homme und Fertita von den Queens of the Stone Age und Helders von den Arctic Monkeys hat Iggy Pop im März das Album „Post Pop Depression“ veröffentlicht, mit dem sie aktuell durch die USA und Europa touren. Die Werke von Andreas Neumann dokumentieren das Making-of des Albums mit Backstage-Fotos und Stimmungsbildern der kalifornischen Joshua Tree Wüste sowie Live-Bildern von Iggy Pop auf der Bühne in Los Angeles.

Berlin statt London

„Er ist 69 Jahre alt und morgen ist das Konzert“, entschuldigte Homme den eigentlichen Protagonisten des Abends, bevor er nach einer knappen Stunde selbst wieder ins Taxi stieg. Dabei hatte sich Iggy Pop sogar noch persönlich dafür ausgesprochen, dass die Ausstellung, die die Tour begleitet und an jedem Ort nur für einen Tag bleibt, in Berlin statt in London Station macht. Beides war aus logistischen Gründen nicht möglich gewesen. Er habe so eine besondere Beziehung zu Berlin, so der Sänger. Schließlich hatte er in den 70er-Jahren zusammen mit David Bowie sogar eine Zeit lang hier gewohnt. Doch die wilden Partyzeiten sind wohl offenbar auch bei einem Rocker wie Iggy Pop einmal vorbei.

Die Fotos entstanden 2015

Andreas Neumann ließ sich seine Begeisterung trotzdem nicht nehmen. Die 24 Bilder entstanden von April bis Dezember 2015 während der Arbeiten an der Platte, teilweise im Joshua-Tree-Nationalpark. „Es war eine ganz besondere Atmosphäre in der Wüste“, erinnerte sich der deutsche Fotograf an das Shooting. „Die meisten Leute kennen Iggy nur als extrovertierten Künstler auf der Bühne, aber tatsächlich ist er ein echter Poet. Er gibt einem als Fotograf ein sehr gutes Gefühl.“

Von den Songs des Albums inspiriert

Dabei sei es eigentlich nicht der Plan gewesen, eine Ausstellung zu produzieren. Vielmehr handele es sich jeweils um einzelne Momentaufnahmen im Zusammenhang mit der Studioarbeit. Neumann hat sich für seine Arbeit, aus denen auch die Bilder im Booklet und das Coverbild von „Post Pop Depression“ hervorgegangen sind, von den Songs des Albums inspirieren lassen. Laut Iggy Pop entstand dadurch ein „purer, künstlerischer Ausdruck“ und eine besondere Verbindung zwischen den Musikern und dem Fotografen. „Die ganze Band war sehr selbstbewusst und die Zusammenarbeit war sehr produktiv“, so Neumann. „Die Songs des Albums haben mich dazu inspiriert, mit Kontrasten zu spielen. Das war für mich sehr wichtig, denn ich war auf der Suche nach einer ganz besonderen Intensität, einer Stärke, die ich gefunden und auf den Bildern festgehalten habe.“ Zusätzlich zu den Bildern wurden auf 8-mm-Filmmaterial weitere „Behind-The-Scenes“ Augenblicke gezeigt.

Auch noch eine Film-Premiere

Eine weitere Möglichkeit, Iggy Pop vor dem Konzert am Sonnabend zumindest auf der Leinwand zu erleben, gab es später am Abend im „White Trash“ Am Flutgraben. Dort feierte bei einem Drei-Gänge-Menü der Film „Gutterdämmerung – The Loudest Silent Movie On Earth“ des belgisch-schwedischen Visual Künstlers Björn Tagemose seine Premiere. Iggy Pop spielt darin den Punk-Engel Vicious, Nina Hagen hat einen plötzlichen und unerwarteten Auftritt als Hohepriesterin des Punks. Live begleitet wurde das von Kevin Armstrong, Mat Hector und Ben Ellis, die Ende Mai beim Festival Rockavaria in München mit Iggy Pop auf der Bühne stehen werden.