Tatort aus Weimar

Tschirner und Ulmen: Streit, kein Sex - aber es läuft super

Nora Tschirner und Christian Ulmen sind beruflich und privat ein super Team – und nicht erst seit sie zusammen im Tatort ermitteln.

Christian Ulmen und Nora Tschirner im Einstein

Christian Ulmen und Nora Tschirner im Einstein

Foto: Reto Klar

Nach zwei Feiertagsausgaben sind Nora Tschirner und Christian Ulmen mit ihrem dritten „Tatort: Der treue Roy“ am regulären Sonntag angekommen (24. April, 20.15 Uhr, ARD). Die Weimarer Kommissare Dorn und Lessing, die nicht nur ein Team, sondern auch ein Paar sind, haben es dieses Mal mit einer Leiche in der Hochofenschlacke eines Stahlwerks zu tun. Ein Gespräch mit den beiden Berliner Hauptdarstellern über die Höhen und Tiefen ihrer jahrelangen Freundschaft, das Geheimnis ihrer guten Zusammenarbeit seit MTV-Tagen und die Erkenntnis, dass sie als Paar im achten Jahr ebenfalls gut funktionieren würden.

Berliner Morgenpost: Herr Ulmen, Frau Tschirner hat Sie eben Chrissel genannt. Welchen Spitznamen haben Sie für Ihre Kollegin?

Christian Ulmen: Maiglöckchen, aber nur wenn sie gut gelaunt ist. Puma, weil ihr Duft gelegentlich von dezenter Strenge ist. Oder katholisch Mufflon. Die meisten Spitznamen für Nora stammen ehrlicherweise von meiner Mutter, weil sie sich keine Namen merken kann.
Nora Tschirner
: Das gleiche Defizit hat übrigens mein Vater auch. Einmal sagte Christians Mutter zu ihm: Du drehst doch jetzt wieder mit dieser Norma Tschermau. Ich habe also meinen Vater angerufen und ihn gefragt: Papa, wie heißt der Mann, mit dem ich immer arbeite? Und er sagte: Ach, das ist doch dieser Olm.

Können Sie sich noch erinnern, was Sie übereinander gedacht haben, als Sie sich zum ersten Mal getroffen haben?

Tschirner: Ich kannte Christian zuerst aus dem Fernsehen. Ich war damals neu bei MTV und du gehörtest noch zu den coolen Leuten vom Anfang, als noch alle Englisch gesprochen haben.
Ulmen: Mir haben alle schon von Nora erzählt, wir hatten auch das gleiche Management. Da wurde gesagt: Da kommt eine, die ist so toll. Eine ganz quirlige, freche Berliner Kodderschnauze. Und dann entsprach sie tatsächlich dieser Beschreibung.
Tschirner: Es hat lange gedauert, bis ich meine Angst vor Christian abgelegt hatte. Ich hatte wirklich Schiss vor ihm. Er war so klug und sarkastisch. Als wir unsere erste gemeinsame Sendung gemacht haben, war ich lange nicht sicher, ob er das nur macht, um mich zu verarschen. Mir wurde erst viel später klar, dass er mich wirklich auch gut fand.

Warum können Sie so gut zusammen- arbeiten?

Ulmen: Weil sie bis heute nicht checkt, dass ich sie permanent verarsche. (lacht)
Tschirner: Das hat etwas mit unserer Humorstruktur zu tun. Wir finden ziemlich viele Dinge lustig, die sonst überhaupt niemand lustig findet.
Ulmen: Wir kannten uns schnell gut und hatten die gleichen Feinde innerhalb des Senders. Also Strukturen, gegen die wir rebelliert haben. Das verbindet.
Tschirner: Genau, der Hass verbindet. (lacht)

Gibt es auch mal Streit?

Ulmen: Ja, wir können uns erstaunlich gut aneinander reiben. In andauernder Eintracht würden wir nicht funktionieren. Reibung erzeugt Wärme. Bei mir ist das oft so. Ich komme am allerbesten mit denjenigen Menschen klar, die ich im Grunde nicht mag. In absoluter Harmonie verliere ich schnell das Interesse.
Tschirner: Lieben Dank, mein Schnuffel. Der „Tatort“, den wir gerade abgedreht haben, war die erste Zusammenarbeit seit 15 Jahren, bei der es mal keinen Streit gab. Sonst gibt es zwischendurch immer einmal drei Tage Funkstille. So richtig Eiseskälte, wo man völlig schockiert vom anderen denkt, das war es jetzt für immer.

Streiten Sie dann inhaltlich oder über Persönliches?

Tschirner: Meistens sind wir dann richtig persönlich voneinander abgeschreckt. Man denkt sich: Das kannst du doch so echt nicht bringen! Wir sehen uns ja immer sehr geballt, da spielt dann auch Lagerkoller eine große Rolle. Wenn wir nicht zusammen arbeiten, schreiben wir uns meistens nur, das dafür sehr ausgiebig. Außer, wenn ich bei euch im Garten sitze und den Kühlschrank leer esse. Und dadurch ist das eine Freundschaft, an der ich sehr genau ablesen kann, wie ich mich über die Jahre weiterentwickelt habe. Du bist aber der einzige Freund, mit dem es so knallt. Mit den Jahren haben wir Strategien entwickelt, das nicht mehr eskalieren zu lassen. Ich weiß nicht, an wem von uns beiden das liegt, das werde ich vielleicht erst wissen, wenn ich 89 bin und zurückblicke. Aber gerade kommt es mir so vor, als wäre ich einfach sehr gereift.

Sind Sie im Doppelpack anstrengend für andere Menschen?

Ulmen: Ich glaube, dass wir für Menschen, die sich mit uns den Raum teilen, die Pest sind.
Tschirner: Wir sind übrigens tödlich beleidigt, dass der Dresdener „Tatort“ als erstes reines Frauenteam bezeichnet wird. Denn eigentlich fühlen wir uns als das erste Frauenteam, schon allein von unserem Gesprächsverhalten am Set ausgehend. Wir sind die ganze Zeit nur am Rumgluckern. Ich glaube, das ist mit uns wie mit schwer erziehbaren Kindern. Aber wir kriegen das oft gar nicht mit. Dann guckt man irgendwann zwischendurch die anderen Leute an und denkt: Gott, sehen die alle müde aus.

Was macht Ihre Freundschaft aus?

Tschirner: Christian ist ein sehr guter Berater zu allen Lebensthemen. Wenn ich ein persönliches Rätsel zu lösen versuche, sehne ich mich danach, mit jemandem zu sprechen, der mild und trotzdem schonungslos mit mir ins Gericht geht. Christian scheut sich nicht, mir die Wahrheit zu sagen.
Ulmen: Obwohl es dafür zunächst immer einen drauf gibt, wenn man Nora die Wahrheit sagt. Da passiert dann erst langsam etwas im Hinterkopf. Bei mir ist das genauso. Wenn Nora mir einen schauspielerischen Rat gibt, rege ich mich zunächst sehr über diese Anmaßung auf, und befolge ihn dann doch. Jedes Mal.

Männer und Frauen können also doch Freunde sein?

Ulmen: Für mich ist Nora in dem Sinne keine Frau. (lacht) Das hat Helmut Dietl einmal über Angela Merkel gesagt und meinte damit, dass sie eben die Kanzlerin ist. Das ist für mich bei Nora ganz ähnlich.
Tschirner: Und Christian ist halt Chrissel. Das heißt nicht, dass ich nicht das Recht habe, rasend eifersüchtig zu sein, wenn du mit anderen Bitches drehst.

Ihre beiden Kommissare sind ein Paar. Das würde bei Ihnen nicht funktionieren?

Tschirner: Als Team funktionieren wir total gut.
Ulmen: Ich glaube, wir wären ein fantastisches Paar im achten Jahr. Streit, kein Sex – aber sonst läuft’s echt super.