Film über Puma und Adidas

„Wir sind wie Zwillinge“

Ken Duken und Torben Liebrecht spielen in einem RTL-Film die entzweiten Dassler-Brüder. Im echten Leben sind sie beste Freunde

Ken Duken und Torben Liebrecht (schwarzes Haar)

Ken Duken und Torben Liebrecht (schwarzes Haar)

Foto: Reto Klar

Ken Duken und Torben Liebrecht sind unruhig. Liebrecht dehnt sich, Duken stützt sich auf dem Tisch auf und hebt die Füße bis über den Kopf. Er sieht wie ein schwebender Delfin aus. Den Schauspielern fehlt sichtlich die Bewegung nach einem Tag Interviewmarathon. Die beiden Sportfanatiker hätten nicht besser besetzt werden können für „Duell der Brüder – Die Geschichte von Adidas und Puma“ (RTL, 25. März, 20.15 Uhr), dem Zerwürfnis zwischen Adi und Rudi Dassler, den Gründern von Adidas und Puma. Ein Gespräch mit Ken Duken und Torben Liebrecht, der gerade für seine Rolle in „X Company“ den Canadian Screen Award als „Bester Nebendarsteller“ gewonnen hat, über Sneaker, Eiweißriegel und ihre Männerfreundschaft.

Berliner Morgenpost: Herr Duken, Sie tragen weiße Sneaker von Baldessarini, Herr Liebrecht, Sie neonfarbene Puma. Sind Sie Turnschuhfans?

Ken Duken: Ich trage gerne Turnschuhe, Hauptsache sie sind bequem. Als wir gedreht haben, habe ich ständig Adidas getragen, um Torben zu ärgern.
Torben Liebrecht
: Hat auch einen halben Tag funktioniert. (beide lachen)

Bewahren Sie ihre Lieblingsturnschuhe wie Heiligtümer in Schachteln auf?

Duken: Ich bin nicht so fixiert auf Marken, für mich ist Qualität wichtig. Ich würde mich aber nie für einen Sneaker kasteien. Ich glaube eher an das japanische Sprichwort: „Was man nicht benutzt, verliert seinen Wert“.
Liebrecht
: Aber, was man nicht benutzt, behält seine Aura.
Duken
: Ich bin heute so eine Sprichwortschleuder, daher antworte ich: „Lieber einen Tag im Leben Tiger, als tausend Jahre Schaf.“

Was hat Sie an dem Brüderstreit von Adi und Rudi Dassler fasziniert?

Duken: Das Ausmaß. Zum einen war es faszinierend, dass es so viele Märchen und Mythen um die beiden gibt. Es gibt Gerüchte, dass sie sich jahrelang noch getroffen hätten, andere behaupten, dass sie sich nie wieder gesehen hätten. Außerdem zog sich der Streit durch das ganze Dorf. Man hat mit der Nachbarstochter nicht gespielt, weil deren Eltern bei Puma waren und die eigenen bei Adidas. Es war ein Ort des gesenkten Blickes – auf die Schuhe.
Liebrecht
: Mich hat fasziniert, dass es in dem Film keinen eindeutig guten und keinen eindeutig bösen Bruder gibt. Jede Figur trägt eine ganz starke Wahrheit in sich, wodurch sie immer wieder aneinander geraten.

Sie haben beide Geschwister. Könnten Sie sich vorstellen, sich so mit ihnen zu streiten, dass man nicht mehr miteinander spricht?

Duken: Nein, denn ich bin so ein direkter Mensch und meine beiden Schwestern auch. So etwas entsteht, glaube ich nur, wenn man die Kommunikation verliert und dafür müssen krasse Dinge passiert sein.
Liebrecht
: Ich finde es schwer, aufgrund eines Prinzips, es soweit entgleisen zu lassen, dass man nie wieder miteinander spricht.

Adi Dassler war vom Sport besessen. Kommt Ihnen das, die Sie Laufen, Kraftsport, Krav Maga und vieles mehr trainieren, bekannt vor?

Duken: Für mich ist Sport wichtig und ein großer Ausgleich. Nicht, weil mir etwas weh tut, aber ich muss mich bewegen. Ich brauche diese Erdung. Wir haben aufgrund von Stress so viel Adrenalin im Körper und das muss ich abbauen. Außerdem brauche ich einen Ausgleich für das ganze Kopflastige, ich muss mich einfach abreagieren, das ist für mich gesünder.

Es heißt, Sie hätten jeden Tag zusammen trainiert. Wer war der Fittere?

Liebrecht: Ken ist fit wie ein Turnschuh, das ist schon krass. Ich war zwar schon in ganz guter Verfassung, doch am Ende des Films waren wir beide auf einem anderen Level.
Duken
: Torben stapelt jetzt tief, denn ich musste schon in der stärksten Form sein, um mit ihm mithalten zu können. Er ist ein Monster.

Wie sah also das Training von zwei Sportfanatikern aus?

Liebrecht: Wenn der eine gesagt hat, lass mal ein Steak essen gehen, hat der andere geantwortet: Gerne, aber nach dem Training.
Duken
: Aber nicht wie das typische Discopumpen. Montags: Brust, dienstags: Bizeps, mittwochs: Brust, donnerstags: Bizeps, freitags: Bizeps und Brust, sonnabends: Disco. (beide lachen)

Herr Duken, Sie haben sich für einen Film 16 Kilo antrainiert, für eine andere Rolle wiederum 25 Kilo abgenommen. Wieso tun Sie das?

Duken: Wenn es für die Rolle passt, mache ich das gerne. Wenn man etwa einen Brocken mit ganz viel Muskeln spielt, der aber keine Körperspannung hat, sagt das etwas über die Figur aus. Natürlich ist der Kopf das Wichtigste für einen Schauspieler, doch der Körper darf nicht im Weg stehen.

In unserem Gespräch haben Sie sich gegenseitig mit Komplimenten überhäuft und schallend gemeinsam gelacht. Sind Sie beim Dreh Brüder im Geiste geworden?

Duken: Torben ist wirklich der Bruder geworden, den ich nie hatte. Wir waren vorher schon befreundet, aber es ist nun so eine innige Liebe geworden. Außerdem haben wir beide so viele Parallelen, das ist wirklich schon krass. Wir sind zwei Ärsche und ein Gedanke.
Liebrecht
: Das stimmt. Wir sind wie Zwillinge, die man bei der Geburt getrennt hat. Wir können uns wie Kinder zwei Stunden über einen Eiweißriegel freuen.

Welche Parallelen gibt es?

Duken: Wir haben beide Regie geführt, Torben macht Krav Maga, ich Brazilian Jiu Jitsu. Ich finde ihn auch als Schauspieler großartig und dadurch, dass da Liebe ist, wurden die Hassszenen bei „Duell der Brüder“ erst so gut möglich.

Wie haben Sie die Trennung nach dem Filmset verkraftet?

Duken: Gab’s ja gar nicht, denn wir haben fast jeden Tag telefoniert.

Das klingt nach großer Männerliebe.

Liebrecht: Ken ist so großzügig, hat mich mit so einer Offenheit und Unvoreingenommenheit empfangen und aus seinem Herz keine Mördergrube gemacht.
Duken
: Ich bin seit 16 Jahren verheiratet und meine Frau ist und wird mein Lieblingsmensch bleiben. Aber ich habe noch nie so einen Freund gehabt wie Torben.