Bundespresseball 2015

Unter besonderer Beobachtung im Adlon am Pariser Platz

Zum 64. Bundespresseball sind zahlreiche Prominente aus Politik und Medien gekommen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch.

Nach den entsetzlichen Terroranschlägen in Paris und der Trauerfeier am Freitag in der Stadt der Attentate stand der 64. Bundespresseball mit seiner exklusiven Gästeschar am Freitagabend unter besonderer Beobachtung. Der Bundespräsident, die Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestages, vier Bundesminister, zwei Ministerpräsidenten und mehrere Parteivorsitzende waren ins Adlon gekommen, nur Außenminister Frank-Walter Steinmeier musste absagen; er nahm am Freitag im Namen der Bundesregierung an der Trauerfeier in Paris teil.

Gekommen waren die hochschwangere Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt - und natürlich Bundespräsident Joachim Gauck. Zum Bundespresseball erschienen waren auch die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und der Amtskollege Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg.

Auf die Frage, ob ihm an einem solchen Tag zum Feiern zumute sei, antwortete Kretschmann freundlich und knapp: „Ja, die Welt ist so.“ Ausführlicher äußerte sich seine Parteifreundin, die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth: „Ich lasse mir von Verbrechern nicht die Lebensfreude nehmen.“ Nicht zu feiern, hieße, dass sie schon „ein Stück von uns einkassiert haben“.

„Wir denken immer an Paris“

Der US-Botschafter John B. Emerson verbreitete positive Stimmung: „Wir müssen unser Leben weiterleben. Wir denken immer an Paris.“

Die Sicherheitsvorkehrungen beim Ball waren etwas höher als üblich - zu bemerken sind sie ja ohnehin selten. Die Ballgäste wurden nicht intensiver kontrolliert als in den vergangenen Jahren. Allerdings gab es mehr auffällig-unauffällige Männer mit Knopf im Ohr. Der Pariser Platz war für den normalen Autoverkehr gesperrt, nur die Taxen der Ballgäste hatten Zufahrt.

Die 2300 Gäste aus Politik, Medien, Wirtschaft und Unterhaltung mussten dieses Jahr erstmals andere Ablaufpläne der Ballnacht beachten: Die 300 Dinnergäste (ein Ticket kostete 650 Euro) erschienen bereits um 18.30 Uhr, um im Palaissaal des Adlon zu speisen. Die Flaniergäste (Ticket 350 Euro) wurden hingegen erst um 19.30 Uhr eingelassen. Diese Veränderung ließ den Ball viele entspannter starten. Schon ab 20 Uhr wurde im Ballsaal getanzt. Die offizielle Begrüßung und der Eröffnungstanz des Bundespräsidenten mit Sonja Mayntz, der Ehefrau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Gregor Mayntz, folgte kurz nach 21 Uhr.

30 Stände mit 85 Köchen

Nach der unglücklichen Organisation des Caterings im vergangenen Jahr im Flughafen Tempelhof, waren die Ballgäste in diesem Jahr rundum zufrieden: An 30 Ständen mit 85 Köchen gab es lokale Köstlichkeiten wie Brandenburger Mozzarella und die berühmte Currywurst, aber auch bretonische Felsenaustern und unter Schwarzlicht leuchtende Desserts.

Alles in allem schien der Ball im Adlon eine neue, würdige Heimat gefunden zu haben. Damit kann sich Cheforganisator Alfred J. Gertler zufrieden nach 19 Jahren in den Ruhestand verabschieden. Er möchte sich mehr als bisher dem Golfspiel widmen.