Sissis Ur-Ur-Enkel

Sissis Ur-Ur-Enkel - Adel in Berlin ohne Allüren

Schauspieler Leopold Prinz von Altenburg ist Nachkomme von Sissi. Er lebt in Berlin-Hermsdorf, bodenständig und familienbewusst.

Leopold Prinz von Altenburg, Ur-Ur-Enkel von Sissi, im Restaurant „Ottenthal“ an der Kantstraße

Leopold Prinz von Altenburg, Ur-Ur-Enkel von Sissi, im Restaurant „Ottenthal“ an der Kantstraße

Foto: Joerg Krauthoefer

Leopold von Altenburgs Stimme klingt ruhig und tief. Hektik ist offenbar nicht seine Sache. Der fast 1,90 Meter große Schauspieler mit dunklem Bart hat es sich auf einem Stuhl im österreichischen Restaurant "Ottenthal" an der Kantstraße bequem gemacht. Obwohl er seinen beruflichen und familiären Mittelpunkt seit 13 Jahren in Berlin hat, dreht sich in dieser Woche fast alles um sein Heimatland Österreich. Der 44-Jährige ist der Ururenkel der Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, bekannter unter dem Namen Sissi.

Deshalb trägt auch er ein "Prinz" vor seinem Nachnamen, seine Frau Juliane und seine beiden Töchtern Emilia und Antonia dürfen sich Prinzessinnen nennen. Am Freitag besucht er mit seiner Familie die Premiere des Musicals "Elisabeth" im Admiralspalast. Das Bühnenstück, das vom Leben seiner berühmten Vorfahrin handelt, wurde seit 1992 in zahlreichen Städten weltweit aufgeführt. Allein in Wien bis Februar 2014 genau 2181-mal. Von Altenburg selbst spricht ihren Namen fast immer ganz aus: "Elisabeth". "Das liegt wahrscheinlich daran, dass mein Vater den Spitznamen 'Sissi' immer unmöglich fand", sagt er mit einem Augenzwinkern.

Mit dem Adelstitel lieber nicht zu dick auftragen

Häufig wird er Leopold Prinz Altenburg genannt. Das "von" wird, wie auch bei Grafen, Baronen und anderen Adelstiteln, wenn der Titel davorsteht, meist weggelassen. Unter anderem, um nicht zu dick aufzutragen. In Österreich ist er Leopold Altenburg. "Dort wurde das 'von' ja mit der Monarchie 1918 abgeschafft", erklärt er. "Dabei gibt es ja ohnehin offiziell keine Titel mehr. Auch in Deutschland nicht. 'Prinz' oder 'Graf' sind Teil des Namens." Der Name Altenburg entstand, als sein Großvater eine Gräfin heiraten wollte, was die letzte Kaiserin Zita nicht erlaubte. Er musste dafür entweder seinen Namen ändern oder seinen Titel ablegen. Er entschied sich für Ersteres.

Sein Enkel Leopold ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur und studierte am Konservatorium in Wien. Er arbeitet heute vor allem in Berlin, aber auch in Wien und seiner Heimatstadt Graz an Theatern und Kleinkunstbühnen.

Ein bisschen Heimweh habe er manchmal, besuche gerne seine Mutter in Graz. "Die österreichische Sprachmelodie habe ich sehr gern", sagt von Altenburg. In Wien wolle er aber trotzdem nicht mehr leben. "Des 'zahd' aan so owi', wie man sagt. Heißt übersetzt: 'Das zieht einen so runter.' Berlin ist für mich lebendiger und positiver."

Ein Prinz und seine Prinzessinnen: bürgerliches Leben in Hermsdorf

Auch vor der Kamera steht er regelmäßig, einst im "Tatort", auf der Berlinale 2012 in "Beziehungsweisen" und zuletzt in der Romanverfilmung "Fucking Berlin", die demnächst in die Kinos kommt.

Einen großen Teil seiner Arbeit widmet von Altenburg der Ausbildung von "Rote-Nasen-Krankenhausclowns", mit denen kleine Patienten in Kliniken unterhalten werden sollen. Am Theater spielt er seit 20 Jahren und inszenierte unter anderem Mozarts "Don Giovanni" neu. Demnächst will er sich wieder mehr der Kleinkunst widmen und entwickelt dafür gerade die Figur des "Au-stropold", der berühmte Austropoplieder von Sängern wie Wolfgang Ambros interpretiert.

"Euer Klo müsst ihr trotzdem selbst putzen.'"

Mit seinen drei Prinzessinnen wohnt von Altenburg bürgerlich und bodenständig in Hermsdorf. Zuvor lebte er in den Szenekiezen von Friedrichshain und Prenzlauer Berg. Noch nie habe er unter Adelsklischees gelitten, sagt er. Vielmehr seien viele Reaktionen auf seinen Namen interessant. "Als vor Weihnachten so viel Weihnachtspost von meiner Verwandtschaft kam, stand häufig Prinz oder Prinzessin vor unseren Namen", erzählt von Altenburg und lacht herzlich. "Und unser lieber Briefträger sagte frei heraus: 'Ick wusste jar nich, wat ick da für Kunden habe.' Das war wirklich lustig."

Aufgewachsen ist von Altenburg in Graz. In einem Haus, nicht in einem Schloss. "Von meinem Vater kenne ich viele Anekdoten aus der Zeit Kaiser Franz Josephs", sagt er. "Wir wurden sehr familienbewusst erzogen, denke ich. Dennoch sagte meine Mutter immer: 'Ihr könnts euch nichts drauf einbilden, euer Klo müsst ihr trotzdem selbst putzen.'"

"Der Zuckerguss, den man aus den 'Sissi'-Filmen kennt, ist abgekratzt"

Er finde es spannend, dass die Kaiserin Elisabeth heute noch so viel Begeisterung ausübt. Er freue sich auf die Vorstellung. "Normalerweise bin ich nicht so im Musical zu Hause, obwohl ich die 'Rocky Horror Picture Show', die ich einmal in England sah, super fand", sagt von Altenburg. "'Hinterm Horizont' hat mir mäßig gut gefallen, ich sehe Udo Lindenberg lieber live." Von "Elisabeth" habe er seiner Frau eine Soundtrack-CD zu Weihnachten geschenkt. "Dann habe ich sie aber eher selbst gehört. Wirklich tolle Musikstücke", so von Altenburg. "Und offenbar zeigt das Musical schonungslos Elisabeths zwiespältige Seiten. Der Zuckerguss, den man aus den 'Sissi'-Filmen kennt, ist abgekratzt, der Kitsch ist nicht vorherrschend."

Die Todessehnsucht, die Elisabeth ein Leben lang begleitete, spiele eine große Rolle. "Sie war bei aller Tragik, die sie in jungen Jahren durchlebte, auch eine sehr erstaunliche Frau", sagt er. "Sie reiste unglaublich viel, hatte sogar ein eigenes Fitnessstudio. Sie liebte Heinrich Heines Werk." Sie sei nicht nur Opfer gewesen. "Zum Beispiel hat sie meine Urgroßmutter, das einzige Kind, das sie selbst erziehen durfte, immer unter Druck gesetzt, sie nicht zu verlassen. Es schlugen zwei Seelen in einer Brust. Das macht sie bis heute rätselhaft und geheimnisvoll."

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