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Das Holzhaus und die Prinzenrolle

Ohne seine Frau eröffnet Prinz Daniel von Schweden eine Ausstellung über Kinderbücher in Berlin

Eine kurze Rede, Händeschütteln und ein Besuch im Haus von Pettersson und Findus, dann hatte er es geschafft. Am Montagabend eröffnete Prinz Daniel von Schweden im Felleshus der Nordischen Botschaften die interaktive Kinderbuchausstellung "Frech, wild und wunderbar". Dabei wirkte er zurückhaltend, aber auch nahbar und sympathisch – und das ganz ohne die Hilfe seiner beliebten Ehefrau, Prinzessin Victoria von Schweden. Die hatte den gelernten Fitnesstrainer begleitet, als er im Mai 2011 zum ersten Mal in seiner neuen Rolle als Seine königliche Hoheit und Herzog von Västergötland Berlin besuchte und sich beim Zusammentreffen mit Klaus Wowereit und in Schloss Bellevue auf dem politischen Parkett beweisen musste. Im Juni 2010 hatten sich die beiden im Stockholmer Dom nach neun Jahren Beziehung das Jawort gegeben.

Dieses Mal sollte jedoch das Prince Daniel Fellowship, ein Programm der Royal Swedish Academy of Engineering Sciences (IVA) zur Förderung und Inspiration junger Unternehmer, im Mittelpunkt stehen. Prinzessin Victoria, die erst vor rund einem Monat zum zweiten Mal Mutter geworden ist, war zu Hause geblieben. Die Ausstellungseröffnung war dann auch der einzige öffentliche Termin des Prinzen. Am heutigen Dienstag besucht er als Ehrenvorsitzender der Delegation der Royal Swedish Academy of Engineering Sciences den Technologiepark Adlershof, die Telekom Innovation Laboratories und Sound Cloud. Am Mittwoch geht es weiter nach München.

Zumindest für seinen Auftritt am Montagabend hatte ihn aber seine Familie bestens vorbereitet. Sowohl er als auch seine Frau lesen ihren Kindern

Prinzessin Estelle und Prinz Oscar sehr gerne vor, sagte der 42-Jährige. "Ich freue mich jedes Mal über die Neugier und Freude in den Augen meiner Tochter, wenn sie ein neues Wort kennenlernt und mich fragt: ,Papa, was bedeutet das?'", so Prinz Daniel. Er selbst könne sich noch lebhaft daran erinnern, wie aufgeregt er als Kind gewesen sei, wenn das Buch des Monats in der Post gewesen sei.

Es sei ein großes Glück, dass es in Schweden so viele großartige Kinderbuch-Autoren und -Illustratoren gebe. "Sie öffnen uns als Eltern eine Tür, durch die wir unseren Kindern eine ganz neue Welt zeigen können." Nach dem offiziellen Teil mit einer Begrüßung durch Nina Röhlcke, schwedische Kulturrätin, und Tor Svae, Künstler und Ausstellungsbauer, besichtigte Prinz Daniel die Ausstellung bei einem Rundgang mit eingeladenen Kindern. Während es für den skandinavischen Besucher im Anschluss zu einem Dinner mit dem schwedischen Botschafter Lars Danielsson ging, gab es für die kleineren Gäste Zimtschnecken, Saft und die Möglichkeit, die Ausstellung vor allen anderen einem ersten Praxistest zu unterziehen.

Da schwedische Kinder zu Hause in Bibliotheken mit Spiellandschaften und Kuschelecken verwöhnt werden, ist auch diese Schau etwas Besonderes. Prinz Daniel konnte es sich zum Beispiel auf der Veranda des alten Petter­sson und seines Katers Findus gemütlich machen. Das rote Holzhaus der beliebten Helden aus den Büchern des schwedischen Autors Sven Nordqvist hat Tor Svae für die Botschaft als Kulisse nachgebaut.

Moderne schwedische Kinderliteratur ist bekannt dafür, schwierige Themen wie Scheidungen, Familienfehden, Gewalt, Krankheit und Tod ohne erhobenen Zeigefinger aufzugreifen. Dafür stehen zum Beispiel Autoren wie Ulf Nilsson, Barbro Lindgren und Pija Lindenbaum. Auch Martin Widmarks "Detektivbüro LasseMaja" wird in der Botschaft nicht fehlen. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 30. Juni.

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