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2000 Gäste bei Berliner Operngala der Aids-Stiftung

Die Aids-Gala in der Deutschen Oper Berlin ist schon Tradition. 2000 Gäste kamen am Sonnabend in die City West.

Nur kurz ging es um aktuelle politische Probleme, dann stand die Musik im Mittelpunkt. Bei der 22. Operngala der Deutschen Aids-Stiftung in Berlin zog Intendant Dietmar Schwarz eine Parallele zwischen Aidskranken und Flüchtlingen: „Der Flüchtlingsstrom konfrontiert uns mit der Frage nach Menschlichkeit und Verantwortung“, sagte Schwarz am Samstagabend in seiner Eröffnungsrede. Diese Herausforderung an die Gesellschaft, der nötige Einsatz gegen Diskriminierung und Hass, habe sich auch schon oft angesichts der Krankheit Aids gestellt.

Großer Applaus der mehr als 2000 Gäste und Promis - und kurz darauf durfte bei der Wohltätigkeitsveranstaltung auch gelacht werden. Launig, ironisch und meist auch gelungen moderierte der Sänger und Orchesterleiter Max Raabe das Programm aus Opernstücken bekannter Komponisten. In Tschaikowskys Oper „Die Jungfrau von Orléans“ müsse sich die Titelheldin als Europaabgeordnete gegen die übergriffigen Briten wehren, bis man ihr schließlich „tüchtig einheizt“, so Raabe über Johannas Tod auf dem Scheiterhaufen.

Puccinis „La Bohème“ dürfte es nach deutschen Energiegesetzen gar nicht geben. Zu schlecht sei die Öko-Bilanz der Künstler-WG in ihrer nicht isolierten Bruchbude, meinte Raabe und fügte eine kleine Anleihe von Loriot, seinem legendären Vorgänger als Moderator der Veranstaltung, hinzu: „Alle leben unter ihrem Niveau, aber über ihre Verhältnisse.“ Durch die ausgewiesene Tuberkulose der Hauptfigur sei das „die einzige Oper, in der auf der Bühne mehr gehustet wird als im Parkett“.

Die SPD war am stärksten vertreten

Unter die Besucher mischten sich viele Prominente: Am besten war die SPD vertreten mit Familienministerin Manuela Schwesig und Berlins früheren Regierenden Bürgermeistern Klaus Wowereit und Walter Momper. Berlins Innensenator Frank Henkel repräsentierte die CDU. Und die Schauspieler Axel Milberg und Daniel Brühl das Showbusiness. Wobei Brühl als Werbevertreter eines Sponsors, einer großen Autofirma, auftrat.

Alle Solisten, der Dirigent Donald Runnicles, das Orchester der Deutschen Oper und Raabe verzichten zugunsten des guten Zwecks auf ein Honorar. In den vergangenen 21 Jahren erbrachte die Berliner Operngala auf diese Weise insgesamt etwa sieben Millionen Euro. In diesem Jahr spendeten zwei Sponsoren-Firmen zusammen 450 000 Euro für Aids-Hilfsprojekte in Deutschland und Afrika. Weiteres Geld wurde durch den Kartenverkauf eingenommen.

Ein Preis ging an die amerikanische Bill & Melinda Gates Stiftung des Microsoft-Gründers. In einem Filmeinspieler bedankte sich Melinda Gates und forderte einen ausdauernden Kampf für eine Welt ohne Aids.

Vor der nächtlichen Party im hinteren Bereich der riesigen Opernbühne durfte dann noch einmal Max Raabe lästern. Über das Gewölbe, in das sich Aida am Schluss ihrer Oper mit ihrem Geliebten einmauern lässt, sagt Raabe: „So wird der Zuschauer Zeuge einer wundersamen Verwandlung: Die Gruft wird hier zur Besenkammer.“ Über diese spezielle Verbindung zwischen Verdi und Boris Becker dürfte mancher der angesprochenen Zuhörer noch länger gegrübelt haben.