Newcomerin

Berliner Schauspielerin Ruby O. Fee hat ein Namensgeheimnis

Als Kind hat Ruby O. Fee die Welt bereist. Jetzt erobert sie den deutschen Film von Berlin aus und gibt sich etwas geheimnisvoll.

Sonnenlicht scheint durch das große Fenster ins Foyer des „Westin Grand“ an der Friedrichstraße, an einem Platz hinter der imposanten Freitreppe sitzt eine junge Frau. Sie trägt eine paillettenbesetzte Jacke zu hohen Stiefeln und ist ins Gespräch vertieft: Schauspielerin Ruby O. Fee. Wofür das „O“ steht, möchte die 20-Jährige nicht verraten, selbst in ihrem Pass ist der Name laut ihrer Managerin nicht ausgeschrieben. Gibt man den Namen Ruby O. Fee bei Google ein, werden ergänzend die Stichworte „sexy“ und „Bikini“ vorgeschlagen. Die daraus folgende Erwartung einer übermäßig selbstsicher auftretenden Frau bestätigen sich nicht.

„Viele meiner Rollen sind sehr selbstbewusst, persönlich bin ich aber bei Interviews, oder wenn ich neue Menschen kennenlerne, oft sehr schüchtern“, sagt die Berlinerin gleich zu Beginn. Wenn sie spiele, sei das anders. „Da geht es nicht um mich, es geht um die Rolle.“ Zuletzt war Ruby O. Fee in der Kölner „Tatort“-Episode „Kartenhaus“ als notorische Lügnerin zu sehen, die ihren Freund durch ihre Geschichten zum Mord an ihrem Stiefvater anstiftet. Szenen wie solche, in denen sie dort ihren Schauspielpartner Rick Okon umgarnte, seien zwar im ersten Moment unangenehm, aber eigentlich sehr technisch, oftmals sogar lustig. „Es ist schon gewöhnungsbedürftig, sich vor der Kamera auszuziehen“, sagt sie. „Aber es gehört halt auch manchmal dazu.“

In Costa Rica geboren zog Ruby O. Fee als Kind gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater nach Brasilien. Dort lebte die Familie mit sechs Katzen, drei Hunden, einem Huhn und einer Schildkröte. „Außerdem hatten wir ein Pferd, mit dem ich manchmal zur Schule geritten bin“, erzählt sie und lacht. Da ihr Stiefvater Franzose ist, sei zu Hause größtenteils Englisch gesprochen worden. So kommt es, dass Ruby O. Fee Englisch, Deutsch – ihre Mutter kommt ursprünglich aus Deutschland – und Portugiesisch spricht sowie Französisch und Spanisch versteht.

Bis zu ihrer Einschulung reiste die Familie durch Indien, Afrika und weitere Länder. Im Alter von zwölf Jahren zog Ruby O. Fee schließlich gemeinsam mit ihrer Familie nach Deutschland. Kaum in Berlin angekommen, überredete sie ihre Mutter, sich bei Schauspielagenturen vorstellen zu dürfen. „Eine Freundin von mir war bei einer Agentur und hat mir davon erzählt, da wollte ich das auch mal ausprobieren“, sagt sie. Außerdem habe ihre Mutter viele Freunde aus der Filmbranche, Regisseure, Produzenten und Schauspieler, darunter auch Anna Fischer. „Als Kind habe ich viel mit ihr darüber geredet, habe sie gefragt, ob es Spaß macht und wie der Job so ist“, sagt Ruby O. Fee, die heute in Mitte wohnt. Kurz darauf folgten die ersten Rollen in dem Science-Fiction-Drama „Womb“ und der Fernsehserie „Allein gegen die Zeit“.

„Gemeinsam mit meiner Managerin bereite ich alle meine Rollen vor“, erzählt sie. Außerdem nehme sie einmal pro Woche an einem Schauspielcoaching teil und schaue sich viel in ihrem privaten Umfeld ab. „Für ‚Bibi und Tina‘ habe ich sieben Wochen Reitunterricht genommen und hatte regelmäßig Muskelkater“, so Ruby O. Fee. „Wobei ich ja gestehen muss, dass meine Kindheitshelden eher die ‚Power Puff Girls‘ waren.“ Eine persönliche Note verleiht die Schauspielerin ihren Rollen zusätzlich durch ein jeweils eigenes Parfüm. Im „Tatort“ habe sie beispielsweise einen blumigen Duft getragen.

Im vergangenen Jahr war Ruby O. Fee mit Andreas Dresens „Als wir träumten“ im Wettbewerb der 65. Berlinale vertreten. „Das war ein besonderer Moment und eine exklusive Möglichkeit, neue Leute zu treffen“, sagt sie. Audrey Tautou habe sie beispielsweise einmal zufällig auf der Toilette kennengelernt. Um ihr Styling bei solchen Events kümmere sich bis heute ihre Mutter. „Wir diskutieren vorher immer viel, ich hab da meinen eigenen Kopf“, sagt Ruby O. Fee. „Aber am Ende einigen wir uns auf eine Lösung.“

Am 25. März ist sie in dem Historienfilm „Das Geheimnis der Hebamme“ zu sehen (ARD, 20.15 Uhr). Ruby O. Fee spielt darin ein Mädchen, das die Gabe besitzt, Krankheiten zu heilen. Während der Dreharbeiten sei sie von der Kulisse des 12. Jahrhunderts, den Tieren und den kostümierten Menschen am Set fasziniert gewesen. „Das ist eine andere Welt, eine andere Zeit“, sagt sie. Ihr Traum sei es, einmal weit ausgeschnittene Barockkleider zu tragen. „Ich finde historische Filme total spannend“, erklärt Ruby O. Fee und freut sich bereits auf ihr nächstes Projekt. Ab April spielt sie in der Doku-Fiction „Die Unsichtbaren“ eine Jüdin, die sich im Zweiten Weltkrieg in Berlin ihrer Deportation widersetzt.

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