Natalia Klitschko

„Wir sind Weltbürger“

Natalia Klitschko ist die Ehefrau von Vitali Klitschko, Mutter von drei Kindern und ehemaliges Model. Jetzt hat sie ihr erstes Album aufgenommen

Natalia Klitschko im "The Stue"

Natalia Klitschko im "The Stue"

Foto: Reto Klar

Natalia Klitschko lässt auf sich warten. Die Nacht zuvor ist es spät geworden. Zum ersten Mal hat die Frau von Vitali Klitschko Lieder ihres ersten Albums „Naked Soul“ einer kleinen Runde aus Freunden und Pressevertretern vorgetragen. Aufgeregt sei sie gewesen und gespannt, sagt sie später. Dass sie singen kann, hört man auf dem Album, dass sie auf der Bühne überzeugt, kann man sich vorstellen, als sie endlich aus ihrem Hotelzimmer im „Das Stue“ in Tiergarten in die Lobby tritt.

Berliner Morgenpost: Sie übernachten nicht in einem großen Luxushotel.

Natalia Klitschko: Ich bin seit zwei Jahren Stammkunde im „Stue“ und fühle mich wie zu Hause. Ich sitze gerne in der Bibliothek und schaue mir die Kunst- und Fotografiebände an. Wenn meine Kinder dabei sind, gehe ich mit ihnen im Zoo und im Park spazieren.

Hat Berlin Sie zu Texten inspiriert?

Ich war oft für meine Gesangsstunden in Berlin. Direkt nach den vier oder fünf Stunden Unterricht habe ich sehr oft Texte geschrieben. Außerdem schreibe ich gerne im Flugzeug, im Zug oder nachts. Da bin ich allein, kann in mich selbst hineinschauen und in meiner Welt sein. Bei Spaziergängen durch Städte oder Parks hole ich mir Energie und Inspiration. Da hilft mein Bedürfnis zu reisen. Jedes Mal, wenn ich unterwegs bin, treffe ich neue Menschen und höre neue Geschichten, das verwende ich dann für meine Lieder.

Haben Sie einen Lieblingsort in Berlin?

Ich bin gerne auf der Museumsinsel. Sonst gehe ich gerne durch die Straßen, beobachte die Menschen und genieße es, unerkannt zu sein.

Sie sind viel unterwegs und leben in Hamburg, Kiew und Los Angeles. Wie organisieren Sie die Reisen mit Ihrer Familie?

Wir sind Weltbürger. Die Kinder reisen, seit sie drei Wochen alt sind. Sie sind daran gewöhnt und sehr mobil. Egal, wo sie sind, fühlen sie sich zu Hause. Hauptsache, die Eltern sind mit dabei.

Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Im Flugzeug. (lacht)

Wo gehen Ihre Kinder zur Schule?

Sie gehen dort zur Schule, wo wir gerade sind. Sie sind auf einer internationalen Schule. Das haben wir so ausgewählt, da wir wussten, dass wir immer reisen werden. Sie können immer an einem anderen Ort an der Stelle einsteigen, an der sie aufgehört haben.

Ihr erstes Album erscheint am 12. Februar. Wie fühlt sich das an?

Das ist ein absolutes Glücksgefühl. Es ist wie mein viertes Baby, nur dass ich mit ihm länger als neun Monate schwanger war. Ich bin aufgeregt, aber auch besorgt. Ich trage Verantwortung und wünsche mir, dass alles gut geht.

Wie beschreiben Sie Ihre Musik?

„Sound of Soul“ würde ich meine Musik nennen. Ich hatte nicht geplant, ein Jazzalbum, Soul-, Folk- oder Popmusik zu machen. Die Musik auf dem Album ist sehr sanft, fein und melancholisch. Natürlich hat auch mein Pianist Oliver, der ausgebildeter Jazzmusiker ist, die Melodien beeinflusst.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Ich singe seit meiner Kindheit. In der Ukraine wird traditionell sehr viel gesungen. Ob man Geburtstag feiert, heiratet oder trauert. Man isst und singt zusammen. Außerdem sind meine Eltern Hobbymusiker. Mein Vater spielte Schlagzeug, und meine Mutter hat gesungen. Meine Stimme und meine Passion zur Musik habe ich also von meinen Eltern geerbt.

Sie haben aber erst in den letzten Jahren professionellere Schritte unternommen.

Ich habe mir immer gewünscht zu singen und war bei jeder Gelegenheit im Chor und hatte immer meine Gitarre dabei. Später wollte ich eigentlich eine Gesangsausbildung machen. Das war 1991, als ich die Schule beendet habe und die ganze Sowjetunion kollabierte. Dann hatte ich kein Land mehr und musste mir genau überlegen, wie ich überleben kann. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe auf jeden Fall nie aufgegeben und immer, wenn es möglich war, Gesangs- und Klavierunterricht genommen. Schließlich hat mich eine meiner besten Freundinnen überredet, wieder Gesangsunterricht zu nehmen. Das war vor vier Jahren.

Sie singen über Liebe, Verlust, Sehnsucht. Warum keine politischen Texte?

Politik ist nicht meine Welt. Ich will nicht in die Politik gehen und politische Lieder singen. Wobei ich vielleicht auch eine politische Aussage mit meinem Album treffe, indem ich mich dafür entschieden habe, auf Ukrainisch und Russisch zu singen. Ich kann die beiden Nationen nicht trennen. Das ist mein kleiner Beitrag zur Politik. Sonst will ich Liebe und Emotionen übermitteln und schöne Geschichten erzählen.

Sie sagen, Sie sehen sich als Weltbürgerin. Warum singen Sie nicht auf Englisch?

Ich bin stolz darauf, Slawin und Ukrainerin zu sein. Ich denke auf Russisch und Ukrainisch, meine Wurzeln sind dort. Manchmal, wenn ich anfange zu singen, kommen unbewusst Melodien ukrainischer Volkslieder. Für mein erstes Album habe ich mich bewusst entschieden, nicht auf Englisch zu singen. Es gibt so viele andere schöne Sprachen. Es ist nicht so, dass man Musik nur über den Text versteht. Man versteht Musik mit der Seele, dem Herzen. Ich bin mit indischen, italienischen und französischen Liedern aufgewachsen. Ich habe nie ein Wort verstanden, das war aber kein Problem. Durch die Melodie und die Stimme habe ich alles verstanden. Wenn man Musik hört und die Augen schließt, entstehen eigene Bilder im Kopf, egal auf welcher Sprache der Text ist.

Sie haben lange als Model gearbeitet und sind jetzt Sängerin. Ihr Mann war lange Profiboxer und ist jetzt Bürgermeister in Kiew. Wie wichtig ist Ihnen Veränderung?

Ich habe mehr als zehn Jahre als Model gearbeitet, es war eine sehr schöne Zeit. Aber Veränderung gehört zum Leben. Alles ist ein Entwicklungsprozess. Wenn man ein Leben hat, in dem es keine Veränderung gibt, ist das langweilig. Ich würde wahrscheinlich ersticken, wenn mein Leben zu ruhig werden würde.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich sehe schon mein zweites Album vor mir. Außerdem will ich ein Fotobuch machen. Mit meinen Modelbildern und meinen Liedtexten.