Englisches Comedy-Duo

Warum Carrington-Brown den Geburtstag der Queen feiern

Rebecca Carrington und Colin Brown ist der Ehrentag der Queen wichtig. Obwohl sie keine glühenden Royalisten sind.

Rebecca Carrington und Colin Brown haben sich auf den Geburtstag der Queen vorbereitet – der Union Jack darf nicht fehlen

Rebecca Carrington und Colin Brown haben sich auf den Geburtstag der Queen vorbereitet – der Union Jack darf nicht fehlen

Foto: Amin Akhtar

Ein bisschen Queen muss sein. Rebecca Carrington und Colin Brown haben sich auf den 90. Geburtstag von Königin Elisabeth II. am Donnerstag vorbereitet – mit Fähnchen und einem gerahmten Bild des britischen Staatsoberhauptes. Das hängt heute ausnahmsweise über dem Ehebett der beiden Engländer. „Auch der Union Jack darf nicht fehlen an diesem Tag“, sagt Rebecca Carrington. Die 45-jährige Cellistin steht in ihrer Kreuzberger Wohnung, zwinkert ihrem Mann zu und schwenkt eine kleine britische Nationalflagge, deren Motiv umgangssprachlich „Union Jack“ genannt wird.

Und noch eine Hommage an Ihre Majestät findet sich in der Wohnung: Einige lila Möbel schmücken die Lounge-Ecke in der großen Küche. „Ja, ich habe die gleiche Lieblingsfarbe wie die Queen“, sagt Rebecca Carrington und lacht. „Wohl eher eine zufällige Gemeinsamkeit.

Colin Brown zieht sich einen feinen Anzug an und setzt seine Melone auf, auf Englisch genannt Bowler-Hat. Die passende Kleidung für ihre Majestät, findet der 52-Jährige. Nebenan übt Rebecca Carrington Cello, die Klänge dringen durch den langen Flur der Altbauwohnung bis in die Küche. Denn Übung darf für beide nicht fehlen. In ihren Programmen parodiert das Comedy-Duo zahlreiche Musikgenres, darunter Pop, Jazz, Oper oder Musik aus Bollywood. Mitunter finden sich auch einige Anspielungen auf ihre Heimat Großbritannien. Colins große Leidenschaft: Der Dudelsack, den er als Kind bei den Pfadfindern kennen und lieben lernte und, neben der Percussion, auch in ihrem Programm einsetzt. „Ich liebe den Klang, den Schottenrock – einfach alles an dieser Musik“, sagt er und seine tiefe, geübte Stimme klingt vor Begeisterung ein bisschen höher.

Queen-Geburtstag im „Wintergarten“

Richtig feiern werden sie den Geburtstag der Queen am Donnerstag auf der Bühne des „Wintergartens“ am Donnerstagabend – mit der Show „Dinner for the Queen“. Zahlreiche britische Musiker, Comedians und Artisten treten an diesem Abend auf. „Für uns ist das die beste Art, die Queen zu feiern“, sagt Colin Brown.

„Als ich fünfzehn war, war ich eigentlich antiroyalistisch eingestellt“, erzählt Rebecca Carrington. „Ich fand das britische „Class-System“ unfair, dass es eine Aristokratie, eine „Upper-Class“ gab und eben auch die königliche Familie. Es hat mich aufgeregt, dass man, wenn man nicht in diese Schichten hineingeboren wird, auch nicht die großen Chancen bekommt.“

Aber jetzt habe sich das geändert. „Zu ihrem 60. Thronjubiläum vor vier Jahren habe ich eine Reportage gesehen. Ich wusste immer, Elisabeth II. arbeitet viel. Aber mir war nicht klar, wie viel sie für unser Land tut.“ Sie habe ihr ganzes Leben England gewidmet, obwohl sie nur eine repräsentative Funktion habe. „Jeden Tag sitzt sie mindestens zwei Stunden am Schreibtisch und liest alles, was in der Politik heute wichtig wird. Sie ist eine Galionsfigur, eine Konstante in unserem Land. Obwohl die Familie durch viele Skandale ging. Ich werde nie ein Royalist sein, aber ich habe großen Respekt vor dem, was sie gemacht hat.“

„60 Jahre auf der Toilette“

Für Colin Brown war die Queen immer alt. „Solange ich denken kann“, sagt er. „Beim Thronjubiläum haben wir natürlich Witze gemacht, denn im Englischen bedeutet 60 Jahre auf dem Thron auch 60 Jahre auf der Toilette.“ Dass sie mit 90 noch ihre ganzen Pflichten erfüllt, jeden Tag arbeite und trotz aller Skandale immer ihre Würde behielt und noch da ist, erfülle Menschen in aller Welt mit Respekt. „Die ganze Welt kennt unsere Queen. Ebenso wie die Klischees, die sie umgeben. So wie einige britische Klischees auch für uns auf der Bühne funktionieren. Das öffnet uns auch immer wieder Türen.“

Das Music-Comedy-Duo stammt aus London, ist seit 2008 verheiratet und lebt seit 2007 in Berlin. Pro Jahr hat es rund 120 Vorstellungen auf Bühnen im deutschsprachigen Raum, außerdem in Kroatien, Luxemburg, Belgien, Spanien, den Niederlanden und Polen, je nach Bedarf auf Deutsch, Englisch und Spanisch. „Die wichtigste Sprache in unserem Programm ist sowieso die Musik“, sagt Brown. Immer dabei: Rebeccas Cello aus dem 18. Jahrhundert, genannt Joe – eine feste Größe in ihren Programmen, die aus Musik und Comedy auf Deutsch und Englisch bestehen.

Rebecca hat 1990 Deutsch gelernt, als Au pair-Mädchen in Bremen. Colin schnappte die Sprache über die Jahre in Gesprächen mit Freunden und dem Publikum auf. Sie lernte Klavier und Gesang, studierte sieben Jahre klassische Musik in Manchester und Houston, arbeitete als Cellistin in einem Orchester in Virginia und spielte erfolgreich in allen fünf großen Orchestern Londons, darunter das London Symphony Orchestra und das Royal Philharmonic Orchestra. „Auch die Filmmusik zu ‘Herr der Ringe’ und ‘Harry Potter’ habe ich eingespielt“, erzählt sie. Eines Tages verabschiedete sie sich aber von der Klassik-Szene. „Comedy hat mich einfach schon lange gereizt.“ Sie erzählt von ihren Comedy-Auftritten bei den US-amerikanischen TV-Sendern und ihrer eigenen Show beim National Public Radio (NPR).

Mit Robbie Williams um die Welt

Colin Brown hat Schauspiel und Gesang in London studiert, war Musical Darsteller, unter anderem bei „Jesus Christ Superstar“, spielte im Ensemble der Royal Shakespeare Company, synchronisierte Werbung und Filme. 2006 tourte er ein Jahr lang als einer von sechs Backgroundsängern von Robbie Williams um die Welt.

Brown traf Rebecca Carrington auf dem Edinborough-Festival. Eine der Agenturen, die ihn vertrat, schlug ihr vor, in Deutschland aufzutreten, weil sie deutsch sprach. Sie startete bei bekannten Kleinkunstfestivals unter anderem in Köln und Bonn, zog die ersten TV-Auftritte an Land, schließlich folgte eine Reportage des TV-Senders Arte über ihre Arbeit. „Ich war relativ schnell relativ erfolgreich in Deutschland“, erzählt Rebecca Carrington. „Aber es fehlte noch Colin, in den ich mich ja verliebt hatte. Uns war klar, wenn wir nicht etwas zusammen machen, dann sehen wir uns ja fast nie“, sagt Brown.

Als Geheimnis für ihren Erfolg erklären sie so: „Wir blicken auf Deutschland aus einer anderen Perspektive als die Deutschen selbst“, erklärt Brown. „Diese verschiedenen Blickwinkel auf andere Länder ergeben immer wieder die Möglichkeit für viel Humor. Und davon profitieren wir natürlich. Wir nehmen uns selbst nicht sehr ernst. Das kommt an.“

„Hauptsache, wir sind authentisch“

Ein Beispiel: Ihr „Steuerberater-Blues“ aus dem Programm „Dream a little Dream“, der bei ihrem Publikum schon Kultstatus hat. In Deutschland würden sie immer als ein Duo mit „typisch, britischem Humor“ beschrieben, erklärt Rebecca. „Das ist positiv gemeint. Für uns ist wichtig: Hauptsache, wir sind authentisch in dem was wir tun.“ Demnächst starten sie ihr neues Programm „10“.

In ihrem Kiez um die Großbeerenstraße fühlen sie sich mittlerweile vollkommen zu Hause. Heimweh hat das Paar wenig, auch nicht am Queen-Geburtstag.

Das Staatsoberhaupt persönlich getroffen haben sie noch nicht. „Aber ich habe Prinz Charles mal getroffen“, sagt Rebecca Carrington. „Und mein Vater hat die Queen, die Queen Mum und Diana kennengelernt, weil er in eine A-Capella-Gruppe sang, von der die Königinmutter ein großer Fan war. Er war zweimal zur Teatime in Windsor.“

Colin Brown findet es bemerkenswert, dass die Königin Charles noch nicht den Platz überlassen hat. „Charles hat zu viele Skandale hinter sich. Er hat keinen Bock mehr und außerdem keine Chance, denke ich. Wahrscheinlich macht sie das, bis sie stirbt und dann wird William König.“ Auch wenn der jetzt vielleicht lieber Familienmensch sei – Brown findet: „Als ein Prinz William wurdest du in diese Familie und ihre Privilegien hineingeboren – so you must answer the call.“

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