Kulturbrauerei

„Nichts passiert“ feiert Premiere mit Devid Striesow

Am Montagabend feierte der Film „Nichts passiert“ im Kino in der Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee Premiere.

Nichts passiert. Ein Film von Micha Lewinsky; Schweiz 2015. Thomas Engel (Devid Striesow)

Nichts passiert. Ein Film von Micha Lewinsky; Schweiz 2015. Thomas Engel (Devid Striesow)

Foto: movienet / BM

Devid Striesow ist ein viel beschäftigter Mann. Gerade war der Schauspieler für „Ich bin dann mal weg“, der Verfilmung des Bestsellers von Hape Kerkeling, als Pilger auf dem Jakobsweg unterwegs, nun spielt der 42-Jährige in „Nichts passiert“ das konfliktscheue Wesen Mann.

Am Montagabend feierte der Film des Schweizer Regisseurs Micha Lewinsky im Kino in der Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee Premiere. In der schwarzen Komödie gibt Striesow den Familienvater Thomas, der wild entschlossen Urlaub in den Schweizer Alpen machen möchte – obwohl seine Frau (Maren Eggert) eigentlich keine Zeit hat und seine Tochter (Lotte Becker) keine Lust. Und weil dem Familienvater Neinsagen so schwer fällt, nimmt er obendrein noch die Tochter seines Chefs (Annina Walt) mit – gegen den Willen der Familie.

Der vielbeschäftigte Devid Striesow sagte für den Film schon beim ersten Anruf des Regisseurs zu. Zu dem Zeitpunkt gab es noch nicht einmal ein Drehbuch. „Die Rolle hat so eine Tiefe und Ambivalenz“, erklärte er. Außerdem sei er in jeden Schritt involviert gewesen. Bei so viel Mitsprache verzichtete Striesow gerne auf einen eigenen Wohnwagen und schleppte sogar Scheinwerfer.

Obwohl der Film „Nichts passiert“ heißt, ist genau das Gegenteil der Fall. Peinlichst auf Harmonie bedacht, ignoriert Thomas zuerst die Bedürfnisse seiner Frau und dann die Rivalität der beiden Teenager. Doch dann geschieht das Drama. Die Tochter des Chefs bekommt Schwierigkeiten mit der Dorfjugend. Sie will nicht zur Polizei damit gehen, Thomas verstrickt sich in Lügen und Unwahrheiten. Denn Thomas würde für den lieben Frieden alles tun – zur Not auch mit Gewalt.

Devid Striesow macht es sichtlich Spaß, diesen Charakter zu spielen. Die Ambivalenz seiner Figur, die glaubt, alles im Griff zu haben und doch gar nichts im Griff hat, kostet er mit jeder Geste aus. „Es ist grandios, ihm beim Scheitern zuzuschauen“, erklärte Striesow. Denn natürlich führt er „eine mittelmäßige Katastrophe“ herbei.

Sein Handwerk lernte Striesow, nachdem er eine Lehre zum Goldschmied nach dem Mauerfall abgebrochen hat, an der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“, zusammen mit Lars Eidinger, Nina Hoss, Mark Waschke und Fritzi Haberlandt. Nach Theaterengagements folgte die Karriere beim Film, die darin gipfelte, dass Striesow im österreichischen Film „Die Fälscher“ mitspielte, der 2008 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde.

Sein ganzes Können spielt Striesow, der unter anderem auch den Kommissar im Saarland-„Tatort“ gibt, bei „Nichts passiert“ aus. Ob ihm die Konfliktscheue seiner Figur bekannt vorkomme? „Es wäre schlimm, wenn ich mit jeder Rolle etwas gemein hätte“, sagt er. Schließlich sei er schon mal ein Frauenmörder gewesen. „Und ehrlich, mit Thomas würde ich nicht mal befreundet sein wollen.“

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