Nachwuchsschauspieler

Schauspielnachwuchs made in Berlin

Als Schauspieler braucht man einen langen Atem. Trotzdem ist die große Filmkarriere der Traum von Robert Maaser und Denise Ankel aus Berlin.

Robert Maaser stand schon mit Tom Cruise vor der Kamera

Robert Maaser stand schon mit Tom Cruise vor der Kamera

Foto: Amin Akhtar

Sonja Gerhardt hat es geschafft. Seit ihren Anfängen im Kinderensemble des Friedrichstadt-Palastes hat die heute 26-Jährige in erfolgreichen Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt. Gerade hat sie den ZDF-Dreiteiler "Ku'damm 56" gedreht und ist in der weltweit erfolgreichen RTL-Serie "Deutschland 83" zu sehen. Aber wie ist es eigentlich, sich in Berlin als Filmschauspieler zu versuchen? Wir haben Jungschauspieler getroffen, die gerade ihre ersten Erfolge feiern.

Robert Maaser stemmt die mit Graffiti besprühte Eisentür auf, tastet sich im grauen Licht der staubigen Fenster in den Lagerraum hinein und schaltet die Neonröhren an der Decke ein. Wie jeden Morgen trainiert der Schauspieler, Stuntman und Röhnradweltmeister auf dem RAW Gelände in Friedrichshain eine Mischung aus Kampfsport, Laufen und Gewichtheben. "Damit der Körper für die verschiedensten Situationen perfekt ausgebildet ist", sagt der 25-Jährige und lacht. Besonders für internationale Produktionen wird der Berliner gerne als Kämpfer gecastet. "In 'Mission: Impossible – Rogue Nation' habe ich einen Killer gespielt", erzählt Maaser, "das war der einfachste Schauspieljob, den ich je gemacht habe – und gleichzeitig die größte Produktion, bei der ich je dabei war." Gedreht wurde in Wien und London. Am Tag waren bis zu 500 Menschen am Set. "Jeder Handgriff hat gesessen und trotzdem sind alle entspannt und kennen sich", sagt der Schauspieler. Und Tom Cruise? Der sei eben auch nur ein Mensch. "Er ist super professionell, nimmt seine Arbeit sehr ernst und gibt immer hundert Prozent", sagt Maaser. Er sei bei jedem Kampftraining dabei gewesen und habe in den Drehpausen mit den anderen Schauspielern herumgealbert. "Bei internationalen Produktionen sind die Hauptdarsteller oft lockerer als bei deutschen Produktionen. Da gibt es schon einige Diven", erklärt Maaser lachend.

Bis zur Rolle in einer Hollywoodproduktion sei es aber ein weiter Weg gewesen. "Ich bin eher zufällig zum Schauspiel gekommen", sagt Maaser. Vom Röhnradfahren ging es bei ihm weiter zum Stunt, von Stuntclips weiter zu Schauspielkursen und den ersten Rollen. "Ich habe angefangen, mich selbst zu informieren. Habe Schauspielbücher von Stella Adler, Michael Tschechow, Uta Hagen, Lee Strasberg gelesen und die Meisner-Technik im Actors Space Berlin gelernt", sagt Maaser. Eigeninitiative sei das Wichtigste, um weiterzukommen. "Ich verlasse mich nicht nur auf meine Agentur", erklärt er.

Auch Denise Ankel hat ein Spezialgebiet für sich entdeckt. Die Berlinerin spricht nicht nur Englisch, Französisch und Deutsch, sondern auch Türkisch. So konnte sie die Hauptrolle in dem türkischen Kinofilm "Madimak – Carinas Tagebuch" ergattern. "Der deutsche Akzent wird in der Türkei immer beliebter und oft als süß angesehen", erklärt Ankel, deren Vater aus der Türkei stammt. "In der Türkei wird unglaublich viel produziert. Das Medium Fernseher hat einen hohen Stellenwert. Besonders Serien sind sehr beliebt. Die Serienschauspieler sind die Stars, zu denen alle hinaufschauen", erklärt die Schauspielerin. Die Arbeit in der Türkei sei jedoch häufig anstrengender als in Deutschland. "Dadurch, dass es dort keine Gewerkschaften für Schauspieler gibt, sind Überstunden oft ganz normal. Es kommt vor, dass man drei Nächte hintereinander nur vier Stunden schläft. Dann muss man sich eben am Set eine halbe Stunde aufs Sofa legen."

Das nehme sie aber für ihren Traumjob in Kauf. Genauso wie die unregelmäßigen Arbeitszeiten. "Meine Freunde, Familie und mein Partner sind es gewohnt, dass ich manchmal mehrere Wochen nicht da bin. Das ist kein Problem. Schwieriger ist es, mit dem Zurückkommen zurechtzukommen. Von der hohen Konzentration am Set wieder in den Alltag der Stadt zurückzufinden", sagt Ankel. Zuletzt hat sie als israelische Soldatin im Musikvideo "Von der Liebe" der Band Fettes Brot mitgespielt. Entdeckt wurde sie mit elf Jahren, als sie auf Krücken zum Zeichenunterricht humpelte. Später studierte sie Grafikdesign und spielte nebenbei in Werbe- und Kurzfilmen mit. "Ich weiß noch, wie ich gerade mit meinem Studium fertig war und bei einem Casting in Mitte wartete. Auf einmal war mir klar, dass ich mich auf die Schauspielerei festlegen will und meine ganze Energie in diesen Beruf stecken möchte", so Ankel.

Denn viel Energie brauchen Schauspieler. Da kann auch Sonja Gerhardt zustimmen. "Ein langer Atem und unermüdliche Enthusiasmus sind wichtige Voraussetzung, um als Schauspieler erfolgreich arbeiten zu können", sagt die Berlinerin. Sie arbeite schon seit zehn Jahren als Schauspielerin und wisse, dass Erfolg vergänglich sei. In Zukunft würde sie sich auch über Angebote aus dem Ausland freuen. Vielleicht wird es ja Istanbul, London oder Wien. Dann könnten ihr Robert Maaser und Denise Ankel sicher Tipps für drehfreie Tage geben.

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