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Von Algencocktails auf dem Euref-Campus

Nachts leuchtet es an der Fassade auf dem Euref-Campus am Gasometer giftgrün. Bei Tageslicht lassen sich Röhren erkennen, durch die Wasser und Luft zirkulieren. Es handelt sich um zwei Photobioreaktoren, an Haus 4–5, von der Firma Mint Engineering, die mitten in Schöneberg Algen produziert.

„Das ist unsere Art von Ackerbau im Rohr“, erklärt Geschäftsführer Gunnar Mühlstädt. Der Ingenieur konstruiert seit einem Jahr weltweit Anlagen für die Mikroalgenzucht. „Beim Pilotprojekt in Schöneberg bauen wir Algen an, wo sie auch verbraucht werden“, sagt der 38-Jährige. Den Prototyp verwendet Thomas Kammeier, Campus-Küchendirektor und Ex-Sternekoch des „Hugos“. „Das Thema passt wunderbar zum Campus, der auf die Zukunft ausgerichtet ist“, sagt Kammeier. Zudem finde er „kurze Wege“ toll. Gerade erst hat er sich einen Becher mit frischem Algenpulver geholt.

Bei dem Tech-Start-up kommen nur Wasser, Dünger, Nährstoffe und ein paar Algen ins Rohr. Durch die Sonne – und nachts die LED-Lampen – wachsen die Algen so rapide, dass alle zwei Wochen mit dem „mobilen Mähdrescher“, wie es Mühlstädt nennt, geerntet werden kann. Ein Kilo von beiden Anlagen könne dann eingeholt werden, so Mühlstädt.

„Die Algen brauchen im Wesentlichen nur Licht und Kohlendioxid“, erklärt Mühlstädt. Sie ernähren sich von Abgasen. Diese verstoffwechseln die Algen – ohne dass Abfallprodukte entstehen. „Das ist doch genial!“, sagt Mühlstädt. Und mit der Gastronomie habe er gleich einen Abnehmer. „Die schmecken wie frischer Fisch“, sagt Thomas Kammeier. Man könne sie für Marinaden verwenden, auch für Schäume und Soßen, so der Koch. Gerade hat er einen Sommercocktail mit der Spirulina-Alge kreiert. Gurke, Limette, grüner Tee und Spirulina-Pulver, aufgefüllt mit Tonic und Spiruli-Limonade. „Und meine Mitarbeiter sind begeistert“, sagt er.

Tag der Offenen Tür, 22. April, 10–17 Uhr

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