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Aufregung beim Antritt

Am Montag erhält Natalia Wörner das Bundesverdienstkreuz. Zur Vergabe kommt sie ohne Heiko Maas

Natalia Wörner sticht hervor. Die Schauspielerin trägt ein Etuikleid mit passendem Mantel. Konservativ, klassisch, ein Hingucker in der Menge aus schwarzen Anzügen und dunklen Kleidern. 24 Frauen haben am Montag das Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr soziales Engagement erhalten. Zusammen mit der Sportwissenschaftlerin Gertrud Pfister nimmt die 48-jährige Wörner im Schloss Bellevue den hohen Orden von Bundespräsident Joachim Gauck entgegen.

Wörner strahlt, als sie aufgerufen wird. Voller Freude geht sie auf Gauck zu. Dass die zahlreichen Filmteams, Kameramänner und Journalisten nur ihretwegen hier sind, weiß sie wohl, doch sie genießt den Moment.

Seit zehn Tagen kursiert ihre angebliche Liebesbeziehung mit Bundesjustizminister Heiko Maas, ziert die Titelseiten von „Bild“ („Die heikle Affäre von Glamour und Politik“) bis „Bunte“ („Sie planen schon ihre Zukunft“). Offiziell gibt es keine Bestätigung. Nur diese Fakten: Der 49-jährige Maas hat sich von seiner Frau getrennt. Nach 15 Jahren Ehe. Corinna Maas war vor zwei Jahren mit den beiden gemeinsamen Söhnen, neun und 13 Jahre alt, vom Saarland in die Nähe von Berlin gezogen.

Im vergangenen Sommer publiziert die „Bild am Sonntag“ ein gemeinsames Interview von Maas und Wörner über ihre (platonische) Freundschaft. Kennengelernt hatten sich der Minister und die Künstlerin beim „Deutschen Schauspielerpreis 2015“. Maas, der das Urheberrecht reformieren wollte, hatte das Gespräch mit Schauspielern gesucht. „Ich bin quasi für Natalia zuständig“, hatte er in dem Interview gescherzt.

Ob aus Freundschaft Liebe wurde, wissen nur sie. Wie die „Bild“ berichtet, hieß es aus dem Justizministerium zunächst, „die Beziehung zwischen Maas und Wörner sei beendet“. Später sei diese Aussage zurückgenommen worden. Seitdem haben sich weder Wörner noch Maas dazu geäußert – auch nicht dementiert. Ein „Nein“ klingt anders.

Auch für Heiko Maas waren die vergangenen zehn Tage nicht einfach. Die verletzte Ehefrau, die beiden Söhne, die wie Wörners Sohn Jacob-Lee in der Schule Fragen der Kameraden erwarten.

Von aller Aufregung sieht man Wörner im Schloss Bellevue am Montag nichts an. Sie sitzt in der ersten Reihe inmitten von Freunden, wie Fotograf Jim Rakete, macht bereitwillig Selfies, lächelt in die Runde. In ihrem 40er-Jahre-Outfit und der Hochsteckfrisur erinnere sie ein bisschen an Jacky O., raunt ein Kollege. Ob sie schon Politikergattin übe, fragt ein anderer.

Die Auszeichnung erhält Wörner für ihr soziales Engagement. 2004 wurde sie mit ihrem damaligen Partner Robert Seeliger Zeugin des Tsunamis in Thailand. Danach sei sie geschockt gewesen, hatte sie bei einem Interview mit der Morgenpost im Juli 2015 erzählt. Sie habe eine Therapie machen müssen, sei mit Schuldgefühlen zurückgekommen. Wörner gründete den Verein „Tsunami Direkthilfe“ und sammelte eine halbe Million Euro Spendengelder ein. Sie holte sich Hilfe beim damaligen Krisenstab und Frank-Walter Steinmeier, sie wollte Hilfsprojekten in Thailand „langfristig auf die Beine helfen“. Seit 2006 ist sie zudem ehrenamtliche Botschafterin der Kindernothilfe.

Nach dem Schlussfoto gibt es viele Fragen an Natalia Wörner. „Ich fühle mich bedrängt“, sagt sie. Und dass sie die Auszeichnung „unglaublich berührt“. Wohin sie den Orden legen wird, wisse sie noch nicht. Und dann kommt die Frage, ob sie am Vorabend Anne Will mit Heiko Maas als Gast gesehen habe. Wörners Lächeln friert ein. Ohne eine Wort zu sagen, verschwindet sie zum Empfang des Bundespräsidenten. Dort trinkt sie schnell ein Glas Rosé-Champagner. Und zum ersten Mal an diesem Tag sieht man ihr die Anspannung an.