Oliver Wnuk spielt in „Nord Nord Mord“

„Im echten Leben wäre ich wahrscheinlich Hauptkommissar“

Am Montag wird die vierte Folge von „Nord Nord Mord“ im ZDF ausgestrahlt, mit dem 40-jährigen Schauspieler sowie Robert Atzorn und Julia Brendler in den Hauptrollen.

Oliver Wnuk beim Interview im Ellington Hotel

Oliver Wnuk beim Interview im Ellington Hotel

Foto: Ricarda Spiegel

Oliver Wnuk steht seit fast 20 Jahren vor der Kamera, hat unter anderem in „Stromberg“ und „Der Schuh des Manitu“ mitgespielt. Der Schauspieler lebt mit Sängerin Yvonne Catterfeld und dem gemeinsamen, fast zweijährigen Sohn in Prenzlauer Berg.

Berliner Morgenpost: Bringen Sie Beruf und Familie unter einen Hut?

Oliver Wnuk: Das ist bei uns nicht anders als bei Millionen anderer Familien, in denen die Eltern beide Arbeitnehmer sind. Natürlich gibt es mal Zeiten, in denen der Organisationsbedarf etwas größer ist. Aber unser Vorteil ist ja, dass wir nicht jeden Tag arbeiten müssen, sondern etwas länger am Stück und dann mal ganz lange nicht.

„Nord Nord Mord“ spielt auf Sylt. Drehen Sie dort auch?

Überwiegend ja, vor allem natürlich die Außenaufnahmen. Viele der Szenen, die drinnen spielen, werden in Hamburg produziert. Teil fünf, der vielleicht im Herbst ausgestrahlt wird, und Teil sechs sind auch schon abgedreht. Für letzteren haben wir zum Teil auch in Dänemark gedreht, da komme ich auch gerade her. Es war ziemlich kalt.

Sind Sie ein Nordsee-Typ?

Eigentlich gar nicht. Ich bin ja eine Bodensee-Pflanze, also aus dem tiefsten Süden. Aber interessanterweise wurden bestimmtdrei Viertel meiner Filme meist in Hamburg gedreht. Ich werde wohl immer nordisch verbucht. Damit habe ich meinen Frieden geschlossen. Auch nach anfänglicher Schwierigkeit mit Sylt.

Wieso gab es die?

Naja, ich fand es anfangs schon befremdlich, dass jede Bushaltestelle ein Reetdach haben muss. Und man findet dort eben überwiegend eine gewisse Klientel. Dadurch wirkt alles ein bisschen wie unter einer Käseglocke. Dennoch kann ich die Insel sehr genießen und liebe es, dort zu arbeiten. Ich lasse mir auch immer an einem anderen Ort meine Wohnung geben, damit ich sie immer besser kennenlerne. Letztes Jahr im Herbst, als wir Teil vier und fünf von „Nord Nord Mord“ gedreht haben, war ich sechs Wochen am Stück dort.

Sie spielen Hinnerk Feldmann, eine recht norddeutsche Figur. Legen Sie sich da einen solchen Akzent zu?

Außer „Moin“ und „Moin Moin“ ist alles sehr hochdeutsch. Wir legen darauf keinen Fokus. Das wäre auch peinlich, denn ich finde nichts schlimmer als Schauspieler, die Dialekte nachmachen, in denen sie nicht geboren wurden. Da greife ich sofort zur Fernbedienung. Denn nur selten kann es jemand richtig gut. Ich spreche und schreibe für den SWR Hörspiele in meinem Heimatdialekt Alemannisch oder Badisch. Ich höre sofort, wenn jemand spricht und es ist nicht sein Dialekt – und sei es 20 Kilometer entfernt oder auch nur im Nachbardorf. Kein Münchener kann mir weißmachen, dass er Berliner ist (lacht).

Könnten Sie mit Feldmann befreundet sein?

Nein, ich glaube, ich fände ihn als Freund eher komisch. Er ist etwas unreif, gerade was Frauen angeht. Er konzentriert sich auf das, was er meint, gut zu können, also die Polizeiarbeit. Und er ist ein Spinner, ein Kindskopf.

Mögen Sie die Kälte und die Außendrehs?

Nein, ich mag eher die Wärme. Vergangene Woche haben die Dreharbeiten zum neuen „Der Schuh des Manitu“ begonnen. Ich habe mich daran erinnert, wie ich vor 16 Jahren, als ich bei Teil eins selbst mitspielte, bei 40 Grad in Lederkluft durch die Gegend ritt. Das hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Aber Kälte kann ich überhaupt nicht vertragen. Ich bin total verfroren. Ich trage beim Dreh manchmal diese Wärmegürtel, die sich selbst erhitzen. Wenn man die ganz eng macht, dienen sie auch gleich als Bauchweg-Gürtel, was sehr praktisch ist (lacht). Außerdem habe ich noch Handwärmer und wärmende Sohlen in den Schuhen. Und ich trinke literweise Ingwertee.

Auf Sylt mussten Sie da wieder durch.

Die vierte Folge war aber auch erste Teil, bei dem ich nicht ins Wasser gefallen bin. Der Hinnerk ist ja sehr tollpatschig und bisschen für die Komik verantwortlich. Da bietet sich das natürlich an.

Arbeiten Sie gerne mit Robert Atzorn und Julia Brendler zusammen?

Sehr, ja. Das sind wahnsinnig tolle Menschen. Und wir sind alle so unschauspielerisch (lacht). Wir haben viel Freude miteinander und sind entspannt. Das ist eigentlich das Schönste an dem Ganzen. Schade, dass die Zuschauer gar nicht mitkriegen, was wir für einen Spaß haben. Im gerade abgedrehten Teil war Annette Frier noch dabei, das hat die Freude irgendwie noch abgerundet.

Wieviel Kommissar-Erfahrung haben Sie denn schon?

Oh je, viel. Ich glaube, so lange wie ich könnte man im echten Leben gar nicht Kriminaloberkommissar sein. Wahrscheinlich wäre ich schon Hauptkommissar. Krimimäßig waren größere Sachen dabei wie jetzt „Nord Nord Mord“ oder einst „K3 – Kripo Hamburg“, aber auch Kommissars-Rollen in einzelnen Filmen.

Haben Sie mal auf einem Schießstand geübt?

Ja, das ist schon länger her. Wir haben mit scharfer Munition geschossen. Bei „Nord Nord Mord“ ziehen wir dagegen ja nur ganz selten die Waffe. Wir sind ja eher die „freundlichen Polizisten“. Das Schöne ist, dass ich hier eher für die Komik verantwortlich bin. Die Produzenten lassen mich meine Erfahrungen nutzen und mich aktiv am Drehbuch mitwirken. Und manchmal ergibt sich auch beim Dreh etwas, das gut hineinpasst. Ich feile an der Figur und ihrer Komik oder schreibe Szenen. Ich find’s toll, dass ich die Freiheit habe und in einer Produktion arbeite, die das honoriert und nutzt, was Schauspieler an Erfahrung mitbringen. Was die Komik betrifft, habe ich die ja auch zum Beispiel durch mein Mitwirken in „Stromberg“. Bei 75 Filmen waren sicherlich 30-40 Komödien dabei.

Sollten Schauspieler da generell mehr mit einbezogen werden?

Ihre Erfahrung nutzt man ja sowieso, indem man sie auf bestimmte Rollen besetzt. Aber in Amerika ist es zum Beispiel gang und gebe, dass Schauspieler bei Reihen oder Serien auch mal Regie führen oder produzieren. Das kommt bei „House of cards“ ebenso vor wie früher bei „Friends“, wo ein David Schwimmer bei 20 Folgen mal Regie führt. In Deutschland ist das, außer bei Ausnahmen wie Matthias Schweighöfer oder Til Schweiger, nicht so.

Sie haben zwei Romane „Wie im richtigen Leben“ und „Luftholen“ geschrieben. Dazu sind Hörbücher, bzw. ein Hörspiel erschienen. Sie haben offenbar einen starken Zugang zur Kunst.

In erster Linie langweile ich mich recht schnell. Ich brauche Beschäftigung. In zweiter Linie glaube ich, dass es in der heutigen Zeit immer falsch ist, sich auf einen Beruf festzulegen – und auf gar keinen Fall auf einen künstlerischen. Wenn ich sage, ich will nach vielen Jahren noch von dem einen Beruf leben, werde ich mit ziemlicher Sicherheit irgendwann ein finanzielles Problem kriegen. Der dritte Grund ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, bis an mein Lebensende Text auswendig zu lernen und den – in gekonnter Form, weil ich den Beruf jetzt nicht abwerten will – vor der Kamera darzustellen. Ich brauche mehr produzierende Energie. Als Schauspieler reproduziere ich ja eher. Etwas eigenes zwischen zwei Buchdeckeln im Schrank stehen zu haben, ist vielleicht befriedigender als eine DVD von einem Film von sich, wo ich ja nur ein Mosaikteil eines Ganzen bin. Ein Buch hat alles von mir. Ich kann auch gar nichts anderes, als kreativ denken.

Apropos Kreativität – spielen Sie selbst ein Instrument?

Ich kann fast jedes Instrument für zwei, drei Minuten gut bluffen. Ich habe schon mal einen Saxophonisten, einen Schlagzeuger und einen Pianisten gespielt.

Wann gibt’s das nächste Buch?

Das weiß ich noch nicht, es ist geplant, seit ich die letzte Zeile des letzten Buches fertig hatte. Manchmal schreibt man 140 Seiten und merkt, dass die Geschichte dann erst richtig losgeht. Das ist total unterschiedlich. Hat vielleicht auch mit dieser Dringlichkeits-Frage zutun, über die ich immer häufiger nachdenke. Muss denn im Leben etwas unbedingt sein? Muss ich ein Buch schreiben? Oder kann ich mit den Kindern lieber auf einen Spielplatz gehen? Wie teile ich mir Zeit ein? Wie gestalte ich mein Leben? Man ist schnell in einem Ablauf drin. Ich gucke, ob ich nicht das ein oder andere weglassen kann und so auch mehr Lebensqualität haben kann.

Mit was beschäftigen Sie sich in den Büchern?

Ich nehme meinen Protagonisten manchmal Dinge weg, die ihnen wichtig sind. Bei der einen ist es das Augenlicht, bei einer anderen Person ist es das Gedächtnis aufgrund von Alzheimer. Dann wieder den Erfolg, die Liebe und so weiter. Wenn man den Menschen alles nimmt, was bleibt dann noch übrig von ihnen? Wenn sie plötzlich total umdenken müssen und sich auf das Essentielle konzentrieren. Was passiert da? Um was geht es wirklich im Leben? Das ist so das, was mich interessiert. Das Schreiben macht mir einfach wahnsinnig Spaß.

Und Sie sind mit Musikern auf Tour.

Mit der Band „Revolverheld“, ja, sozusagen meine Texte. Letztes Jahr habe ich ihr MTV-Unplugged-Konzert mit philosophischen Worten in drei Akte unterteilt, so ähnlich wie moderiert. Jetzt bin ich, zwar nicht persönlich, aber als Video auf Großeinwänden bei ihren Konzerten dabei. Literatur, Theater – und Rockmusik- das ist toll. Und plötzlich bin ich mit der angesagtesten deutschen Rockband auf Tour. Vor zigtausend Leuten in irgendeinem Stadion, wo so ein Spiel eigentlich gar nicht hingehört. Demnächst mache ich so etwas ähnliches mit den Bremer Philharmonikern zu Eric Satie. Das alles ist eine Form des Über-den-Tellerrand-Guckens, so etwas reizt mich.

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